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pH-Wert: Sauer oder basisch?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (16. Oktober 2015)

© Jupiterimages/iStockphoto

Der pH-Wert ist ein Maß dafür, wie sauer oder basisch eine Lösung ist. Er gibt an, wie viele Wasserstoffionen (H+) in ihr vorhanden sind. Hierbei gilt: Je niedriger der pH-Wert, desto saurer die Lösung. Im medizinischen Sinne geht es oftmals um den pH-Wert des Blutes, der bei Gesunden etwa 7,4 beträgt.

Die Abkürzung "pH" leitet sich vom neulateinischen "potentia Hydrogenii" ab, was übersetzt "Konzentration des Wasserstoffs" bedeutet. Der pH-Wert kann von 0 (äußerst sauer) bis 14 (sehr alkalisch) reichen. Dabei gilt:

  • pH-Wert < 7 = sauer
  • pH-Wert = 7 = neutral (z.B. reines Wasser)
  • pH-Wert > 7 = alkalisch (basisch)

Der pH-Wert spielt für unzählige, teils lebensnotwendige Stoffwechselprozesse im menschlichen Körper eine wichtige Rolle, zum Beispiel für:

  • den Zuckerstoffwechsel (Glykolyse)
  • die Muskeltätigkeit und die Erregungsausbreitung im Herzen
  • den Gefäßwiderstand
  • die Sauerstoffbindung des Blutes durch den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin)

Der pH-Wert lässt sich im klinischen Alltag mithilfe einer Blutgasanalyse (BGA) sehr einfach und schnell bestimmen. Dies ist auch auch in der Notfallmedizin äußerst bedeutsam, da der pH-Wert des Blutes in vielen Fällen als wichtiger Hinweis auf bestimmte Krankheiten oder Störungen dient. Hierbei schaut der Arzt als Erstes, ob der pH-Wert höher oder niedriger ist als bei gesunden Menschen.

  • Fällt der pH-Wert im Blut unter 7,37, liegt eine Azidose vor (zu viel Säure im Körper),
  • steigt der pH-Wert auf 7,45 oder höher, sprechen Ärzte von einer Alkalose.

Der Organismus setzt alles daran, den pH-Wert im Blut beziehungsweise den Säure-Basen-Haushalt des Körpers möglichst stabil zu halten. Dazu verfügt er über sogenannte Puffersysteme, etwa im Blut und im Harn. Hierbei handelt es sich vorrangig um Eiweiße, die überschüssige Wasserstoffionen binden können oder – bei erniedrigter Konzentration – Wasserstoffionen ins Blut abgeben können. Dazu zählen beispielsweise Hämoglobin und Albumin.

Zusätzlich zu den Puffersystemen hält der Mensch den pH-Wert des Blutes – und damit den des gesamten Körpers – vor allem über die Lunge und die Nieren, aber auch mit Hilfe der Leber auf einem gleichmäßigen Niveau: Zum einen atmet er über die Lunge das saure Kohlendioxid ab, zum anderen tragen die Nieren zum Säure-Basen-Haushalt bei, indem sie entweder

  • Wasserstoffionen ausscheiden, wenn der Blut-pH-Wert zu niedrig ist (zu viel Säure im Körper vorhanden ist), oder
  • indem sie sogenanntes Hydrogenkarbonat oder Bikarbonat (HCO3-), eine Base, in den Harn abgeben, wenn der Blut-pH-Wert zu weit nach oben abweicht.

Bei einer Azidose ist der Körper gewissermaßen übersäuert, zum Beispiel wenn der pH-Wert im Blut aufgrund organischer Ursachen – etwa Stoffwechsel-, Nieren- oder Lungenerkrankungen – sinkt.

Hinweis: Laiensprachlich ist häufig von einer Übersäuerung durch die Ernährung die Rede. Dies spielt bei Gesunden jedoch keine Rolle, da der Mensch dank seiner Puffersysteme die Säuren oder Basen, die er durch seine Ernährung aufnimmt, entsprechend abfangen, den pH-Wert also konstant halten kann. Säuren führt man beispielsweise in Form von Essig zu sich, Basen durch vorwiegend pflanzliche Kost. Menschen, die sich großteils pflanzlich ernähren, scheiden über ihren Urin entsprechend mehr basische Substanzen (Bikarbonat) aus – der pH-Wert ihres Harns steigt. Konzepte wie eine sogenannte Säure-Basen-Diät sind aus wissenschaftlicher Sicht weder nachvollziehbar noch sinnvoll!

Überblick: pH-Wert verschiedener Körperflüssigkeiten und Organe

Körperflüssigkeit, Organ etc.normaler pH-Wert
Blut ca. 7,4 (7,37–7,45; je nach Definition u.a. auch 7,37–7,43)
Urin normalerweise leicht sauer, je nach Ernährung aber auch alkalisch (4,5–7,9)
Magen 1–4
Galle 6,5–8,2
Stuhl 7
Speichel 5,5–7,8
Haut ca. 5,5 ("Säureschutzmantel")
Schweiß 4,5 ( Infektionsschutz durch antibakterielle Wirkung)
Vagina (vor allem in den unteren zwei Dritteln) 4–5
Gebärmutterhalssekret (Zervixsekret) 7–8,5
Sperma 7–7,8
Körperzellen In Körperzellen finden sich normalerweise mehr Wasserstoffionen als im Blut – hier liegt der pH-Wert bei etwa 7,0–7,3.

Die wissenschaftliche Definition des pH-Werts lautet: Der pH-Wert ist der negativ dekadische Logarithmus der Wasserstoffionenkonzentration, pH = -lg [H+]


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