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Ludwig AschoffStand: 14. März 2011Autor: Onmeda-Redaktion Arzt, Pathologe* 10. Januar 1866 in Berlin † 24. Juni 1942 in Freiburg (im Breisgau) Ludwig Aschoff gilt als der renommierteste deutsche Pathologe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu seinen wichtigsten Leistungen gehören die Entdeckung der Knötchen im perivaskulären Bindegewebe bei Gelenkrheumatismus (Aschoff-Knötchen), die Beschreibung des Reizleitungssystems im Herzen (Aschoff-Tawara-Knoten) und seine Studien zur Immunologie und Bakterienabwehr, für die er den Begriff des Endothelialen Zellsystems prägte. Weitere Arbeiten beschäftigten sich mit der Appendizitis, der Entstehung des Magengeschwürs und Problemen der allgemeinen Pathologie. Ludwig Aschoff studierte von 1885 bis 1890 Medizin in Bonn und Straßburg; 1889 promovierte er in Bonn. Seine Assistenzzeit verbrachte er bei den Pathologen Friedrich Daniel von Recklinghausen (1833-1910) in Straßburg und Johannes Orth (1847-1923) in Göttingen. Unter Orth habilitierte sich Aschoff 1894 für pathologische Anatomie. Im Jahre 1903 folgte er einem Ruf auf den Lehrstuhl für Anatomie an der Universität Marburg. 1906 übernahm er den entsprechenden Lehrstuhl an der Universität Freiburg/Breisgau, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1936 wirkte. Bei seinen Forschungsarbeiten auf den verschiedensten Gebieten seines Fachs versuchte Ludwig Aschoff die von Rudolf Ludwig Karl Virchow (1821-1902) entwickelte pathologische Anatomie der krankhaften Zustände des menschlichen Körpers in Richtung einer Morphologie der pathologisch veränderten Funktionen (pathologische Physiologie) zu erweitern, um so auch dem Kliniker von größeren Nutzen sein zu können. Ein wichtiger Schritt auf diesem Wege war die 1906 veröffentlichte Monographie Aschoffs´ Schüler, Sunao Tawara (1873-1952), über das Reizleitungssystem des Säugetierherzens – Aschoff und Tawara hatten im Vorhof-Knoten (Aschoff-Tawara-Knoten, Atrioventrikularknoten) das (sekundäre) Reizbildungssystem des Herzens erkannt. Damit war die physiologische Bedeutung von bestimmten, bereits früher bemerkten spezifischen Fasern und Knoten des Herzens aufgeklärt. 1921 veröffentlichte Aschoff die Schrift "Über die natürlichen Heilungsvorgänge bei der Lungenphthise" (Lungenschwindsucht). Darin wies er auf die Bedeutung der Reinfektion bei der Lungentuberkulose hin. 1924 folgte eine zusammenfassende Darstellung der Lehre vom "reticuloendothelialen System". Aschoff setzte dabei die morphologische Pathologie zur Pathochemie, Biochemie und Physik in Beziehung. Neben seinen Arbeiten bezog Aschoff stets auch die Geschichte der Medizin in seine Überlegungen mit ein und publizierte unter anderem die "Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin". Ludwig Aschoff war nach Virchow einer der bedeutendsten Pathologen. Er zog Studenten und Assistenten aus aller Welt an. Aschoff erhielt zahlreiche internationale Ehrungen und war Mitglied namhafter wissenschaftlicher Gesellschaften. Im gesellschaftlichen Leben seiner Zeit war Aschoff deutschnational orientiert; seine politische Haltung war zwiespältig: Während des 1. Weltkriegs organisierte er für das Deutsche Reich die so genannte Kriegspathologie. Deren Hauptziel war die Erforschung der Konstitution des deutschen Volks mittels klinischer Leichenöffnung möglichst sämtlicher gefallener Soldaten. Mit dieser konstitutions-pathologisch (rassenhygienischen) Ausrichtung gab Aschoff dem gesamten Fach der Pathologie eine gesundheitspolitische Zielsetzung, die in der nachfolgenden Weimarer Zeit und im Dritten Reich fortwirkte. Zwar trat Aschoff nach dem Krieg für die Völkerverständigung ein, unterstützte aber die Weimarer Republik nur halbherzig. Eine ähnliche ambivalente Haltung entwickelte er zum Nationalsozialismus, dessen Machtergreifung im Jahre 1933 er zunächst begrüßte. Quellen:Eckart, W.U.: Ärzte Lexikon. Springer, Heidelberg 2006 Stand: 14. März 2011 Das könnte Sie auch interessieren
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