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Je mehr ich schrubbe, desto besser? 11 Mythen rund ums Zähneputzen

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (12. Juli 2017)

© iStock

Stimmt es, dass Zahnbeläge umso effektiver beseitigt werden, je fester man putzt? Und wie haltbar ist die Theorie, dass ein Apfel das „Putzen“ ebenso gut erledigt wie eine Zahnbürste? Wir haben für Sie 11 Mythen rund ums Zähneputzen unter die Lupe genommen!

Mythos 1: „Je stärker ich putze, desto besser!“

Mit voller Muskelkraft wild schrubben und putzen? Und das am liebsten mit extra harten Borsten? Bloß nicht! Wer Zahnbelägen wie ein Berserker zu Leibe rückt, bewirkt damit leider das Gegenteil. Zu festes Drücken kann das Zahnfleisch verletzen und zu Abnutzungserscheinungen an den Zähnen führen. Und sauberer werden die Zähne dadurch auch nicht.

Den meisten ist zwar bereits bekannt, dass zu viel Druck beim Zähneputzen keine gute Idee ist. Jedoch stellt sich die Frage: Wie fest ist zu fest? Das persönliche Empfinden kann in diesem Punkt schließlich von Mensch zu Mensch erheblich abweichen. Empfohlen wird ein Putzdruck von etwa 150 Gramm, was in etwa dem Gewicht einer durchschnittlichen Orange entspricht. Ob Sie über dieses Maß hinausgehen, können Sie mit einer Küchenwaage testen: einfach auf die Waage drücken und spüren, wie sich der Druck bei 150 Gramm anfühlt.  

Fazit: Es kommt vor allem auf die richtige Technik an. Putzen Sie gründlich – aber nicht zu fest!

Mythos 2: „Anstatt mir die Zähne zu putzen, kann ich auch ein Kaugummi kauen.“ 

Jein. Richtig ist, dass zuckerfreie Kaugummis die Zahngesundheit fördern können und Karies ein Stück weit vorbeugen. Ein ebenbürtiger Ersatz für den täglichen Umgang mit Zahnbürste, Zahnseide & Co. sind sie jedoch nicht.

Kaugummikauen regt den Speichelfluss an – und Speichel fördert die Mundgesundheit. (Auch wenn Speichel nicht nur zur Abwehr von Krankheitserregern beiträgt.) Die im Speichel enthaltenen gelösten Mineralien härten den Zahnschmelz und helfen so, kleinere Schäden am Zahn zu reparieren.

Fazit: Ein zuckerfreies Kaugummi ersetzt die Zahnbürste nicht. Haben Sie diese aber nicht zur Hand, kann Kaugummikauen nicht schaden!

Mythos 3: „Ein Apfel ersetzt das Zähneputzen.“

Kaugummikauen anstelle von Zähneputzen ist also nicht zu empfehlen. Aber wie sieht es mit einem Apfel aus? Manche nehmen an, dass das Gebiss durch das Kauen der Frucht besonders gut gereinigt wird.

Dass Äpfel gesund sind, steht außer Frage, zumindest wenn man das Obst aus ernährungswissenschaftlicher Sicht betrachtet. Allerdings enthalten Äpfel meist relativ viel Säure und Fruchtzucker, was den empfindlichen Zahnschmelz angreift. Essen können und sollten Sie Äpfel natürlich trotzdem – nur als Zahnputzmittel sind sie nicht geeignet.

Durch gründliches Kauen können Beläge zwar möglicherweise oberflächlich entfernt werden. Ein Apfel kann jedoch nicht mit der herkömmlichen Zahnbürste mithalten, sofern diese richtig zum Einsatz kommt.

Fazit: Äpfel tragen zu einer gesunden Ernährung bei – eine Alternative zur Zahnbürste sind sie dagegen nicht.

Mythos 4: „Eine gründliche Mundspülung tut‘s auch.“

Es ist ähnlich wie beim Kaugummikauen: Mundspülungen können zur Mundhygiene beitragen, sie ersetzen aber keine Zahnbürste. Auf dem Markt gibt es ganz unterschiedliche Produkte mit Wirkstoffen wie Chlorhexidin, Hexidin oder Benzalkoniumchlorid. Manche enthalten auch Fluorid oder ätherische Öle. Mundspülungen, die antibakteriell wirken, können unterstützend zur täglichen Zahnpflege zum Einsatz kommen. Sie sollten Sie aber nicht zu oft verwenden, da sie die Mundflora verändern können.

