Urinwerte: Zusammensetzung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (20. Dezember 2013)

Urin setzt sich aus festen und flüssigen Bestandteilen zusammen. Bei krankhaften Prozessen im Körper ist es möglich, dass die Nieren nicht nur sogenannte harnpflichtige Substanzen (Stoffe, die die Nieren regulär mit dem Harn ausscheiden) sondern auch andere Bestandteile des Stoffwechsels ausscheiden.

Normale Harnbestandteile

Harnstoff

Harnstoff ist das Endprodukt des Eiweißstoffwechsels beim Menschen. Er wird in der Leber aus Ammoniak und Bicarbonat gebildet. Täglich scheiden die Nieren etwa 13 bis 33 Gramm Harnstoff aus. Dies ist die größte Menge aller von den Nieren zu eliminierenden Stoffe. Wird im Körper viel Eiweiß abgebaut, führt dies zu einem Anstieg der Harnstoffausscheidung, zum Beispiel bei

Bei einer Schwangerschaft, vegetarischer Kost oder angeborenen Störungen im Harnstoffzyklus nimmt die Ausscheidung von Harnstoff dagegen ab.

Harnsäure

Der Körper scheidet etwa 0,3 bis 0,8 Gramm Harnsäure täglich über den Urin aus. Harnsäure entsteht als Abbauprodukt des sogenannten Purinstoffwechsels. Purine sind Nukleinsäuren, die unter anderem Bestandteile der DNA (Träger der Erbinformation) sind, und vor allem mit Fleisch aufgenommen werden. Die Harnsäurekonzentration im Urin ist zum Beispiel erhöht bei:

  • Gicht
  • Nierensteinen
  • Nierenschäden durch Vergiftungen

Ein niedriger Harnsäure-Urinwert entsteht zum Beispiel bei einem Mangel des Enzyms Xanthinoxidase, das für den Purinstoffwechsel wichtig ist, oder durch verschiedene Medikamente.

Kreatinin

Kreatinin entsteht in Muskel- und Nervenzellen beim Abbau von Kreatin, einer Energiespeichersubstanz. Es gelangt über das Blut in die Nieren, die es schließlich ausscheiden. Täglich geben die Nieren etwa 1,2 bis 1,8 Gramm davon in den Harn ab. Durch den Genuss großer Fleischmengen, eine erhöhte Muskelmasse oder Muskelentzündungen kann sich der Kreatinin-Wert im Urin erhöhen. Ein niedriger Wert tritt bei einer verminderten Muskelmasse und Nierenversagen auf.

Säuren

Die Nieren scheiden täglich verschiedene Säuren wie Oxalsäure, Zitronensäure und freie Aminosäuren mit dem Urin aus. Angeborene Stoffwechselkrankheiten wie die primäre Hyperoxalurie und entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn gehen mit einer Erhöhung der Oxalatkonzentration im Urin einher und begünstigen so die Entstehung von Nierensteinen. Bei Erkrankungen der Leber steigt die Ausscheidung von freien Aminosäuren im Harn stark an.

Hormone

Harn enthält verschiedene Hormone. Ein diagnostisch wichtiger Urinwert ist unter anderem das sogenannte Choriongonadotropin, das dem Schwangerschaftsnachweis dient. Daneben können beispielsweise die Konzentrationen der sogenannten Stresshormone Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin), der Steroide (Geschlechtshormone und Kortisol), der Gonadotropine (geschlechtshormon-stimulierende Hormone) und des Serotonins (Botenstoff des Nervensystems) zur Abklärung von Bluthochdruck, bestimmten Krebsarten und Stoffwechselerkrankungen bestimmt werden.

Anorganische Salze

Ein gesunder Mensch scheidet täglich etwa 10 Gramm Salze über den Urin aus. In erster Linie handelt es sich dabei um Kochsalz (Natrium-Chlorid). Ein hoher Urinwert an Natrium tritt beispielsweise bei Nierenversagen oder bestimmten Stoffwechselerkrankungen auf, niedrige Konzentrationen bei Erbrechen, Durchfall, Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Herzinsuffizienz.

In der Praxis spielt darüber hinaus die Ausscheidung von Phosphat eine wesentliche Rolle, da auch dieser Urinwert bei bestimmten Erkrankungen erhöht oder erniedrigt auftreten kann. Erhöhte Werte kommen beispielsweise bei Überfunktion der Nebenschilddrüse, Calcium- und Vitamin D-Mangel vor. Bei chronischem Nierenversagen (Niereninsuffizienz) und Unterfunktion der Nebenschilddrüse sind die Urinwerte von Phosphat erniedrigt.