Die richtige Musik zum Laufen: ABBA bis zur Erschöpfung?

Veröffentlicht von: Till von Bracht (17. Februar 2017)

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Laufen ist die einfachste Sportart der Welt: rein in die Schuhe und los geht’s! Wetter? Egal! Ort? Egal! Niemand da, der mitlaufen könnte? Auch egal, läuft man eben alleine durch den Park oder am Rhein entlang!

Aber fehlt da nicht was? Viele werden diese Frage jetzt wahrscheinlich mit ja beantworten. Für immer mehr Menschen ist es mittlerweile undenkbar, ohne Musik laufen zu gehen. Sie brauchen beim Joggen einfach ihre Lieblingssongs oder motivierende Lieder wie „Eye of the Tiger“ auf den Ohren, um sich aufzuraffen und voll durchzustarten.

Und in der Tat: Zahlreiche Studien konnten belegen, dass die meisten Otto-Normal-Hobbyläufer schneller und länger laufen können, wenn sie dabei Musik hören – vorausgesetzt, sie wählen die richtigen Lieder!

Damit das Musikdoping überhaupt funktionieren kann, ist es wichtig, dass der Rhythmus der Songs ungefähr mit der Herzfrequenz und dem Lauftempo übereinstimmt.

Die Formel dafür klingt relativ einfach: Wenn Sie beim Laufen entspannen und Ihre Gedanken schweifen lassen wollen, dürfen es auch mal etwas langsamere Rhythmen mit rund 100 Schlägen die Minute (bpm) sein. Wollen Sie hingegen etwas Tempo „bolzen“ oder sich beim Intervalltraining auspowern, ist schnelle Musik mit mehr als 140 bpm ein Muss.

Gerade Laufanfänger sollten dabei allerdings nicht den Fehler machen, dass sie sich mit Musikbegleitung überschätzen und überanstrengen. „Denn nicht die Musik sollte der Taktgeber für das Lauftempo sein, sondern das individuelle Körpergefühl", warnt Prof. Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln.

Musik beim Joggen dient lediglich der Motivation. Sie kann die Stimmung des Läufers heben und hilft dabei, die Konzentration auf einen rhythmischen und ökonomischen Laufschritt zu lenken. Bei trainierten Läufern, die vor einem Wettkampf ohnehin bis in die Fingerspitzen motiviert sind und sich beim Laufen ganz auf sich und ihren Laufrhythmus konzentrieren können, wird Musik daher keine Leistungssteigerung bringen.  

So findet man die richtige Musik für sich

Dr. Costas Karageorghis, Professor der Londoner Brunel Universität, untersucht seit 20 Jahren den Einfluss von Musik auf die sportliche Leistung. Er behauptet, dass die meisten Sportler jene Lieder als besonders motivierend empfinden, die einen klaren Rhythmus mit 125 bis 140 Schlägen die Minute haben. 

Bei der Auswahl der richtigen Musik zum Laufen spielt allerdings nicht nur das Tempo eine Rolle, sondern natürlich auch der eigene Geschmack. Wer gerne Rock und Heavy Metal hört, wird wenig begeistert sein, wenn von nun an die neusten Chartstürmer von David Guetta und Co. auf der Playlist stehen sollen.

Zusammenfassung

Die richtige Musik mit einem Takt von 125 bis 140 Schlägen die Minute kann dabei helfen, dass wir beim Joggen besonders motiviert sind und länger durchhalten – sie muss aber nicht. Gerade in der Stadt sollte man zudem lieber auf den MP3-Player verzichten, da sonst Motorengeräusche von Autos und das Klingeln von Fahrradfahrern leicht überhört werden. 

Weitere Informationen

Quellen:

Karageorghis, C.I.: Applying Music in Exercise and Sport. Human Kinetics, Illinois 2016

Lee, S., Kimmerly, D.: Influence of music on maximal self-paced running performance and passive post-exercise recovery rate. The Journal of sports medicine and physical fitness. Vol. 56, pp. 39-48 (2016)

Van Dyck, E., et al.: Spontaneous entrainment of running cadence to music tempo. Sports medicine-open, Vol. 1, Iss. 1, p. 15 (2015)

Franěk, M., van Noorden, L., Režný, L.: Tempo and walking speed with music in the urban context. Frontiers in psychology, Vol. 5, p. 1361 (2014)

Dyer, B.J., McKune, A.J.: Effects of music tempo on performance, psychological, and physiological variables during 20 km cycling in well-trained cyclists. Perceptual and Motor Skills, Vol. 117, Iss. 2, pp. 484-497 (2013)

Lane, A.M., Davis, P.A., Devonport, T.J.: Effects of music interventions on emotional states and running performance. Journal of Sports Science and Medicine, Vol. 10, Iss. 2, pp. 400-407 (2011)

Baldari, C., et al.: Effects of music during exercise in different training status. The Journal of sports medicine and physical fitness, Vol. 50, Iss. 3, pp. 281-287 (2010)

Terry, P.C., Karageorghis, C.I.: Psychophysical effects of music in sport and exercise: An update on theory, research and application. In joint conference of the Australian psychological society and the New Zealand psychological society, pp. 415-419 (2006)

Stand: 17. Februar 2017