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Wer ist der Vater?

Theoretische Grundlagen für den Vaterschaftstest

Stand: 28. Juli 2011Autor: Onmeda-Redaktion

Schematische Darstellung der DNA
Aufbau der Desoxy-Ribo-Nukleinsäure (DNA)

Um einen Vaterschaftstest besser nachvollziehen zu können, lohnt sich ein genauerer Blick auf das menschliche Erbgut: Im Zellkern jeder menschlichen Körperzelle befindet sich die Gesamtheit aller Erbanlagen (Gene) einer Person. Diese sind auf zweimal 23, also auf insgesamt 46 Chromosomen verteilt, während die Keimzellen (Samen- und Eizellen) von Mann und Frau jeweils nur 23 Chromosomen – also den halben Chromosomensatz – aufweisen.

Chromosomen bestehen aus einem Doppelstrang der Desoxyribonukleinsäure (DNS, engl. DNA). Dieser Doppelstrang ist auf bestimmte Eiweiße (Proteine, hier: Histone) aufgerollt und somit kompakt gewunden. Er setzt sich zusammen aus zwei DNA-Einzelsträngen, die räumlich wie ein Reißverschluss zusammen passen

Ein einzelner DNA-Strang besteht aus einer Abfolge von Grundbausteinen (Nukleotiden), die sich jeweils aus einer von vier verschiedenen Basen, einem Zuckermolekül (Desoxyribose) und einer Phosphatgruppe zusammensetzen. Die Grundbausteine unterscheiden sich darin, welche Base sie tragen – in die DNA sind die Basen Adenin (A) und Thymin (T) sowie Guanin (G) und Cytosin (C) eingebaut. Sie sind als Informationsträger mit Buchstaben oder Ziffern vergleichbar – ihre Reihenfolge auf dem DNA-Strang ist ebenso eine Information, wie es auch Wörter oder Zahlen sind. "Leser" der Basenfolgen, also des genetischen Codes, sind die sogenannten Ribosomen. Sie "übersetzen" die Information – also die Reihenfolge der Basen – in Eiweiße, wobei sie immer drei Basen (Triplett) als Code für einen Eiweiß-Baustein (Aminosäure) erkennen. Eiweiße (Proteine) sind für den Aufbau des Körpers und seine Lebensfunktionen sehr wichtig.

Der Mensch besitzt etwa 30.000 bis 40.000 Gene. Die relevante Erbinformation, die sich aus der Sequenz der vier Basen ergibt, macht nur etwa zehn Prozent von den insgesamt 3 Milliarden Basenpaaren der DNA aus. Die übrigen 90 Prozent sind sogenannte nicht-codierende DNA-Abschnitte. Während diese DNA früher als funktionslos (junk-DNA) galt, geht man heutzutage davon aus, dass auch sie Informationen enthält und zum Beispiel das Ablesen der Gene steuert. Die nicht-codierende DNA ist bei allen Menschen größtenteils ähnlich. Doch gibt es Bereiche mit deutlichen Unterschieden (Polymorphismen). Diese Stellen sind für den Vaterschaftstest wichtig, denn sie sind für jeden Menschen charakteristisch. Bei einer Vaterschaftsanalyse oder Identitätsnachweisen untersuchen Genetiker die charakteristischen DNA-Abschnitte mit molekularbiologischen Methoden.

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