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Stand: 7. Juli 2011Autor: Onmeda-Redaktion
Anatomisch gesehen ist das Jungfernhäutchen (Hymen) nur ein kleines und unauffälliges Stückchen Schleimhaut, das sich circa ein bis zwei Zentimeter hinter dem Scheideneingang befindet. Es umgibt die Vaginalöffnung wie eine Art elastischer Saum. Das Jungfernhäutchen ist also keine durchgängig geschlossene Membran, die den Eingang der Scheide (Vagina) verschließt.

Reißt das Jungfernhäutchen beim ersten Geschlechtsverkehr durch das Eindringen des Penis in die Vagina ein, spricht man von Entjungferung (Defloration) – die Jungfräulichkeit gilt nun als verloren. Allerdings reißt das Jungfernhäutchen nicht bei allen Frauen beim ersten Mal ein. Häufig kommt es nur zu einer Dehnung des Hymens, das sehr elastisch ist. Auch nach mehrfachem Geschlechtsverkehr kann das Jungfernhäutchen also durchaus noch intakt sein. Der Zustand des Jungfernhäutchens sagt deshalb nicht zwangsläufig etwas darüber aus, ob es zu einer Entjungferung beziehungsweise zu Geschlechtsverkehr gekommen ist.
Immer wieder liest man, dass das Jungfernhäutchen durch Tampons, Sport oder auch Masturbation reißen kann. In der Regel wird das Hymen durch das Einführen eines Tampons jedoch nur gedehnt und nicht verletzt. Auch Sport (z.B. Laufen, Springen, Gymnastik, Spagat, Fahrradfahren, Reiten) führt normalerweise nicht dazu, dass das Jungfernhäutchen einreißt, da das Hymen sehr elastisch ist. Wird bei der Masturbation nur die Klitoris stimuliert, besteht für das Jungfernhäutchen keine Gefahr. Auch wenn die Frau einen Finger in die Vagina einführt, verletzt sie das Jungfernhäutchen in der Regel nicht, sondern weitet damit höchstens die Öffnung. Durch größere Gegenstände besteht jedoch die Möglichkeit, dass das Hymen einreißt.
Medizinisch gesehen hat das Jungfernhäutchen für die Frau im Grunde keine Bedeutung. Aus kultureller und religiöser Sicht kommt dem Hymen jedoch eine deutlich größere Rolle zu. Ein intaktes Jungfernhäutchen gilt immer noch als Zeichen für die Jungfräulichkeit der Frau und somit auch für ihre sexuelle Abstinenz beziehungsweise "Reinheit". Dass es in der Hochzeitsnacht oder beim ersten Mal zum Einreißen des Jungfernhäutchens und damit zu Blutungen kommt und die Entjungferung mit großen Schmerzen verbunden ist, muss jedoch im Grunde fast als Mythos angesehen werden. Denn nur bei etwa 50 Prozent der Frauen kommt es bei einer Entjungferung überhaupt zu Blutungen und wenn, dann sind diese eher schwach. Auch Schmerzen müssen nicht zwangsläufig auftreten.
Ein zerrissenes Hymen lässt sich durchaus operativ wiederherstellen (sog. Hymenrekonstruktion). Der Wunsch danach, die körperliche Jungfräulichkeit wiederzuerlangen, kommt vor allem bei Frauen auf, in deren Kulturkreis die Jungfräulichkeit bis zur Hochzeit einen hohen Stellenwert hat und der gesellschaftliche Druck in dieser Hinsicht groß ist. Wie viele solcher Operationen heutzutage tatsächlich durchgeführt werden, lässt sich statistisch nicht belegen. Aber auch nach einer erfolgreichen Hymenrekonstruktion gibt es keine Garantie, dass es durch den nächsten Geschlechtsverkehr zu Blutungen kommen wird.
Manche Experten vermuten, dass der Mythos vom blutigen Hochzeitslaken und einer mit großen Schmerzen verbundenen Entjungferung aus einer Zeit kommt, in der vor allem jüngere Mädchen mit erwachsenen Männern zwangsverheiratet wurden. Die Blutungen waren bei ihnen wahrscheinlich nicht auf das eingerissene Jungfernhäutchen, sondern auf Verletzungen im Genitalbereich zurückzuführen.
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