Eingeschlafene Hände und Füße – was passiert dabei?

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (20. September 2017)

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Die meisten Menschen haben es auf die eine oder andere Art schon einmal erlebt. Man sitzt zum Beispiel schon eine Weile mit übereinandergeschlagenen Beinen, steht auf und plötzlich fängt es im Fuß an zu kribbeln und zu piksen: Der Fuß ist eingeschlafen. Zum Glück geht das Gefühl normalerweise nach kurzer Zeit wieder weg. Aber was passiert da eigentlich genau?

Oft prickeln die eingeschlafenen Hände oder Füße nicht nur, sondern fühlen sich auch ein bisschen taub an und lassen sich möglicherweise nicht mehr so gut bewegen. In der Regel verschwinden die Missempfindungen nach wenigen Minuten von selbst, sobald man sich ein wenig bewegt hat.

Mediziner bezeichnen solch ein kurzfristiges Einschlafen als transiente Parästhesie. Die "vorübergehende Missempfindung" ist ein sehr häufiges Phänomen. Die Ursache für das Einschlafen ist letztlich zu viel Druck auf einen Arm oder ein Bein, der dazu führt, dass ein Nerv abgeklemmt wird. Gleichzeitig engt der Druck oft Blutgefäße ein und unterbricht so die Blutzufuhr zu den Nervenzellen.

Als Folge gelangen von den Nervenzellen keine Informationen mehr ans Gehirn – und umgekehrt. Das Gehirn reagiert und veranlasst den Körper, seine Position zu verändern. Also etwa die Beine nebeneinander zu stellen, anstatt sie übereinanderzuschlagen. Oder aufzustehen. Dadurch lässt der Druck auf Nervenzellen und Gefäße nach. Das Blut beginnt wieder zu fließen, die Nervenzellen senden wieder Signale ans Gehirn – und empfangen auch wieder welche.

Die Nervenzellen brauchen jedoch ein paar Minuten, um sich wieder von dem Informations- und Versorgungsengpass zu erholen, und feuern ihre Signale deshalb anfangs ein wenig unkoordiniert ab. Dadurch kommt beim Gehirn zuerst eine Art Signalrauschen an, das dann als unangenehmes Kribbeln oder Piksen wahrgenommen wird. Was der Mensch als eingeschlafene Hände und Füße registriert, ist also im Grunde genommen der Prozess des Aufwachens.

Daneben gibt es jedoch auch noch sogenannte chronische Parästhesien. Also Missempfindungen wie Kribbeln oder Piksen, die im Rahmen von Erkrankungen oder durch die Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. bei Chemotherapie) entstehen. Zu solchen Erkrankungen zählen zum Beispiel:

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Sensibilitätstörungen

Quellen:

Grehl, H., et al.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2016

Noogle, C. A., et al.: The Encyclopedia of Neuropsychological Disorders. Springer Publishing Company, New York 2012

Was steckt eigentlich hinter … Parästhesien? Online-Informationen der Deutschen Apotheker Zeitung: www.deutsche-apotheker-zeitung.de (Stand: 2009)

Aktualisiert am: 20. September 2017



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