Fazit: Gegen eine gelegentliche oder regelmäßige Mundspülung ist nichts einzuwenden, jedoch nur als Ergänzung zu Zahnbürste & Co.

Mythos 5: „Milchzähne muss man nicht so oft putzen.“ 

Warum groß putzen, wenn die Milchzähne eh nach ein paar Jahren wieder ausfallen? Das denkt sich möglicherweise so manches Elternteil. Wer allerdings meint, dass man bei der Pflege der Milchzähne ruhig etwas nachlässiger sein könnte, ist im Irrtum: Auch die ersten Zähnchen müssen gründlich gereinigt werden, und zwar, sobald sie im Mundraum zu sehen sind. Putzen Sie die Zähne Ihres Babys mit einer speziellen Babyzahnbürste und einer geringen Menge Kinderzahnpasta.

Warum ist das wichtig? Jeder einzelne Milchzahn ist nicht nur zum Beißen und Kauen notwendig, sondern auch für die Sprachentwicklung, die Mimik und ein angemessenes Kieferwachstum. Ein gesundes Gebiss ist zudem der Platzhalter für die späteren bleibenden Zähne. Fehlt ein Milchzahn, bricht der bleibende Zahn unter Umständen „schief“ durch. Sind die Milchzähne von Karies befallen, ist das Risiko groß, dass sich auch im bleibenden Gebiss Karies bilden wird. Nicht zuletzt können schlecht gepflegte Milchzähne bei den kleinen Patienten zu Schmerzen und aufwendigen Zahnbehandlungen, aber auch zu einem mangelnden Selbstbewusstsein führen.

Fazit: Die Zahnpflege beginnt, sobald der erste Milchzahn zu sehen ist.

Auch die Milchzähne müssen gründlich gepflegt werden. © iStock

Auch die Milchzähne müssen gründlich gepflegt werden.

Mythos 6: „Direkt nach dem Essen die Zähne putzen!“

Im Prinzip ist das richtig. Allerdings kommt es darauf auf, was es bei Ihnen zu essen gab. War es zum Beispiel ein Obstsalat, sollten Sie mit dem Zähneputzen etwas warten. Der Grund: Säurehaltige Lebensmittel oder Getränke weichen vorübergehend den Zahnschmelz auf. Putzen Sie nun unmittelbar nach dem Essen die Zähne, können Sie den Zahnschmelz mit der Zahnbürste schädigen. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie eine halbe Stunde warten, bis Sie Ihre Zähne putzen.

Fazit: Wenn Sie Säurehaltiges gegessen oder getrunken haben, putzen Sie Ihre Zähne besser erst eine halbe Stunde später.

Mythos 7: „Zahnfleischbluten ist zwar unschön, aber nicht schlimm.“

Sie leiden hin und wieder unter Zahnfleischbluten? Nicht so schlimm, könnte man meinen, schließlich klingt die Blutung in der Regel nach kurzer Zeit wieder ab. Das stimmt jedoch nicht. Zahnfleischbluten kann ein Anzeichen für eine Erkrankung sein und sollte daher immer abgeklärt werden. So weist häufiges Zahnfleischbluten zum Beispiel auf eine Zahnfleischentzündung hin.

Fazit: Wenn Sie öfter unter Zahnfleischbluten leiden, sollten Sie darüber mit Ihrem Zahnarzt sprechen.

Mythos 8: „Karies wird vererbt.“ 

Wenn Vater und Mutter häufig Karies haben und Sie nun selbst betroffen sind, hat das nur bedingt mit einer möglichen Vererbung zu tun. Karies ist nicht erblich. Die Erkrankung kann jedoch in bestimmten Familien gehäuft auftreten. Dies kann zum Beispiel daran liegen, dass die Familienmitglieder alle eine (erblich bedingte) bestimmte Zahnform aufweisen, die Karies besonders begünstigt. Ein weiterer Grund ist, dass Kinder die Zahnpflege- und Ernährungsgewohnheiten ihrer Eltern oft übernehmen.

Karies gilt als Infektionskrankheit. Die Bakterien können zum Beispiel von der Mutter auf das Kind übertragen werden.

Fazit: Karies ist nicht erblich. Daher können Sie einiges tun, um vorzubeugen!

