7 Gründe, warum das ständige Im-Stau-Stehen krank macht

Veröffentlicht von: Till von Bracht (11. Oktober 2017)

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Millionen Deutsche pendeln jeden Morgen mit ihrem Auto zur Arbeit. Das kostet Zeit – und Nerven. Denn gerade in der Rushhour gehören kilometerlange Staus und Verspätungen zum Alltag. Mit frappierenden Folgen für die Gesundheit. Wir verraten Ihnen, wie Sie in Zukunft entspannter durch den Stau kommen!

Sind Sie schon mal morgens um acht Uhr auf der A3 von Oberhausen nach Köln gefahren? Nein? Sollten Sie auch nicht. Fast jeden Tag staut sich hier der Verkehr so stark, dass man streckenweise nur noch im Schritttempo vorwärtskommt. Der Hintermann hupt, der Vordermann wechselt ständig zwischen den Spuren hin und her. Mit einem Wort: ein einziges Blechchaos.

Viele Arbeitnehmer haben allerdings keine andere Wahl. Denn der attraktive Arbeitsort ist nicht unbedingt immer auch der beste Wohnort. Und so schieben sich tagtäglich rund 14 Millionen Deutsche Stoßstange an Stoßstange durch den Berufsverkehr. Wer dabei einen Blick in das Nachbarfahrzeug wirft, erntet oft wütende oder frustrierte Blicke.

Frust und Wut ist das eine. Studien haben ergeben, dass das ständige Im-Stau-Stehen langfristig zu ernstzunehmenden gesundheitlichen und sozialen Problemen führen kann. Ein Überblick.

1. Zeitdruck bedeutet Stress

Wer im Stau steht, gerät schnell unter Zeitdruck. Wann geht es endlich weiter? Schafft man es noch rechtzeitig zum vereinbarten Termin? Und wie wird der Chef reagieren? Diese Ungewissheit und der Zeitdruck führen zu Stress.

Durch den dauerhaften Stress wiederum steigt das Risiko für zahlreiche Gesundheitsprobleme, zum Beispiel für

2. Autofahrer sind am stärksten gestresst

Wer mit dem Auto zur Arbeit pendelt, hat zwar einen Sitzplatz sicher und wird garantiert nicht von impertinenten Handydauernutzern gestört – im Gegensatz zu jenen Arbeitnehmern, die jeden Tag mit Bus und Bahn pendeln.

Dennoch sind Autofahrer die am stärksten gestresste Pendlergruppe. Sie müssen sich schon früh am Morgen beziehungsweise nach Feierabend stark konzentrieren und auf „notorische Drängler“ und andere Verkehrsteilnehmer achten.

3. Pendler leiden häufiger unter Burnout

Die Wissenschaftlerin Annie Barreck von der Universität in Montréal hat in einer Studie mit knapp 2.000 Teilnehmern untersucht, ob die Streckenlänge und die Zeitdauer des täglichen Arbeitsweges das Burnout-Risiko beeinflussen können.

Und tatsächlich: Das Risiko für Burnout-Symptome (z.B. sinkende Arbeitszufriedenheit und Anzeichen einer Depression) nimmt deutlich zu, wenn die Fahrt zur Arbeit länger als 20 Minuten dauert.

"Es gibt eine Korrelation zwischen pendelbezogenen Stressfaktoren und der Wahrscheinlichkeit, ein Burnout zu erleiden“, erklärt Barreck. „Wie stark diese ist, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab. Sie variiert je nach Persönlichkeit, Reisebedingungen und Arbeitsplatz."

4. Pendler haben weniger Freizeit

Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, der verbringt den Feierabend häufig damit, im Stau zu stehen. Pendeln kostet Zeit, sehr viel Zeit – und das geht zu Lasten der Freizeit.

Der Wissenschaftler Thomas James Christian von der amerikanischen Brown Universität wollte es genau wissen und hat eine komplexe Formel aufgestellt, um feststellen zu können, wie viel Zeit tatsächlich durch das Pendeln verloren geht.

