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Rachel Hirsch

Stand: 22. März 2011Autor: Onmeda-Redaktion

Ärztin

* 15. September 1870 in Frankfurt/Main

† 06. Oktober 1953 in London

Die Jüdin Rachel Hirsch war die erste Frau, die als Ärztin in Preußen u.a. für ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Inneren Medizin den Professorentitel erhielt. Sie ist noch heute für ihre Erkenntnisse und Forschungsarbeiten auf dem Gebiet "der Durchlässigkeit der Darmschleimhaut für großkorpuskuläre Elemente durch die Erythrozyten des Dünndarmepithels und ihrer Ausscheidung mit dem Harn" bekannt ("Hirsch-Effekt").

Rachel Hirschs Erkenntnisse wurden jedoch auf einer Konferenz der Gesellschaft der Chefärzte der Charité am 7. November 1907 einmündig als nicht stichhaltig zurückgewiesen. Damit war ihre Forschung auf diesem Gebiet beendet. Sie widmete sich danach sehr erfolgreich u.a. den Problemen von Fieber und Wärmehaushalt, dem Diabetes mellitus, der Fettsucht und auch dem Morbus Basedow.

Rachel Hirsch wurde am 15. September 1870 in Frankfurt am Main, als Tochter des Direktors der "höheren Töchterschule" der israelitischen Religionsgemeinschaft, als eines von elf Kindern geboren. Ihr Großvater väterlicherseits, der Frankfurter Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808-1888), zählt noch heute mit zu den bedeutendsten Rabbinern des 19. Jahrhunderts.

Rachel Hirsch erhielt in ihrem Elternhaus eine vergleichsweise fortschrittliche Erziehung. In Frankfurt besuchte sie die "höhere Töchterschule", wo sie 1885 ihr Abitur ablegte. Anschließend begann sie mit dem Studium der Pädagogik, welches sie im Mai 1889 in Wiesbaden mit dem Lehrerinnenexamen abschloss. Danach arbeitete sie bis zum Jahr 1898 als Lehrerin.

Das Medizinstudium begann Rachel Hirsch erst im vergleichsweise hohem Alter von 28 Jahren 1898, um dem ungeliebten Lehrerinnenberuf zu entkommen. Sie immatrikulierte sich im April 1898 in Zürich als Studentin der Medizin. Im November 1900 bestand Rachel Hirsch ihr Physikum in Straßburg und legte dort am 04. Juli 1903 ihr Staatsexamen ab. Kurz darauf promovierte sie dort zum Dr. med.

Ab dem 01. Oktober desselben Jahrs begann Rachel Hirsch eine Anstellung als Volontärassistentin an der Charité in Berlin an der II. Medizinischen Klinik unter Prof. Friedrich Kraus (1858-1936). In dieser Klinik verblieb sie bis zum Jahr 1919. Während dieser Zeit avancierte Rachel Hirsch zur Leiterin der Poliklinik und wurde 1913 zur Professorin für Innere Krankheiten ernannt, womit sie die erste medizinische Professorin in Preußen und die dritte im deutschen Kaiserreich war. Da ihr aber eine Dozentur oder gar ein Lehrstuhl versagt blieb, schied sie 1919 aus der Charité aus und gründete eine eigene Praxis, in der sie bis 1938 tätig blieb.

Aufgrund der Machtergreifung der Nazis und dem immer stärker werdenden Druck auf jüdische Ärzte wurde Rachel Hirsch 1933 die Kassenzulassung entzogen und die Behandlung "arischer" Personen untersagt. Rachel Hirsch emigrierte im Oktober 1938 nach London. Dort lebte sie bei ihrer Schwester. Weil sie sich den Anforderungen, das englische Medizin-Examen nachzuholen, nicht mehr gewachsen fühlte, arbeitete sie weit unter ihrer Qualifikation als Laborassistentin und Übersetzerin.

Ihre letzten Lebensjahre verbrachte Rachel Hirsch in einer Nervenklinik am Rande Londons. Dort verstarb sie am 06. Oktober 1953.

Quellen:

Eckart, W.U.: Ärzte Lexikon. Springer, Heidelberg 2006

Stand: 22. März 2011

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