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Stand: 18. März 2011Autor: Onmeda-Redaktion
* 28. Februar 1901 in Portland (Oregon, USA)
† 19. August 1994 in Dear Flat Ranch (Kalifornien, USA)
Linus Carl Paulings wissenschaftliches Interesse galt der Erforschung der Strukturen von Kristallen und Molekülen in den Fachbereichen der medizinischen Chemie, der Biochemie und der chemischen Bindung. Seine Forschungsergebnisse auf diesen Gebieten veränderten die Denkweise über molekulare Strukturen von Grund auf. Paulings Leistung war dabei die physikalische Deutung chemischer Strukturen komplexer Substanzen und ihre Anwendung. Dafür erhielt er 1954 den Nobelpreis für Chemie.
Linus Carl Pauling war der Sohn eines Apothekers. Er begann im Jahr 1917 seine Ausbildung in dem noch jungen Fach Chemische Verfahrenstechnik am Oregon State College in Portland, die er 1922 abschloss. Anschließend ging Pauling an das California Institute of Technology, wo er als Dozent arbeitete und 1925 promovierte. Ein Studienaufenthalt führte ihn 1926/1927 in die Laboratorien der damaligen Elite der Physik, Arnold Sommerfeld (1868–1951), Erwin Schrödinger (1887–1961) und Niels Hendrik David Bohr (1885–1962). Nach seiner Rückkehr nach Kalifornien 1927 ging Linus Carl Pauling an das California Institute of Technology zurück und arbeitete hier bis zu seinem Tod als Professor für Chemie und chemische Technologie. 1936 bis 1956 war er zugleich als Direktor des Gates and Crellin Laboratories, das dem Technischen Institut angeschlossen war. 1942 bis 1945 war Linus Carl Pauling in der Abteilung für Explosivstoffe der Studienkommission für Nationale Sicherheit in führender Position tätig, wofür ihm 1948 die Ehrenmedaille des Präsidenten verliehen wurde. 1967 folgte Pauling einem Ruf an die University of California in San Diego. 1969 bis 1973 arbeitet er an der Stanford-Universität in Palo Alto, Kalifornien, wo er 1973 ein eigenes molekularbiologisches und molekularmedizinisches Forschungsinstitut gründete, das Linus Pauling Institute of Science and Medicine, dessen Direktor er ab 1979 war.
Den Nobelpreis für Chemie erhielt Linus Carl Pauling für seine herausragenden Untersuchungen zur Struktur von Biomolekülen, die eine Übertragung seiner frühen Theorien auf kompliziertere Moleküle aus lebenden Geweben beinhalten. So untersuchte Pauling ab 1936 den Blutfarbstoff Hämoglobin und fand 1940 in den roten Blutkörperchen von an Sichelzellenanämie Erkrankten eine veränderte Hämoglobinform. 1949 beschrieb er als erster die molekularbiologische Grundlage der Sichelzellenanämie. Durch seine Entdeckung wurde die Erforschung von Krankheiten auf molekularer Ebene initiiert – ein Wissenschaftszweig, den Pauling ab 1973 auch in seinem eigenen Institut betrieb.
In die frühen 1940er und 1950er Jahre fällt auch Paulings Hypothese, die er aus den Daten von Röntgenbeugungen entwickelte. Danach können Eiweiße in Schraubenform angeordnet sein. Damit bereite Linus Carl Pauling unter anderem die gedankliche Grundlage für die Strukturaufklärung der Desoxyribonukleinsäure (DNS) durch Francis Harry Compton Crick (1916–2004) und James Dewey Watson (* 1928) vor, welche diese 1953 formulierten.
Linus Carl Pauling stellte eine Klassifizierung auf, die drei Verbindungstypen unterscheidet: Ionenverbindungen, kovalente Verbindungen und metallische Verbindungen. Seine diesbezüglichen, bis heute gültigen Vorstellungen fasste er 1939 in dem grundlegenden Buch Die Natur der chemischen Bindung beziehungsweise 1967 in Die chemische Bindung zusammen. Auch seine Lehrbücher, besonders Chemie aus dem Jahr 1947, fanden weite Verbreitung.
Zeitlebens hatte Linus Carl Pauling neben seiner Arbeit in seiner kalifornischen Heimat eine Reihe von Gastprofessuren in aller Welt inne. Dazu kamen unzählige Präsidentschaften und Ehrendoktorwürden zahlreicher Universitäten, wie zum Beispiel die der Berliner Humboldt-Universität (1959).
Als Linus Carl Pauling nach dem Einsatz der amerikanischen Atombomben am 6. und 9. August 1945 das ganze Ausmaß der Zerstörung der japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki und den unmittelbaren Tod von über 250.000 Menschen erfuhr, galt sein persönliches Streben der Ächtung von Massenvernichtungswaffen. Er wurde ein entschiedener Gegner von Kernwaffen und aktives Mitglied der internationalen Friedensbewegung. 1958 überreichte er dem damaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen Dag Hammarskjöld (1905–1961) eine von 11.000 Wissenschaftlern aus aller Welt unterzeichnete Petition, in der sie den sofortigen Abschluss eines internationale Abkommens zur Einstellung der Atomwaffenversuche forderten. 1959 erfuhr die Weltöffentlichkeit durch Linus Carl Pauling erstmals, dass der radioaktive Fallout aufgrund der Atombombentests fünfmal so stark sei wie ursprünglich angegeben, und er warnte vor der Entstehung von körperlichen Missbildungen und vor allem vor der Entstehung von Krebserkrankungen. Für sein Engagement für das Zustandekommen des Atomtestabkommens im Jahr 1962 wurde Linus Carl Pauling 1963 mit dem Friedensnobelpreis (für das Jahr 1962) belohnt.
Eckart, W.U.: Ärzte Lexikon. Springer, Heidelberg 2006
Stand: 18. März 2011
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