Eine Polin für Oma: 13 Vermittlungsagenturen für Pflegekräfte im Test

Veröffentlicht von: Till von Bracht (26. April 2017)

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Vor einigen Monaten hat sich Oma ein Bein gebrochen, nun kam ein Schlaganfall hinzu. Seitdem ist die 78-Jährige pflegebedürftig. Spätestens, wenn sie wieder aus dem Krankenhaus entlassen wird, stellen sich viele Angehörige die entscheidende Frage: „Pflege daheim oder im Heim?“

Ins Heim „abschieben“ kommt für viele nicht infrage. Nein, Oma soll in der eigenen Wohnung leben, solange es irgendwie geht. Aber wer kümmert sich um die Pflege? Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch einen ambulanten Pflegedienst kann sich kaum jemand leisten. Viele setzen deshalb auf relativ günstige Betreuungskräfte aus Osteuropa, insbesondere aus Polen.

Bis zu 300.000 Menschen aus den osteuropäischen EU-Ländern, in der Regel Frauen, kümmern sich hierzulande um Pflegebedürftige. 24 Stunden. Sieben Tage die Woche. Ganz legal ist das oft nicht. Denn wer will in einem privaten Haushalt schon kontrollieren, ob die normale Arbeitszeit oder Ruhepausen eingehalten werden?

Agnieszka, Magdalena, Nadezda – viele von ihnen kommen über Vermittlungsagenturen, die mit osteuropäischen Firmen zusammenarbeiten. Die Agenturen vermitteln nicht nur den Kontakt, sie kümmern sich auch um die fortlaufende Organisation wie Versicherungen und Abgabe von Steuern.

So läuft die Vermittlung ab

Die Vermittlung von osteuropäischen Pflegekräften funktioniert denkbar einfach: Der Pflegebedürftige beziehungsweise die Familie wendet sich an eine private Vermittlungsagentur und klärt unter anderem ab,

  • wie hoch der Pflegebedarf ist (Einkaufen, Kochen, Unterstützung beim Toilettengang)
  • und ob Deutschkenntnisse erforderlich sind.

Anschließend wählt man aus mehreren Auswahlmöglichkeiten die passende Pflegekraft aus. Die osteuropäischen Helferinnen sind in ihrer Heimat bei einem Dienstleitungsunternehmen angestellt. Dieses Unternehmen entsendet anschließend die Pflegekraft an den Auftraggeber – in diesem Fall an die deutsche Familie.

Der Dienstleister aus Osteuropa bleibt dabei die ganze Zeit der Arbeitgeber der Pflegekraft und ist zuständig für Gehalt und Lohnnebenkosten wie Sozialabgaben oder Steuern und Versicherungen.

Insgesamt schließt man also zwei Verträge ab: einen mit der deutschen Vermittlungsagentur und einen mit der ausländischen Firma. Allerdings muss man dabei genau aufpassen, denn nicht alle Anbieter sind seriös.

Toll. Oma muss nicht ins Heim und die Familien werden entlastet. Das Geschäft boomt – hat jedoch viele Schattenseiten. Die Leidtragenden sind oft die Helferinnen aus Osteuropa. Denn der Pflegelohn geht meist nicht auf ihr Konto, sondern an die ausländische Dienstleistungsfirma. "Häufig", sagt Margret Steffen von der Gewerkschaft ver.di, "bekommen die Pflegekräfte gerade einmal die Hälfte dessen, was die deutsche Familie jeden Monat bezahlt."

Aber wie finde ich überhaupt die richtige Pflegekraft? Welche Agenturen beraten gut und was muss ich beachten, damit nicht irgendwann der Zoll an der Tür klingelt?

Ausländische Pflegekräfte: 13 Vermittlungsagenturen im Test

Stiftung Warentest hat 13 bundesweit tätige Vermittlungsagenturen für osteuropäische Betreuungskräfte genauer unter die Lupe genommen.

