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Christiane Nüsslein-Volhard

Autor: Onmeda-Redaktion

Biologin

* 20. Oktober 1942 in Magdeburg

1995 erhielt Christiane Nüsslein-Volhard für ihre Entdeckungen über die grundlegenden genetischen Steuerungsmechanismen der Embryonalentwicklung zusammen mit den Amerikanern Eric F. Wieschaus und Edward B. Lewis den Nobelpreis für Medizin. Sie gehört damit zu den wenigen Frauen überhaupt, denen ein Nobelpreis zuerkannt wurde.

Ihre Schulausbildung absolvierte Nüsslein-Volhard in Frankfurt/Main, wo sie 1962 auch ihr Studium der Biologie, Physik und Chemie begann und 1964 in Tübingen mit dem Fach Biochemie fortsetzte. Am Tübinger Max-Planck-Institut für Virusforschung fertigte sie 1968 ihre Diplom- und Doktorarbeit an; ihre Promotion erfolgte 1973 im Fach Genetik. 1975 begann Nüsslein-Volhard ihre Forschungen über biologische Gestaltbildung. Wichtige Stationen waren hier unter anderem Forschungsaufenthalte im Labor von Prof. Dr. Walter Gehring am Biozentrum in Basel (1975 bis 1976), 1977 im Labor von Dr. Klaus Sander an der Universität von Freiburg und am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie in Heidelberg (1978 bis 1980). Ehe sie 1985 Direktorin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen wurde, leitete Christiane Nüsslein-Volhard vier Jahre lang eine Arbeitsgruppe am Friedrich-Miescher-Laboratorium in Tübingen. 1986 wurde ihr der Leibnizpreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft Franz-Vogt-Preis der Universität Gießen verliehen. In den Jahren 1988 bis 1993 war sie Dozentin an verschiedenen Universitäten in den USA. 1994 erhielt sie für ihr Werk das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Auf dem Gebiet der Entwicklungsbiologie, in dem Nüsslein-Volhard für ihre Forschungen an der Fruchtfliege Drosophila melanogaster – dem "klassischen" Versuchstier für Vererbungsversuche – den Nobelpreis erhielt, wird seit den 1920er Jahren intensiv gearbeitet. Das Kernproblem, wie aus der einfach strukturierten Eizelle erst verschiedenartige Zellen entstehen und dann die komplexe Gestalt der Larve konnte erst mit Hilfe Nüsslein-Volhards Gradiententheorie bestätigt werden: Bei ihren Arbeiten im Europäischen Labor für Molekularbiologie in Heidelberg, die sie mit ihrem Kollegen Eric Wieschaus durchführte, entdeckte sie, dass die Fliegenmutter in der Eizelle Substanzen platziert, die diffundieren und ein Konzentrationsgefälle bilden. Dadurch werden unterschiedliche Quantitäten von Stoffen in unterschiedliche Qualitäten von Zellen übersetzt, und der Embryo nimmt die dadurch genetisch vorbestimmte Gestalt an. Bei den späteren Experimenten mit Fischen zeigte sich, dass auch bei Wirbeltieren Parallelen bestehen.

Die Arbeiten Nüsslein-Volhards eher zur biologischen Grundlagenforschung. Sie sind jedoch für die Humanmedizin insofern von praktischem Nutzen, als dass es beim Menschen ebenfalls homologe Gene gibt.

Quellen:

Peter, R.: Das Buch der Vorbilder. Die 100 größten Persönlichkeiten der Menschheit. Pattloch, München 2005.

Stand: 17. März 2011

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