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Hildegard von Bingen

Stand: 14. März 2011Autor: Onmeda-Redaktion

Heilige, Äbtissin, Mystikerin, Heilkundige

* 1098 in Bemershein bei Alzey

† 1179 bei Bingen

Hildegard von Binden zählt ohne Zweifel zu den bekanntesten Frauen des Mittelalters. Aufgrund ihrer seherischen Fähigkeiten wurde sie auch als prophetissa teutonica – teutonische Seherin – bezeichnet.

Die Äbtissin des Benediktinerinnenklosters auf dem Rupertsberg bei Bingen schuf ein natur- und heilkundliches Werk, das heute zu den bedeutendsten Zeugnissen der so genannten Klostermedizin zählt. Die Klostermedizin begann um 527 mit der Klostergründung auf dem Monte Cassino durch Benedikt von Nursia (um 480 - 547), die die Keimzelle des Benediktinerordens darstellt, und endete um 1130 mit dem Konzil von Clermont, auf dem den Mönchen jede ärztliche Tätigkeit, insbesondere die Chirurgie, verboten wurde. Die auf dem Monte Cassino betriebene Krankenpflege wurde zum Vorbild für die mittelalterliche Klostermedizin.

Hildegard von Bingen kam als letztes von zehn Kindern auf die Welt und hatte laut eigener Angabe bereits im Alter von drei Jahren erste Visionen. Mit acht Jahren trat sie in das Benediktinerinnenkloster Disibodenberg ein, wo sie von der Äbtissin Jutta von Sponheim in Wissenschaft, Künsten und Sprachen unterrichtet wurde und sie zu einer hochgebildeten Persönlichkeit heranreifte. Nach dem Tode der Äbtissin wurde Hildegard im Alter von 38 Jahren ihre Nachfolgerin. 1150 zog sie in das neu gegründete Kloster Rupertsberg bei Bingen, auf dem sie im hohen Alter von 81 Jahren starb.

Hildegard von Bingen begann zwischen 1150 und 1158 mit der Abfassung ihrer natur- und heilkundlichen Schriften "Physica" und "Causae et curae" ("Vom Grund und der Heilung von Krankheiten"). In diesen auf Beobachtung, Erfahrungen der Volksmedizin, antiker Überlieferung und benediktinischer Tradition basierenden Schriften versuchte sie neben der christlichen Krankheitsvorstellung auch naturalistische Ideen einzubringen.

Obwohl Hildegard von Bingen glaubte, dass allein Gott heilt, empfahl sie zur Stärkung des Leibs im Krankheitsfalle doch die Einnahme von Heilmitteln. Sie betrachtete den Tagesablauf im Klosterleben unter diätetischen (von griech. diaita = Lebensweise, Lebensunterhalt) Gesichtspunkten, der sich aus Arbeiten, Ruhen, Essen, Fasten, Reden, Schweigen und Schlafen zusammensetzt, und damit einen ausgeglichenen Lebensrhythmus beinhaltete..

In ihrer Schrift "Causae et curae" entwickelte Hildegard von Bingen eine Art Physiologie und Pathologie des Menschen. Die Gesamtheit der an der Entstehung und dem Verlauf einer Krankheit beteiligten Faktoren (Pathogenese) erklärt sie als Folge des Sündenfalls. Körperliche und geistige Leiden sind für sie die Folge der Übertretung göttlicher Gebote. Das Krankheitsgeschehen basiert für sie auf dem physisch-psychischen Wechselspiel des Organismus. Infolge dessen können körperliche Leiden Geisteskrankheiten auslösen, und psychische Defekte organische Schäden.

Neben heilsam wirkenden Medikamenten aus Mineralien und Tiersubstanzen nehmen die pflanzlichen Mittel mit etwa 300 Arten den größten Raum ein. Die Anwendung der Heilmittel war für Hildegard von Bingen jedoch nicht entscheidend für die Gesundheit eines Menschen. Die Wiederherstellung verlangte vielmehr die Mitwirkung der ganzen Person. Prägend für Hildegard von Bingen waren die zahlreichen Visionen, die sie von Kindheit an hatte. So praktizierte sie auch die verschiedenen Methoden der religiösen und magischen Heilkunde wie Handauflegen und Beten, Übersendung heilkräftiger Gegenstände und Teufelsaustreibung.

Im Zusammenhang mit der Naturheil- und Alternativbewegung erlebten die Ideen Hildegard von Bingens in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine gewisse Renaissance, die als "Hildegardmedizin" eine Alternative zur modernen Medizin bieten soll.

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Quellen:

Jankrift, K.: Die großen Ärzte im Portrait. Marix Verlag, Wiesbaden 2007

Stand: 14. März 2011

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