Alkoholschäden beim Baby – zu 100 Prozent vermeidbar!

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (18. Mai 2017)

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Alkohol in der Schwangerschaft kann dem Baby dauerhaft schaden. Dieses Wissen scheint jedoch längst nicht ausreichend verbreitet zu sein: 18 Prozent der Bevölkerung Deutschlands finden es akzeptabel, dass Schwangere ab und zu ein Glas Bier, Wein oder Sekt trinken. Kein Wunder also, dass Alkoholschäden beim Baby (sog. fetale Alkoholspektrumstörungen) weit verbreitet sind.

Was passiert, wenn eine Schwangere Alkohol trinkt?

Jeder Schluck Alkohol, den eine Schwangere trinkt, fließt über die Nabelschnur auch in die kindliche Blutbahn. Darum hat das ungeborene Baby schon nach wenigen Minuten dieselbe Alkoholkonzentration im Blut wie seine Mutter. Die kindlichen Organe sind aber noch nicht voll ausgereift, sodass das Baby viel mehr Zeit als seine Mutter braucht, um den Alkohol wieder abzubauen. Beim Baby hält die schädigende Wirkung des Alkohols also länger an als bei seiner Mutter.

Ob es eine Schwellendosis gibt, unter der Alkohol in der Schwangerschaft ungefährlich für das Ungeborene ist, lässt sich nicht feststellen. Fest steht, dass in jeder Phase der Schwangerschaft sogar geringe Alkoholmengen dem Baby schwer schaden können.

Jeder Schluck Alkohol in der Schwangerschaft bedeutet ein Risiko für das Baby!

Was richtet der Alkohol beim Kind an?

Alkohol ist ein Zellgift, das die Zellteilung hemmt und so direkt das Wachstum des Babys beeinflusst. Außerdem wirkt sich Alkohol negativ auf die Entwicklung des Gehirns aus und kann schwere Schäden im ganzen Organismus anrichten.

Solche vor der Geburt durch Alkohol verursachten Schädigungen des Babys fasst man als fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD) zusammen. Sie können mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. Die schwerste Form der fetalen Alkoholspektrumstörung bezeichnen Mediziner als fetales Alkoholsyndrom (FAS) oder auch Alkoholembryopathie.

Woran erkennt man eine fetale Alkoholspektrumstörung / ein fetales Alkoholsyndrom?

Eine schwach bis mäßig ausgeprägte fetale Alkoholspektrumstörung macht sich durch eine verzögerte Entwicklung und ein auffälliges Verhalten bemerkbar. Die betroffenen Kinder brauchen eine intensive Frühförderung. Doch auch, wenn sie diese erhalten, können sie ihr Leben lang beeinträchtigt bleiben. Als Jugendliche und Erwachsene haben sie zudem ein erhöhtes Risiko, unter bestimmten Umständen eine Sucht zu entwickeln.

Kinder, die ein fetales Alkoholsyndrom haben, sind teils schwer und dauerhaft körperlich und geistig behindert. Die Entwicklung ihres Gehirns wurde durch den Alkoholkonsum in der Schwangerschaft so stark beeinträchtigt, dass sie lebenslang hilfsbedürftig sind. Mögliche Anzeichen für das fetale Alkoholsyndrom sind:

  • geringes Geburtsgewicht
  • Wachstumsstörungen
  • Fehlbildungen der Organe (z.B. Nierenschäden, Herzfehler)
  • äußere körperliche Auffälligkeiten (z.B. im Gesichtsbereich, kleiner Kopf)
  • Verhaltensauffälligkeiten (z.B. geringer Saugreflex, Unruhe, leichte Reizbarkeit)
  • Mängel in der geistigen Entwicklung (z.B. Konzentrationsschwäche, Lern- oder Merkschwierigkeiten, verminderte Intelligenz)

Wie verbreitet ist das Problem?

Weltweit trinkt fast jede zehnte Frau während der Schwangerschaft Alkohol – in Europa sogar jede vierte. Die fünf Länder, in denen der Anteil alkoholkonsumierender Schwangerer am höchsten ist, sind:

  • Irland (60,4%)
  • Weißrussland (schätzungsweise 46,6%)
  • Dänemark (45,8%)
  • Großbritannien (41,3%)
  • Russland (36,5%)

In Deutschland trinken – laut einer Studie aus dem Jahr 2012 – etwa 20 Prozent der schwangeren Frauen Alkohol in mäßigen Mengen und rund 8 Prozent in riskanten Mengen. Schätzungsweise mindestens 1 Prozent aller Kinder hat eine fetale Alkoholspektrumstörung. Damit wäre Alkohol in der Schwangerschaft hierzulande eine der häufigsten Ursachen für angeborene Erkrankungen. Zum Vergleich: Das Down-Syndrom beispielsweise tritt mit einer Häufigkeit von etwa 0,1 bis 0,2 Prozent auf.

Fetale Alkoholspektrumstörungen gehören zu den häufigsten angeborenen Erkrankungen!

Ein fetales Alkoholsyndrom tritt weltweit bei mindestens 1 von 67 Kindern auf, deren Mütter während der Schwangerschaft Alkohol trinken.

  • In den USA kommen 0,2 bis 4,4 Fälle auf 1.000 Geburten.
  • In Europa gibt es 0,2 bis 8,2 Fälle pro 1.000 Geburten.

Was tun?

Weil Alkohol derart schwerwiegende Schäden bei ungeborenen Babys anrichten kann, sollte Alkoholkonsum in der Schwangerschaft absolut tabu sein. Gleiches gilt für die Stillzeit.

Fetale Alkoholspektrumstörungen gäbe es überhaupt nicht, wenn werdende Mütter konsequent auf Alkohol verzichten würden!

Tipp für werdende Väter: Lassen auch Sie aus Solidarität die Finger vom Alkohol – denn gemeinsam fällt der Verzicht leichter!

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Alkohol in der Schwangerschaft
Riskanter Alkoholkonsum
Ernährung in der Schwangerschaft

Linktipps:

www.familienplanung.de
Auf dieser Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) finden Sie ausführliche Infos darüber, worauf Sie in der Schwangerschaft achten sollten, um Ihr Ungeborenes vor Risiken zu schützen.

Quellen:

Alkohol und Schwangerschaft. Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.familienplanung.de (Stand: 24.1.2017)

Popova, S., et al.: Estimation of national, regional, and global prevalence of alcohol use during pregnancy and fetal alcohol syndrome: a systematic review and meta-analysis. Lancet Global Health 2017, Online-Publikation (12.1.2017)

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Bundesministerium für Gesundheit, Berlin (Hrsg.): Drogen- und Suchtbericht (Juni 2016)

Leitlinien der Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP): Fetale Alkoholspektrumstörungen, FASD – Diagnostik. Register Nummer 022 – 025 (Stand: 1.2.2016)

Stand: 18. Mai 2017


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