Für jede Minute, die man für den täglichen Arbeitsweg benötigt, verliert man zusätzlich

  • 0,0257 Minuten Zeit fürs Sporttreiben,
  • 0,0387 Minuten Zeit fürs Kochen und
  • 0,2205 Minuten Zeit fürs Schlafen.

Ein Beispiel: Jemand, der jeden Tag insgesamt 180 Minuten pendelt, schläft statistisch gesehen 40 Minuten kürzer als jemand, der nur wenige Minuten zur Arbeit pendeln muss.  

5. Pendler haben häufiger Rücken- und Nackenschmerzen

Eine Umfrage mit mehr als 170.000 US-Bürgern hat ergeben: Einer von drei Berufspendlern, die täglich länger als 90 Minuten für ihren Weg zur Arbeit benötigen, leidet unter Rücken- und Nackenschmerzen. Bei den Kurzpendlern ist es jeder Vierte.

Außerdem kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass Menschen, die viel und oft pendeln, häufiger übergewichtig sind und einen höheren Cholesterinspiegel haben. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass Berufspendler weniger Zeit für Sport und gesundes Essen haben.

6. Pendler haben häufiger eine zynische Einstellung gegenüber ihrer Arbeitsstelle

Ab 35 Minuten Arbeitsweg steigt das Risiko, eine negative und zynische Einstellung zur Arbeit und den Mitmenschen zu entwickeln, so die Erkenntnis von Annie Barreck von der Universität in Montréal. Die Folge: Wer ständig im Stau steht, ist nicht nur gestresster, sondern auch unglücklicher.

7. Pendler-Kinder leiden häufiger unter emotionalen und sozialen Problemen

Eine Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) hat gezeigt, dass Kinder zu emotionalen und sozialen Problemen neigen, wenn der Vater täglich lange Wegstrecken zur Arbeit in Kauf nehmen muss.

"Der Stress vom Pendeln färbt auf die Kinder ab", sagen die Studienautoren Matthias Pollmann-Schult und Jianghong Li. "Wir vermuten, dass sich ein Mechanismus dahinter verbirgt".

Tipps für Pendler

  • Lassen Sie sich nicht von anderen Autofahrern stressen! Drängeln oder ständig die Spur zu wechseln bringt in der Regel nicht viel. Der Stau ist trotzdem da.
  • Reden Sie mit Ihrem Arbeitgeber und fragen Sie nach flexibleren Arbeitszeit-Regelungen. Das mindert den morgendlichen Zeitdruck, da Sie keine Angst mehr haben müssen, zu spät zu kommen. Möglicherweise können Sie so auch dem Berufsverkehr zeitlich ausweichen.
  • Gerhard Laub, Verkehrspsychologe beim TÜV Süd, schlägt außerdem vor, Fahrgemeinschaften zu gründen: Wer sich ein Auto mit anderen teilt, hat auf der Fahrt immerhin Gesellschaft. Das lindert die psychische Belastung und die Fahrer können sich abwechseln.

Weitere Informationen

Quellen:

Li, J., Pollmann-Schult, M.: Fathers’ Commute to Work and Children’s Social and Emotional Well-Being in Germany. Journal of Family and Economic Issues, Vol. 37,  Iss. 3, pp. 488-501 (2016)

Pressemitteilung der Universität Montreal: You're driving yourself to burnout, literally (26.5.2015)

Sandow, E.: On the road: Social aspects of commuting long distances to work. Dissertation, Umeå Universität, Institut für Geographie und Wirtschaftsgeschichte (Stand: 2011)

Christian, T.J.: Opportunity costs surrounding exercise and dietary behaviors: Quantifying trade-offs between commuting time and health-related activities. Working Paper des Social Science Research Network (SSRN): www.dx.doi.org/10.2139/ssrn.1490117 (2009)

Stutzer, A., Frey, B.S.: Stress that doesn't pay: The commuting paradox. The Scandinavian Journal of Economics, Vol. 110, Iss.2, pp. 339-366 (2008)



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