Startseite > Lexika > Lexikon der Persönlichkeiten > Santorio (Santorio Sanctuarius)
Veröffentlicht von: Dr. med. Fabian Weiland
* 29. März 1561 in Cap d'Istria (damals zu Venedig gehörig; heute: Koper, Kroatien)
† 6. März 1636 in Venedig
Santorio Sanctuarius war ein Erneuerer der Medizin und Wegbereiter der Iatrophysik – der "Solidarpathologie", die Krankheiten aus den physikalischen Eigenschaften der Körperteile zurückführt. Die Einführung quantitativer Methoden in die biologische Experimentalwissenschaft ist sein Verdienst.
Santorio wurde als Sohn eines hohen Beamten in Venedig geboren. Er erhielt in Venedig eine Ausbildung in alten Sprachen und klassischer Literatur und studierte in Padua – Hochburg der damaligen Universitätsmedizin Europas – Medizin. Nach seiner Promotion im Jahr 1582 ging Santorio zurück an den Golf von Triest – der heutigen kroatischen Adriaküste – und praktizierte dort 14 Jahre lang als Arzt. 1599 kam er nach Venedig zurück, ließ sich hier nieder und eröffnete eine Praxis. 1611 wurde Santorio Professor an der Universität Padua und lehrte dort bis 1624 theoretische Medizin. Danach kehre er nach Venedig zurück, um sich hier ganz seinen wissenschaftlichen Studien zu widmen.
Lange vor René Descartes (1596–1650) verglich Santorio den menschlichen Organismus mit einem Uhrwerk, dessen Bewegung ebenfalls von der Anzahl, Form und Anordnung der einzelnen Teile abhängt. Die Grundlage hierzu boten seine überaus genaue diagnostische Erfassungen von Krankheitszuständen und ihre klinische Beschreibung. In seiner 1614 veröffentlichten Schrift De statica medicina stellte Santorio seine diesbezüglichen Ergebnisse sowie von ihm selbst entwickelte Instrumente dar. Obwohl streng der noch bis ins 19. Jahrhundert reichenden Humoralpathologie (die Qualitäten-, Elementen- und Säftelehre) verhaftet, hat er damit als erster Arzt seiner Zeit mechanistische Erklärungen für Krankheitszustände dargestellt und die Grundlagen der dazu notwendigen physiologischen Messmethoden angegeben. So stellt Santorio zum Beispiel in seiner Publikation die Veränderungen des Körpergewichts als Differenz zwischen der eingenommenen Nahrungsmenge und der Menge der ausgeschiedenen Stoffe (Urin und Stuhl) dar. Mithilfe seiner "Stoffwechselwaage" bewies er, dass der Körper zusätzlich zu diesen Ausscheidungen durch "unmerkliche Ausdünstung" über Haut und Lunge zusätzlich Substanzen abgibt, und zwar täglich mehr als die sichtbaren Ausscheidungen. Darüber hinaus entwickelte Santorio ein Luftthermometer, um damit die Temperatur in der Mundhöhle zu messen, sowie ein Pulszählgerät.
Eckart, W.U.: Ärzte Lexikon. Springer, Heidelberg 2006
Stand: 23. März 2011
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