Baby-led Weaning: Fingerfood statt Babybrei

Veröffentlicht von: Till von Bracht (16. August 2017)

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Baby-led Weaning (kurz: BLW) ist eine Alternative zum traditionellen Beikoststart – ganz ohne Brei! Statt pürierter Pastinake oder zermatschter Möhrchen landet von Anfang an mundgerechtes Fingerfood auf dem Teller. Die Kleinen bestimmen selbst, was und wie viel sie sich in den Mund schieben. Doch Kinderärzte halten das Ernährungskonzept für gefährlich.

Etwa mit sechs Monaten sind die meisten Babys bereit für Beikost. Ein Löffelchen für Mama, ein Löffelchen für Papa … Klassischerweise beginnt mit dem Beikoststart auch die Einführung in die Breikost. Dabei werden die Milchmahlzeiten nach und nach durch Karottenpüree oder andere Babybreie ersetzt, bis irgendwann auch Brot und andere feste Speisen hinzukommen.

Beim Baby-led Weaning hingegen sieht das ganz anders aus. Die Eltern bieten ihrem Nachwuchs lediglich Fingerfood an, also zum Beispiel gekochte Möhren, Brokkoli, Kartoffeln oder Brot. Das Baby sitzt mit der ganzen Familie am Esstisch und kann – wenn es denn möchte – selbstständig das gedünstete Gemüsestück vom Teller nehmen, daran lutschen oder es auch essen.

Ein wichtiger Punkt dabei: Das Kind isst selbst. Das heißt, es darf gemantscht und experimentiert werden! Gerade am Anfang müssen sich Eltern darauf einstellen, dass ein Großteil des Essens nicht im Mund, sondern auf dem Fußboden oder auf dem Lätzchen landet.

Die kleinen Fingerfood-Häppchen machen die Babys aber natürlich (noch) nicht satt. Daher wird das Kind weiter nach Bedarf gestillt oder mit Milchnahrung aus der Flasche gefüttert.

Baby-led Weaning soll ein gesundes Essverhalten fördern und Übergewicht vorbeugen, da die Kinder ihren eigenen Appetit sowie Sättigung besser wahrnehmen können. Das sagen zumindest die Befürworter dieser Beikostmethode.

Aktuelle Untersuchungen konnten dies allerdings nicht bestätigen. Wie die Wissenschaftler der Universität Otago (Neuseeland) festgestellt haben, gab es keine Unterschiede beim BMI (Body-Mass-Index) zwischen BLW-Babys und jenen, die mit Babybrei gefüttert wurden. Um verlässliche Aussagen treffen zu können, sind allerdings weitere Studien notwendig.

Wann kann man mit Baby-led Weaning anfangen?

Den richtigen Zeitpunkt für die Beikosteinführung gibt nicht der Kalender, sondern das Kind vor. Bei einigen Babys kann man schon nach dem vierten Monat langsam mit Baby-led Weaning anfangen, einige sind erst mit sieben Monaten bereit für die Beikost.

Entscheidend sind die sogenannten Beikostreifezeichen:

  • Das Baby sollte offensichtliches Interesse an Lebensmitteln zeigen – zum Beispiel wenn es das Essen mit den Augen verfolgt oder sogar selber den Mund weit aufreißt, wenn die Eltern etwas essen.
  • Der Zungenstreckreflex, mit dem Babys feste Nahrung normalerweise wieder aus dem Mund befördern, sollte verschwunden oder zumindest stark abgeschwächt sein.
  • Das Kind kann selbstständig sitzen.
  • Beim Baby-led Weaning wird ausdrücklich nicht gefüttert. Das Baby muss daher schon in der Lage sein, die Nahrungsmittel selbst zu greifen und sich in den Mund zu stecken.

Generell empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO bis zu einem Alter von sechs Monaten reine Milchernährung. Erst ab dann sollten Eltern mit Baby-led Weaning beginnen.

