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Elektrosmog und Handys

Die neuesten Forschungsergebnisse

Autor: Onmeda-Redaktion

In einigen breitangelegten Experimentreihen wurde ein möglicher schädigender Einfluss hochfrequenter elektromagnetischen Felder auf die erbtragenden Strukturen, also die DNA, überprüft. Dabei ist man von gesicherten Befunden der Krebsforschung ausgegangen, wonach bestimmte Mutationen in Genen und Chromosomen sowie Veränderungen der Zellvermehrung eine Krebsentstehung (Kanzerogenese) ursächlich bedingen können. So wurden humane periphere Lymphozyten den elektromagnetischen Feldern bei 450, 900 und 1800 MHz ausgesetzt und anschließend auf die folgenden cytogenetischen Parameter hin untersucht: Schwesterchromatidaustausche (SCE), Chromosomenaberrationen (CA), Mikrokerne (MN), Proliferationsverhalten (PI) und Mutationen des HGPRT-Locus (GM). Die bisher erzielten Ergebnisse liefern keine Hinweise auf elektromagnetisch bedingte Änderungen dieser Parameter.

In anderen Experimenten wurde die Geschwindigkeit der Zellneubildung in menschlichen Lymphozyten unter elektromagnetischer Einstrahlung untersucht. Eine Beschleunigung des Zellzyklus kann als verstärkender Vorgang bei Krebsentstehung angesehen werden. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Zellzyklusbeschleunigung von niederfrequenten - jedoch nicht von beim Mobilfunk verwendeten hochfrequenten elektromagnetischen Feldern - induziert wird.

Gegenstand anderer Untersuchungen war die durch hochfrequente elektromagnetische Felder bedingte Verstärkung des Wachstumsverhaltens von bereits entarteten menschlichen Tumorzellen. Im Falle von Leukämiezellen, die anhand von Verdoppelungszeit und Thymidinkinase-Aktivität als Prüfparameter untersucht wurden, konnte kein Tumorverstärkungseffekt nachgewiesen werden.

Als Einschränkung bei den bisher erzielten Ergebnissen muss allerdings festgehalten werden, dass all diese Experimente in vitro , d.h. im Reagenzglas, durchgeführt wurden, wobei die Gesamtfunktionalität des Körpers unberücksichtigt bleibt.

Unter den athermischen Wirkungen ist außer der Krebsentstehung und den oben dargestellten Effekten besonders die Beeinflussung kalziumabhängiger Mechanismen durch hochfrequente elektromagnetische Felder von großer Bedeutung. Die Aufrechterhaltung des Konzentrationsgefälles zwischen der extrazellulären Kalziumkonzentration und der um Größenordnungen niedrigeren intrazellulären Kalziumkonzentration (Kalziumhomöostase) ist für die Zellen lebensnotwendig, da hohe intrazellulären Kalziumkonzentrationen die Zellen irreversibel schädigen können. Dank hoher Konzentrationsgradienten von Kalzium lassen sich im Körper die verschiedensten Signale erzeugen und weiterleiten. Muskelkontraktionen, Zellbewegungen, synaptische Übertragungen, die Antworten des Immunsystems auf äußere Reize und auch die Zellteilung sind Beispiele für solche zelluläre Mechanismen, die u.a. von Kalzium kontrolliert werden.

Mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit war zu erwarten, dass eine Beeinflussung von zellulären Steuerungsmechanismen durch hochfrequente elektromagnetische Felder sich direkt oder indirekt in den Kalziumkonzentrationen der Zellen widerspiegeln wird. Eine Reihe von Untersuchungen haben in der Tat eine Beeinflussung kalziumabhängiger Mechanismen durch einige spezifische Signalformen hochfrequenter elektromagnetischen Felder gezeigt. So konnte der Durchmesser von Arteriolen, also den kleinsten arteriellen Gefäßen, durch die Anwesenheit von elektromagnetischen Feldern von 10 MHz, die mit 10 kHz gepulst wurden, beeinflusst werden. Der Durchmesser der Arteriolen hängt z.B. von der intrazellulären Kalziumkonzentration in den glatten Muskelzellen der Gefäßwand ab.

In einer weiteren Serie von Experimenten wurde gezeigt, dass sich der Kalziumausfluss aus elektrisch erregbaren Zellen und Gewebe, also neuronales bzw. Herz-Gewebe, durch die Anwesenheit hochfrequenter amplitudenmodulierter elektromagnetischer Felder beeinflussen lässt. Unabhängig von der Trägerfrequenz, die zwischen 50 und 915 MHz variiert wurde, wurde ein maximaler Effekt bei einer sinusförmigen Amplitudenmodulation mit 16 Hz beobachtet.

In einer weiteren Studie wurden bei den gepulsten elektromagnetischen Feldern des digitalen Mobilfunks (Handys) sowohl die Kalziumkonzentrationen als auch die elektrischen Parameter der erregbaren Zellen, wie Membranpotential und Aktionspotential, untersucht. Eine Beeinflussung konnte hier jedoch nicht festgestellt werden.

Weiterhin wurde die Wirkung der elektromagnetischen Felder auf die Kalziumkonzentrationen von nicht erregbaren Zellen untersucht, da eine Empfindlichkeit des zellulären Immunsystems für niederfrequente magnetische Felder schon seit vielen Jahren diskutiert wird. In kultivierten menschlichen Lymphozyten wurden durch magnetische Felder bei 50 Hz Veränderungen der intrazellulären Kalziumkonzentration ausgelöst. Dies ist einer der sehr frühen Schritte in der Einleitung der Immunantwort dieser Zellen. Die Sensitivität dieser Zellen für magnetische Felder soll demnach in dem sogenannten T-Zellrezeptor liegen. Wenn auch diese Ergebnisse in der Fachwelt nicht unumstritten sind, scheint diese Zellinie für die Untersuchung der Wirkung der elektromagnetischen Felder auf das Immunsystem prädestiniert zu sein. Eine kürzlich erschienene Untersuchung an genetisch veränderten Mäusen zur Erzeugung bzw. Vergrößerung von Tumoren des Immunsystems hat eine signifikante Erhöhung von Lymphomen durch die Einwirkung der elektromagnetischen Felder des digitalen Mobilfunks ergeben.

In einer anderen Studie konnte nur ein leichter, nicht signifikanter Anstieg der intrazellulären Kalziumkonzentration festgestellt werden. Obwohl eine einzelne Studie, ohne bis jetzt eindeutig reproduziert zu sein, keine Schlussfolgerungen zulässt, kann der Verdacht, dass mit einer Niederfrequenz gepulste hochfrequente elektromagnetischen Felder das Immunsystem beeinflussen können, nicht ausgeräumt werden.

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