Der große Insektenstich-Guide: Was hat mich da gestochen – und was hilft?

Veröffentlicht von: Till von Bracht (31. August 2017)

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Im Spätsommer haben Insekten Hochsaison – und damit auch Insektenstiche. Wie sich Allergiker schützen und wie man die Schmerzen nach einem Stich lindert.

Angenehme Temperaturen und Sonnenschein den ganzen Tag – was kann es da Schöneres geben, als abends nach Feierabend ein paar Stunden im Park auf der Wiese zu liegen oder am Wochenende durch die Natur zu wandern? Aber, typisch Natur, hier findet sich allerhand krabbeliges Zeug wieder: Die Rede ist von Mücken, Wespen, Käfern, Grasmilben und vielem mehr. Die meisten von ihnen sind für den Menschen harmlos. Unangenehm wird es allerdings, wenn diese Tierchen stechen (oder beißen).

Doch nicht jeder Insektenstich ist schmerzhaft oder geht mit einem penetranten Juckreiz einher. Bei einigen Stichen helfen Dimetinden-haltige Gels, bei anderen hingegen sind diese Produkte wirkungslos. Zu wissen, wie welcher Insektenstich (bzw. -biss) aussieht und was man im Falle einer Allergie tun sollte, ist für den Betroffenen sehr hilfreich.

"Dieses Wissen kann lebensrettend sein", sagt Prof. Thilo Jakob, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie in Gießen. "Rund drei Millionen Deutsche reagieren allergisch auf einen Wespen- oder Bienenstich und etwa zwanzig von ihnen sterben jedes Jahr an einem allergischen Schock."

Wespen

Ein Wespenstich ist mit knapp 70 Prozent der häufigste Auslöser für allergische Reaktionen auf Insektenstiche. Wespen sind aggressive Zeitgenossen. Fühlen sie sich bedroht, stechen sie zu.

Wespenstiche sind äußerst schmerzhaft. Um die Einstichstelle herum zeigen sich gerötete Schwellungen. Wurden Sie von einer Wespe gestochen, sollten Sie die Stelle möglichst schnell kühlen – zum Beispiel mit Eis, kaltem Wasser oder kühlenden, abschwellenden Salben.

Bienen

Auch ein Bienenstich darf nicht unterschätzt werden. Im Unterschied zu einem Wespenstich bleibt hier der Stachel mit Giftsack in der Regel in der Haut stecken und gibt weiter Gift in die Einstichstelle ab. Daher sollte man den Stachel vorsichtig aus der Haut entfernen.

Beim Entfernen des Stachels ist darauf zu achten, die möglicherweise noch anhängende Giftdrüse nicht zu zerquetschen, da sonst noch mehr Gift in die Blutbahn gelangt.

Anschließend gilt auch hier: kühlen, kühlen, kühlen ...

Hummel

Die Hummel ist der Kuschelbär unter den Insekten. Im Vergleich zu Bienen und vor allem Wespen sind sie äußerst friedfertig. Dennoch haben auch sie einen Stachel, den sie bei großer Bedrohung benutzen.

Hummelstiche haben ebenfalls eine deutliche Rötung zur Folge und schwellen an. Sie sind meist aber weniger schmerzhaft als Bienen- oder Wespenstiche. Das heißt aber nicht, dass sie für Allergiker weniger gefährlich sind: Auch ein Hummelstich kann eine allergische Reaktion auslösen.

Hornissen

Von allen Insektenstichen in unseren Gefilden lösen Hornissenstiche die stärkste Reaktion auf der Haut aus. Die Einstichstelle brennt sehr stark, schwillt an und rötet sich.

Dass ein Hornissenstich schmerzhafter ist als beispielsweise der einer Biene, liegt daran, dass die Hornisse beim Stechen Acetylcholin in den Körper abgibt. Entgegen der landläufigen Meinung sind Hornissen allerdings nicht giftiger als Bienen und Wespen! Im Gegenteil: Die Toxizität des Hornissengiftes ist sogar geringer als die des Wespen- oder Honigbienengiftes.

Die gute Nachricht: Hornissen sind friedliche Tiere. Daher kommt es nur sehr selten zu Hornissenstichen.

Mücken

Wer kennt es nicht? Es ist spätabends, man liegt im kuscheligen Bett und befindet sich irgendwo im Delirium zwischen Wachzustand und Einschlafphase, da hört man dieses unheilvolle hohe Summen direkt neben dem Ohr: eine Mücke!

Ein Mückenstich entsteht meist unbemerkt, da die surrenden Plagegeister beim Stechen eine schmerzstillende Substanz ins Blut abgeben. Diese Substanz sorgt auch dafür, dass der Mückenstich nach kurzer Zeit stark juckt.

Auch wenn es schwerfällt, gilt die Devise: nicht kratzen! Stattdessen sollten Sie einen Löffel oder eine Münze auf etwa 50 Grad Celsius erwärmen und auf die betroffene Stelle legen. Dadurch wird ein Teil der Enzyme aus dem Mückenspeichel zerstört und der Juckreiz nimmt ab.

Pferdebremsen

Bremsen haben säbelartige Mundwerkzeuge, die sich direkt in die Haut bohren. Deshalb führt ein Bremsenstich direkt zu Schmerzen.

Nach kurzer Zeit bildet sich an der Einstichstelle eine größere Quaddel und ein stärkerer Juckreiz als bei einem Mückenstich.

Grasmilben

Grasmilben – auch Herbst- oder Erntemilben genannt – sind winzig klein und krabbeln im heimischen Garten oder auf Grashalmen im Park herum. Von den Spitzen der Grashalme gelangen sie auf den Menschen, wo sie sich erstmal eine feuchte, warme Stelle suchen, an der die Haut dünn und weich ist – zum Beispiel am Knöchel oder am Rand der Unterwäsche.

Dort angekommen beißen sich die Grasmilben in die oberste Hautschicht und saugen das auflösende Gewebe ein. Nach einigen Stunden bilden sich an der Einstichstelle rote Quaddeln, die sehr stark jucken. Der Juckreiz kann teilweise sogar mehrere Tage anhalten. Hier können juckreizstillende Gele Linderung verschaffen.

Flöhe

Flöhe sind kleine, hell- bis dunkelbraune Insekten, die mit einem besonderen Beißwerkzeug ausgestattet sind: einem kombinierten Stech- und Saugrüssel. Flohbisse jucken sehr stark und es bilden sich rötliche Papeln beziehungsweise Schwellungen. Diese lassen sich mit Cremes oder Gels behandeln, die Wirkstoffe aus der Gruppe der Antihistaminika oder Glukokortikoide enthalten.

Der eigentliche Flohstich oder Flohbiss ist in der Mitte teilweise als roter Punkt erkennbar. Meist treten die Flohbisse im Dreierpack auf, da die Flöhe oft erst "Probebisse" machen, ehe sie sich für eine Stichstelle entscheiden. Die Flohbisse liegen daher häufig wie aufgeschnürt auf einer Reihe.

Quellen:

Stichkunde: Welches Insekt hat mich gestochen? Online-Informationen der Initiative Insektengift: www.initiative-insektengift.de (Abrufdatum: 31.8.2017)

Sterry, W., et al.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Aktualisiert am: 31. August 2017



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