Sie befinden sich hier:

Startseite > Lexika > Lexikon der Persönlichkeiten > Samuel Thomas (von) Soemmering

Samuel Thomas (von) Soemmering

Stand: 23. März 2011Autor: Onmeda-Redaktion

Anatom, Physiologe, Physiker, Naturforscher

* 25. Januar 1755 in Thorn (heute Polen)

† 2. März 1830 in Frankfurt (Main)

Samuel Thomas (von) Soemmering wurde als neuntes Kind des Arztes Johann Thomas Soemmering und der Pfarrerstochter Regine Geret geboren. Nach dem Besuch des Thorner Gymnasium academicum immatrikulierte sich Soemmering 1774 an der Universität Göttingen für das Fach Medizin. Zu seinen Lehrern gehörten medizingeschichtliche Berühmtheiten wie Ernst Gottfried Baldinger (1738–1804), Heinrich August Wrisberg (1739–1808) und Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840). Nach der Promotion zum Dr. med. im Jahr 1778 ging Samuel Thomas (von) Soemmering auf eine Studienreise in die Niederlande, nach England und Schottland, auf der er die Anatomen Pieter Camper (1722–1789), John Hunter (1728–1793) und Alexander Monro (1733–1817) kennenlernte. 1779 wurde Soemmering am Kasseler Collegium Carolinum Professor der Anatomie. In seine Kasseler Jahre fiel die Bekanntschaft mit Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), mit dem es zu einem über ein Jahrzehnt anhaltenden Briefwechsel kam. 1784 wurde Soemmering als Professor für Anatomie und Physiologie an die Universität Mainz berufen, wo er fünf Jahre später zum Dekan der Medizinischen Fakultät gewählt wurde. 1792 heiratete er die Frankfurterin Margarethe Elisabeth Grunelius (1768–1802); aus der Ehe gingen der Sohn Dietmar Wilhelm (1793–1871) und die Tochter Susanne Katharina (1796–1867) hervor.

Im Jahre 1797 verließ Samuel Thomas (von) Soemmering aus politischen Gründen Mainz und ließ sich als praktischer Arzt in Frankfurt (Main) nieder. Zu den wichtigsten Verdiensten in seiner Frankfurter Zeit gehörte die ab 1800 eingeführte Pockenschutzimpfung, der sich zunächst erhebliche Widerstände in den Weg stellten. 1802 erhielt Samuel Thomas (von) Soemmering unter anderem Rufe an die Universitäten Jena und St. Petersburg, die er jedoch zugunsten der Berufung an die Münchener Akademie der Wissenschaften ablehnte. 1805 wurde er ihr Ordentliches Mitglied sowie zum Kurfürstlichen Pfalz-Bayerischen Hofrat ernannt und 1808 in den persönlichen Adelsstand erhoben. Da sich die versprochene Einrichtung eines Anatomiegebäudes verzögerte und schließlich scheiterte, verlagerte Samuel Thomas (von) Soemmering seine Arbeit mehr und mehr auf die Gebiete der Physik und der Paläontologie.

Thomas Soemmering strebte nach einer möglichst vollständigen Erfassung aller Fakten. Anatomische und wissenschaftliche Details illustrierte er mit eindrucksvollen Tafeln und seine Illustrationen bestechen durch Genauigkeit und Schönheit. Vor allem seine Arbeiten über das Nervensystem und die Sinnesorgane fanden weite Anerkennung. Mit seiner 1778 veröffentlichten Dissertation über vergleichende Anatomie des Gehirns konnte sich Soemmering rasch in der Fachwelt einen Namen machen; seine Reihung über die Hirnbasis und den Ursprung der Hirnnerven ist bis heute gültig. Er betrachtete das Rückenmark nicht mehr als großen Nerv, sondern als Teil des Zentralnervensystems. Er benannte die Hirnanhangdrüse als "Hypophyse" und er entdeckte 1791 den gelben Fleck in der Netzhaut des Auges. Heftige Diskussionen löste sein Buch "Über das Organ der Seelen" aus dem Jahre 1796 aus, in welchem er den Sitz der Seele in die Flüssigkeit der Hirnkammern verlegte.

Samuel Thomas (von) Soemmering war stets an elektrischen Phänomenen interessiert, zumal diese gerade in den biologischen und medizinischen Wissenschaften Gegenstand der Diskussion seiner Zeit waren. In der Auseinandersetzung um die Frage, wodurch eigentlich Leben bestimmt sei, hatte man ab etwa 1740 zahlreiche Reize am Organismus erprobt, darunter auch die Elektrizität (anfangs in Form der Reibungselektrizität). So hatte auch Soemmering erstmals während seines London-Aufenthalts Versuche mit Elektrisiermaschinen durchgeführt und mit Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) und Alexander von Humboldt (1769–1859) über Probleme der Elektrizität korrespondiert. In Folge beschäftigte er sich mit galvanischen Versuchen, die 1809 zu seiner Entwicklung des elektrochemischen Telegrafen führte. Dieser Telegraf stellt das herausragende Ereignis Soemmerings in seiner Münchener Zeit dar. Bis zu seinem Tod arbeitete Samuel Thomas (von) Soemmering an dessen technischer Weiterentwicklung und warb in Denkschriften und praktischen Einsätzen in Deutschland, Frankreich, England und Russland um dessen Einführung.

In Anbetracht des ihm gesundheitlich nicht sehr zusagenden Münchener Klimas entschloss sich Samuel Thomas (von) Soemmering 1819 zur Zurückkehr nach Frankfurt (Main). Soemmering hinterließ ein umfangreiches Schrifttum, das die Gebiete der allgemeinen Medizin, der Anatomie, Neuroanatomie, Anthropologie, Paläontologie, Physik, Philosophie und Astronomie umfasste. Zu seinen medizinischen Standardwerken gehören Vom Baue des menschlichen Körpers (1791–1796) – die große anatomische Enzyklopädie in fünf Bänden, der Soemmerings Ruhm begründete – und die Abbildungen der Sinnesorgane (1801–1809).

Quellen:

Eckart, W.U.: Ärzte Lexikon. Springer, Heidelberg 2006

Stand: 23. März 2011

Das könnte Sie auch interessieren

Lexikon der Persönlichkeiten

Lexikon der Persönlichkeiten

Ob Hippokrates, Paracelsus oder Freud: Lernen Sie im Lexikon der Persönlichkeiten die Koryphäen der Medizingeschichte kennen. mehr ...

Weitere Themen:

Am häufigsten gelesen

Leben mit Krebs

Leben mit Krebs

Im Themenspecial finden Betroffene und Angehörige Informationen zu modernen Therapieformen sowie zur aktuellen Krebsforschung. mehr ...

Weitere Themen:

Disclaimer:

© 2012 gofeminin.de GmbH – Das Informationsangebot rund um die persönliche Gesundheit auf www.onmeda.de dient ausschließlich Ihrer Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die auf Onmeda zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden. Bitte beachten Sie auch den Haftungsausschluss sowie unsere Hinweise zu den Bildrechten.