Was darf das Baby essen?

Gut geeignet für den Start in die Baby-led Weaning-Beikost sind alle Gemüsesorten, die auch in den klassischen Babybreien enthalten sind – zum Beispiel:

  • Möhren,
  • Kartoffeln,
  • Brokkoli,
  • Blumenkohl,
  • Kürbis,
  • Kohlrabi,
  • Pastinake oder
  • Zucchini

Generell sollte das Gemüse weich sein, aber nicht sofort zermatschen, wenn das Baby es mal etwas unsanft in der Hand hält. Keine Sorge, auch ein zahnloser Gaumen kann schon einiges zerkleinern.

Da Babys um den sechsten Monat herum noch mit der ganzen Hand greifen (den Pinzettengriff lernen sie erst etwa ab dem achten Monat), sollte man die Fingerfood-Häppchen nicht zu klein schneiden. Optimal sind Gemüsesticks in "Pommesgröße“.

Nicht geeignet sind

  • Honig,
  • Nüsse,
  • ganze Trauben,
  • rohe Äpfel oder Birnen,
  • Mandarinen,
  • roher Fisch,
  • gezuckerte oder gesalzene Speisen und
  • fettreduzierte „Light“-Produkte.

Erstickungsgefahr? Nährstoffmangel? So gefährlich ist Baby-led Weaning wirklich!

Doch der "Baby-geführte" Beikosttrend ist umstritten. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte lehnt ihn sogar ab. "Für eine gute Versorgung ist ein ausgewogenes Nahrungsmittelangebot wichtig. Dieses kann bei Säuglingen, die von der Hand in den Mund leben, auf der Strecke bleiben“, so der Bundessprecher Hermann Josef Kahl.

Vor allem eine mögliche Unterversorgung mit Eisen sorgt immer wieder für Kritik am Baby-led Weaning. "Wenn das Kind dann nur an einem Stück Fleisch saugt, bekommt es kaum Eisen. Außerdem kann es sein, dass ein motorisch ungeschicktes Kind bei dem Fingerfood-Konzept nicht richtig satt wird. Oder dass es sich an einem Stück Gemüse oder Obst verschluckt."

Was das Verschlucken angeht, so geben aktuelle Studien Entwarnung. BLW-Babys scheinen sich nicht häufiger zu verschlucken als Babys, die mit Brei gefüttert werden.

Fazit: Lieber als Ergänzung

Baby-led Weaning und traditionelle Breifütterung sollten sich nicht ausschließen. Empfehlenswert ist es, den Babys eine Mischung anzubieten – mal Fingerfood, mal Brei und, solange das Kind es möchte, natürlich auch Milch.

"Ab dem zehnten Lebensmonat sollten Eltern dazu übergehen, das Kind an den Familienmahlzeiten teilnehmen zu lassen. Wenn es dabei noch die Hilfe der Eltern braucht, können sie es dabei ruhig noch füttern", so die Experten des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Beikost – der erste Brei

Quellen:

Brown, A., Jones, S.W., Rowan, H.: Baby-Led Weaning: The Evidence to Date. Current Nutrition Reports, Vol. 6, Iss. 2, pp. 148-156 (2017)

Pressemitteilung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): Kinder-und Jugendärzte: Baby-led Weaning kann schaden! (29.03.2017)

Gaca, A.C.: Baby led weaning. JuKip – Fachmagazin für Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, Ausg. 3, S.24-27 (2014)

Cameron, S.L., Heath, A.L.M., Taylor, R.W.: How feasible is baby-led weaning as an approach to infant feeding? A review of the evidence. Nutrients, Vol. 4, Iss. 11, pp. 1575-1609 (2012)

Wright, C.M., et al.: Is baby-led weaning feasible? When do babies first reach out for and eat finger foods?. Maternal & Child Nutrition, Vol. 7, pp. 27-33 (2011)


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