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Boris Rajewsky

Autor: Onmeda-Redaktion

Biophysiker

* 17. Juli 1893 in Tschirigrin (Dnjepr, Ukraine)

† 22. November 1974 in Frankfurt am Main

Boris Rajewsky gehörte zu den führenden Strahlenforschern in Deutschland und zu den maßgeblichen Vertretern der Biophysik und der Molekularphysik. Mit seinen Forschungen schuf Rajewsky wichtige Grundlagen insbesondere auf den Gebieten der biologischen Strahlenwirkungen und des Strahlenschutzes, der Entstehung von Tumoren und ihrer Verhinderung sowie der Wirkung ionisierender und optischer Strahlen auf Gewebe und Zellen.

Boris Rajewsky studierte an der Universität Kiew Physik und war anschließend als Assistent des Physikalischen Instituts tätig. In den Wirren der russischen Revolution gelangte er Ende 1922 nach Deutschland und fand in Frankfurt/Main an dem 1921 von Friedrich Dessauer (1881–1963) gegründeten und von ihm geführten Institut für Physikalische Grundlagen der Medizin seine zukünftige Wirkungsstätte.

1927 erhielt Boris Rajewsky die deutsche Staatsbürgerschaft. 1929 habilitierte er sich in Frankfurt für das Fach Physik und Physikalische Grundlagen der Medizin mit einer Arbeit über die Strahlenwirkung auf Eiweiß und wurde zum Privatdozenten ernannt. Rajewsky wurde bald engster Mitarbeiter von Dessauer und 1932 stellvertretender Institutsleiter. Als Dessauer ab 1933 aufgrund seiner politischen Aktivitäten und als Gegner der NS-Regierung sein Institut nicht mehr weiterführen konnte, gelang es Boris Rajewsky im Einvernehmen mit Dessauer, die Forschungsstätte zu erhalten und 1937 ihren zukünftigen Bestand als Kaiser-Wilhelm-Institut für Biophysik zu sichern.

1934 erhielt Boris Rajewsky den Frankfurter Lehrstuhl für Physikalische Grundlagen der Medizin, den zuvor Dessauer inne gehabt hatte. Arbeiten Rajewskys und seines Instituts waren damals unter anderem die Klärung der biologischen Wirkung harter Quantenstrahlung (ab 1925), die Entwicklung der von den Wellenlängen der Strahlung unabhängigen Ionisationskammern für die Dosimetrie (1926), die Analyse der Radiumvergiftung (1936), die wissenschaftliche Aufarbeitung des so genannten Schneeberger Lungenkrebses der Uranbergarbeiter dieser Gegend (1937), die Erzeugung hochenergetischer Strahlung für die Tumortherapie sowie der Beginn der Neutronentherapie (ab 1944).

Ab 1945 baute Boris Rajewsky das kriegszerstörte Institut wieder auf und führte es als Max-Planck-Institut für Biophysik zu einer über seinen Wirkungskreis national und international geachteten Forschungseinrichtung für Biophysik und Strahlenbiologie. Mehr als 1.300 Publikationen sind bis zu Rajewskys Emeritierung im Jahr 1966 aus dem Institut hervorgegangen, wovon die Arbeiten Die wissenschaftlichen Grundlagen des Strahlenschutzes und Strahlendosis und Strahlenwirkung zu Standardwerken der Radiologie avancierten. Auf Anforderung des Deutschen Bundestags gründete Rajewsky 1956 den Sonderausschuss Radioaktivität, dessen Ergebnisse mit zur Beendigung der Atomwaffenerprobungen in der Atmosphäre beitrugen.

Boris Rajewsky erhielt zahllose Ehrungen. Er war unter anderem von 1949 bis 1951 Rektor und von 1952 bis 1954 Prorektor der Universität Frankfurt/Main, Träger von sechs Ehrendoktorraten in- und ausländischer Universitäten, Inhaber von Mitgliedschaften Wissenschaftlicher Akademien und hoher Auszeichnungen wie das Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland aus dem Jahre 1963.

Quellen:

Online-Informationen der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Fachbereich Physik: www.physik.uni-frankfurt.de (Stand: 20.05.2007)

Stand: 21. März 2011

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