Junge oder Mädchen? Geschlecht des Babys verändert Immunantwort der Mutter

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (16. Februar 2017)

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Reagiert der Körper bei Schwangeren unterschiedlich, je nachdem ob sie ein Mädchen oder einen Jungen bekommen? Viele Frauen glauben das. Auch einige Studien deuten darauf hin, dass Morgenübelkeit, Heißhunger auf bestimmte Dinge oder andere Schwangerschaftsbeschwerden mit dem Geschlecht des Babys zu tun haben könnten. Eine Studie der US-amerikanischen Ohio State University zeigt nun, dass das Geschlecht des Babys beeinflusst, wie das Immunsystem der werdenden Mutter reagiert.

So lief die Studie ab

Für die Studie begleiteten die Wissenschaftler 80 Frauen über die Dauer ihrer Schwangerschaft und nahmen regelmäßig Blutproben. Das Blut untersuchten sie auf bestimmte Immunmarker: die Zytokine. Als Zytokine bezeichnet man spezielle Eiweiße (Proteine), die der Körper produziert. Sie wirken entzündungsfördernd und dienen dazu, die Reaktion des Immunsystems auf körperfremde Strukturen wie Viren oder Bakterien zu regulieren. Die Forscher wollten herausfinden, ob sich die Menge an Zytokinen bei Schwangeren abhängig vom Geschlecht des Babys unterscheidet.

Stärkere Immunreaktion bei Schwangeren, die ein Mädchen erwarten

Dabei zeigte sich allerdings ein anderes Bild als erwartet. Denn die Menge der Zytokine blieb unabhängig vom Geschlecht des Babys gleich. Aber die Reaktion des Immunsystems auf Krankheitserreger unterschied sich, je nachdem ob die Schwangere ein Mädchen oder einen Jungen erwartete. Erwartete sie ein Mädchen, produzierten die Zellen des Immunsystems mehr entzündungsfördernde Zytokine, wenn sie in Kontakt mit Erregern kamen. Das bedeutet, sie hatte eine stärkere Entzündungsreaktion und Immunantwort auf potenzielle Erreger als Frauen, die einen Jungen erwarteten.

Entzündung als Teil der Immunantwort

Entzündliche Vorgänge sind ein wichtiger Teil der Immunantwort. Sie spielen für die Wundheilung sowie für die Reaktion auf Krankheitserreger wie Bakterien und Viren, aber auch auf chronische Erkrankungen eine wichtige Rolle.

Eine verstärkte Entzündungsreaktion kann den Körper allerdings belasten und bei Schwangeren zu Beschwerden wie Schmerzen oder Erschöpfung führen. Diese stärkeren Entzündungsreaktionen erklären möglicherweise auch, warum sich die Symptome bei Vorerkrankungen wie Asthma verschlimmern, wenn Frauen ein Mädchen erwarten.

Weitere Forschung notwendig

Weitere Studien sollen diese Aspekte näher beleuchten und Aufschluss darüber bringen, wie das Immunsystem von Schwangeren auf unterschiedliche Erreger, Infekte oder chronische Erkrankungen genau reagiert. Ungeklärt ist bislang, ob die unterschiedlichen Reaktionen des Immunsystems möglicherweise die Gesundheit des Babys beeinträchtigen.

Auf welche Weise das Geschlecht des Babys die mütterlichen Entzündungsreaktionen jedoch beeinflusst, bleibt bislang unklar. Die Forscher halten es für denkbar, dass die Geschlechtshormone des Kindes oder andere Hormone der Plazenta das Ausmaß der Entzündungsreaktion beeinflussen.

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Quellen:

Mitchell, A. M., et al.: Fetal sex is associated with maternal stimulated cytokine production, but not serum cytokine levels, in human pregnancy. Brain, Behavior, and Immunity, Vol. 60, pp. 32-37 (Februar 2017)

Stand: 16. Februar 2017