Getestet wurden:

  • Brinkmann Pflegevermittlung
  • Diadema Pflegevermittlung
  • Die Perspektive
  • Hausengel
  • Linara
  • Pflege zu Hause Küffel
  • Pflegeagentur 24
  • Pflegeherzen
  • Promedica Plus
  • Rebis Betreuungs-Agentur
  • Second Life Care Deutschland
  • Seniocare24
  • Sofiapflege

Testergebnis: Bestenfalls befriedigend

Das Testergebnis: 9 der geprüften Agenturen sind hilfreich bei der Vermittlung, die anderen 4 nur bedingt bis wenig. Vor allem die Diadema Pflegevermittlung und die Second Life Care Deutschland zeigten im Test Schwächen.

Bei allen 13 Anbietern gab es Mängel in den Verträgen. Die Tester fanden deutliche Hinweise, dass es mit dem Recht oft nicht so genau genommen wird. Viele Verträge sind schwammig formuliert – gerade hinsichtlich der Entlohnung oder der Arbeitszeiten gibt es Schwachstellen.

So werben die Vermittlungsagenturen zum Beispiel oft mit einer 24-Stunden-Betreuung – mit nur einer einzigen Pflegekraft ist das nach deutschem Arbeitszeitgesetz aber gar nicht zulässig. Hier sollte man zu Hause selbst darauf achten, dass die vorgeschriebenen Ruhezeiten auch eingehalten werden.

Gute Noten erhielten die Anbieter Pflege zu Hause Küffel und Hausengel. Sie konnten immerhin relativ glaubwürdig belegen, dass bei der Vermittlung osteuropäischer Pflegekräfte auch die Qualitätsstandards eingehalten werden. Einen klaren Testsieger gibt es trotzdem nicht.

Darauf müssen Sie achten

Wer im Internet nach einer Vermittlungsagentur für Pflegekräfte aus Osteuropa sucht, wird von dem Angebot förmlich erschlagen. Hier ist es nicht immer einfach, seriöse von unseriösen Anbietern zu unterscheiden.

Wer eine dieser Agenturen in Anspruch nimmt, sollte genau nachfragen, über welche Berufsausbildung und Sprachkenntnisse die vermittelten Personen verfügen. Darüber hinaus sollten die Vermittlungsagenturen nähere Auskünfte über den ausländischen Dienstleister geben können.

Ganz besonders wichtig ist es, die osteuropäische Betreuungskraft nach ihrer A1-Bescheinigung zu fragen. Denn nur dann kann man sicher sein, dass die Vermittlung rechtlich sauber war und dass für den entsandten Arbeitnehmer Sozialversicherungsbeiträge im Heimatland entrichtet werden.

Weitere Fragen, die man klären sollte, bevor man eine osteuropäische Betreuungskraft nach Hause holt, sind:

  • Kann man der Pflegekraft ein eigenes möbliertes Zimmer zur Verfügung stellen, am besten auch ein eigenes Bad?
  • Laut Stiftung Warentest ist mit Kosten von etwa 1.500 bis 3.400 Euro im Monat zu rechnen. Ist die Finanzierung geklärt?
  • Deckt die Haftpflichtversicherung auch die Nutzung des Wagens durch Dritte ab?
  • Haftet der ausländische Dienstleister für die Betreuerin, wenn diese grob fahrlässig handelt?
  • Ruht der Vertrag in Zeiten, in denen die betreute Person zum Beispiel ins Krankenhaus muss?
  • Welche Aufgaben werden konkret von der osteuropäischen Betreuungskraft erledigt (z.B. Kochen, Waschen, Einkaufen) und welche Aufgaben werden vom Pflegedienst übernommen (z.B. Medikamente zusammenstellen)?

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Ratgeber Pflege

Quellen:

Stiftung Warentest: Helferinnen aus dem Osten. test 05/2017, S. 86-95

Gute Arbeit in Privathaushalten: Europäische Erfahrungen und mögliche Gestaltungsansätze der Beschäftigung osteuropäischer Haushaltshilfen und Pflegekräfte. Online-Informationen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di: www.verdi.de (Stand: 2015)

Stand: 26. April 2017