Mythos 9: „Stehen die Borsten ab, ist es Zeit für einen Zahnbürstenwechsel.“ 

Nicht ganz. Richtig ist: Wenn die Borsten Ihrer Zahnbürste bereits abstehen, sollten Sie sie in jedem Fall auswechseln. Spätestens nach zwei bis drei Monaten sollte die Zahnbürste/der Bürstenkopf jedoch IMMER ausgetauscht werden, egal, ob Borsten abstehen oder nicht – und unabhängig davon, ob Sie die elektrische Variante oder die „Handvariante“ bevorzugen.

Fazit: Tauschen Sie Ihre Handzahnbürste bzw. den Bürstenkopf Ihrer elektrischen Zahnbürste aus, wenn die Borsten abstehen, spätestens aber nach zwei bis drei Monaten.

Sieht Ihre Zahnbürste so aus, sollten Sie sie schleunigst entsorgen! © iStock

Sieht Ihre Zahnbürste so aus, sollten Sie sie schleunigst entsorgen!

Mythos 10: „Ein Implantat oder ein künstliches Gebiss muss nicht gereinigt werden.“

Richtig ist: Karies kann im Implantat oder in den „Dritten“ nicht entstehen. Richtig ist aber auch: Wenn sich Bakterien dort ansiedeln, können Sie verschiedene Erkrankungen begünstigen. Dazu zählen zum Beispiel Entzündungen am Implantat oder im Mundraum.

Implantate sollten Sie mit einer weichen Zahnbürste und Zahnpasta putzen. Auch Zahnseide und Zwischenraumbürsten sollten nicht fehlen.

Für die Prothesenreinigung gibt es spezielle Pflegeprodukte und -instrumente. Fragen Sie Ihren Zahnarzt!

Fazit: Pflegen Sie Ihre „Dritten“ oder Ihre Implantate, als seien es Ihre eigenen Zähne!

Mythos 11: "Fluoridhaltige Zahnpasta ist giftig."

Im Gegenteil: Fluorid beugt Karies vor. Reines Fluor ist in der Tat giftig, nicht aber in Form von Fluorid. Fluoride sind Salze, die natürlicherweise in Zähnen und Knochen vorkommen. Fluoridhaltige Zahnpasta härtet den Zahnschmelz und schützt ihn vor Säure aus der Nahrung.

Fazit: Auf Zahnpasta mit Fluoriden können und sollten Sie bedenkenlos zurückgreifen.

Weitere Informationen 

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Tipps und Tricks zur Zahnpflege. Online-Informationen der Initiative proDente e.V.: www.pro-dente.de (Abrufdatum: 11.7.2017)

Aktion zahnfreundlich e.V.: Milchzähne. Gesund vom ersten Zähnchen an. Online-Publikation: www.bzaek.de (Abrufdatum: 11.7.2017)

Mythen und Märchen der Zahngesundheit. Online-Informationen der Bayerischen Landeszahnärztekammer: www.zahn.de (Abrufdatum: 11.7.2017)

Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e. V.: Häusliche Prophylaxe. Patienteninformation. Online-Publikation: www.zahnmedizinische-patienteninformationen.de (Abrufdatum: 11.7.2017)

Kropp, D.: Tag der Zahngesundheit 2016: Fakten gegen Mythen. Online-Informationen der Initiative proDente e.V.: www.pro-dente.de (Abrufdatum: 20.9.2016)

Borsch, J.: Gesund im Mund – so geht’s. Online-Informationen der Deutschen Apotheker Zeitung: www.deutsche-apotheker-zeitung.de (22.8.2016)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung: Kariesprophylaxe bei bleibenden

Zähnen – grundlegende Empfehlungen. AWMF-Leitlinienregister-Nr. 082/021 (Stand: Juni 2016)

Fessler, B.: Zeigt her eure Zähne. Was sich in Sachen Zahnpflege empfehlen lässt. Deutsche Apotheker Zeitung, Nr. 37/2015, S. 54 (10.9.2015)

Immel-Sehr, A.: Mundgesundheit: Eine lebenslange Herausforderung. pta Forum, Ausgabe 05/2014

Neue Empfehlungen zur Kariesprophylaxe. Fünf-Punkte-Plan für gesunde Zähne. Zahnärztliche Mitteilungen, Heft 24/2013 (16.12.2013)

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