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Veröffentlicht von: Wiebke Raue
* 8. Oktober 1883 in Freiburg (Breisgau)
† 1. August 1970 in Berlin
Otto Heinrich Warburg zählt zu den großen Biochemikern des 20. Jahrhunderts. Er entschlüsselte im Jahre 1926 mit seiner Entdeckung der Cytochromoxidase (Natur und Wirkungsweise des Atmungsfermentes; "Warburg-Ferment") den Mechanismus der Zellatmung, wofür er 1931 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie erhielt. Warburg entstammt der berühmten "Warburg-Familie", die Gelehrte und Philosophen, Geschäftsleute und Bankiers hervorgebracht hat. Sein Vater Emil Gabriel Warburg (1846–1931) war ein führender Physiker seiner Zeit.
Otto Heinrich Warburg studierte ab dem Jahre 1903 Chemie in Freiburg und in Berlin, wo er 1906 promovierte. Aus Interesse an medizinischen Problemen studierte er anschließend in Heidelberg Medizin, wo er mit experimentellen Arbeiten unter dem Internisten Ludolf von Krehl (1861–1937) begann. Von 1914 an bis zu seinem Tode war Warburg ununterbrochen in Berlin tätig.
Ab 1918 war er Professor am Kaiser-Wilhelm-Institut für Biologie in Berlin-Dahlem, das 1950 als Max-Planck-Institut wiedereröffnet wurde, und ab 1931 Direktor des dortigen Kaiser-Wilhelm-Instituts für Zellphysiologie.
Warburgs erste große unabhängige Arbeit erschien im Jahre 1908. Sie befasste sich mit der Energetik des Wachstums. Ausgehend von Beobachtungen am Ei des Seeigels und an roten Blutkörperchen erkannte Warburg das Eisen als integrierenden Bestandteil des Atmungsfermentes und klärte damit wichtige Fragen der Photosynthese. Um 1918 begann er mit seinen Forschungen über den Stoffwechsel von Krebszellen und befasst sich dabei mit Grundfragen der Zellatmung. Dabei gelang ihm 1923 die Aufklärung der molekularen Vorgänge bei der Zellatmung und die Identifizierung der daran beteiligten Enzyme. In diesem Zusammenhang erforschte er die Rolle der Spurenelemente Eisen und Kupfer sowie die Vitamine als Bestandteil von Enzymen und Koenzymen. Des Weiteren beschäftigte er sich intensiv mit der Photosynthese. Ausgehend von seinen bioenergetischen Untersuchungen an Tumoren entwickelte Warburg eine Theorie über die Krebsentstehung. Diese "Warburg-Hypothese", die die Umwandlung der Energiegewinnung von der Atmung zur Gärung stellt, wurde zu einem Mittelpunkt seiner Forschungsarbeit. Warburg sah im Aufhören der Atmung der Krebszellen und der Energiegewinnung durch Gärung einen phylogenetischen Rückschritt, der zwangsläufig zu einer Stagnation in der Differenzierung der Gewebe führen müsse; allerdings stieß er damit bei Fachkollegen auf wenig Zustimmung. Fast folgerichtig wurde auch sein Hinweis auf die Kanzerogenität (krebsauslösende Wirkung) von Auto- und Industrieabgasen im Jahre 1952 nicht nur vom Laien, sondern auch von der wissenschaftlichen Welt kaum beachtet.
Warburgs wissenschaftliche Arbeit erstreckt sich über einen Zeitraum von sechs Jahrzehnten; seine Forschungsschwerpunkte waren die Photosynthese, die Krebsforschung und die biologische Energieübertragung. Dabei machte er eine Vielzahl weiterer interessanter und wertvoller Entdeckungen, von denen manche praktische Anwendung in der klinischen Biochemie fanden. Bis ins hohe Alter war Otto Heinrich Warburg als Wissenschaftler aktiv.
Eckart, W.U.: Ärzte Lexikon. Springer, Heidelberg 2006
Stand: 24. März 2011
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