Großes Blutbild: Was bedeuten die Werte?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (16. Oktober 2015)

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten, Retikulozyten)

Ein großes Blutbild gibt Auskunft über die Menge an roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Erythrozyten enthalten den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Hämoglobin bindet Sauerstoff und Kohlendioxid, daher sagt die Menge der roten Blutkörperchen indirekt etwas über die Sauerstoffversorgung des Körpers aus.

  • Eine Blutarmut oder Anämie liegt vor, wenn die Zahl der Erythrozyten erniedrigt ist.
  • Bei niedrigem Erythrozytenwert sinkt gleichzeitig der Wert des Hämoglobins (Hb-Wert).
Ein Arzt betrachtet ein Röhrchen mit einer Blutprobe. © Jupiterimages/Stockbyte

Ein großes Blutbild umfasst mehr als zehn Werte.

Die Ursachen für eine Anämie sind vielfältig. Häufig liegt ein Mangel zugrunde, etwa an Eisen (Eisenmangelanämie), Vitamin B12 (Vitamin-B12-Mangel) oder Folsäure (Folsäuremangel). Dann bildet der Körper zu wenige rote Blutkörperchen. Weitere Ursache für eine Anämie: Wer viel Blut verliert, etwa durch eine Verletzung, verliert entsprechend auch rote Blutkörperchen.

Ein erhöhter Erythrozytenwert (sog. Polyglobulie) lässt sich oft auf Sauerstoffmangel zurückführen. Der Grund: Bei Sauerstoffmangel bildet der Körper vermehrt das Hormon Erythropoetin (Epo). Epo regt das rote Knochenmark an, neue Erythrozyten herzustellen. Der Körper versucht, durch den erhöhten Anteil an Erythrozyten den Sauerstoffmangel auszugleichen.

Die Ursache des Sauerstoffmangels kann natürlicher Art sein; beispielsweise erhöht sich der Erythrozytenwert bei einem Aufenthalt im Hochgebirge, da die Luft dort weniger Sauerstoff enthält. Aber auch Erkrankungen, zum Beispiel Lungen- und Herzkrankheiten, können die Sauerstoffversorgung des Körpers verschlechtern, was den Erythrozytenwert ebenfalls erhöht.

Erwachsene bilden Erythrozyten im roten Knochenmark. Auf ihrem Weg zum "reifen" Erythrozyten durchlaufen sie mehrere Entwicklungsstadien. Neben den "fertigen" Erythrozyten lässt sich deren letzte Vorstufe ebenfalls im Blut nachweisen: die Retikulozyten.

Ergibt ein kleines oder großes Blutbild, dass zahlreiche Retikulozyten im Blut vorhanden sind, bedeutet dies, dass der Körper derzeit viele Erythrozyten neu bildet.

Als Hämatokrit bezeichnet man das Verhältnis von festen zu flüssigen Blutbestandteilen. Dieser prozentuale Anteil der Blutzellen am Gesamtblut sagt etwas darüber aus, wie gut das Blut fließt: Je "dicker" das Blut (= je mehr feste Bestandteile), desto schlechter fließt es. Die Normalwerte des Hämatokrits schwanken je nach Alter und Geschlecht und hängen von der Menge der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) ab, da die Erythrozyten den größten Anteil der Blutzellen ausmachen.

Hämoglobin (roter Blutfarbstoff)

Der eisenhaltige Blutfarbstoff Hämoglobin (kurz: Hb) bindet Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut. Ein großes Blutbild ermittelt den Hämoglobin-Gesamtwert (Hb-Wert). Um die Ursachen einer Blutarmut (Anämie) festzustellen, wertet der Arzt den im großen Blutbild ermittelten Hämoglobin-Wert in Verbindung mit dem Erythrozytenwert aus.

Ein erhöhter Hämoglobin-Wert findet sich, wenn sich die roten Blutkörperchen vermehren (Polyglobulie), etwa bei einem Aufenthalt in großen Höhen. Weitere mögliche Ursachen sind

Ein verminderter Hämoglobin-Wert (Anämie, Blutarmut) weist in den meisten Fällen auf eine sogenannte Eisenmangelanämie hin. Aber auch bei entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn oder bestimmten Nierenerkrankungen kann der Hb-Wert sinken.

MCV, MCH, MCHC, RDW

Folgende Werte lassen sich anhand der Zahl der Erythrozyten und des Hämoglobin-Wertes bestimmen. Sie sind Bestandteil des kleinen und somit auch des großen Blutbildes:

  • MCV (Volumen: mittleres zelluläres Volumen der Erythrozyten)
  • MCH (Masse: mittleres zelluläres Hämoglobin pro Erythrozyt; entspricht dem an die roten Blutkörperchen gebundenen Hämoglobin; früher "HbE")
  • MCHC (Konzentration: mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration)
  • RDW (sog. Erythrozyten-Verteilungsbreite, engl. Red Cell Distribution Width; sagt etwas über die unterschiedliche Größe der Erythrozyten aus)

Leukozyten (weiße Blutkörperchen)

Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) braucht der Körper, um Krankheitserreger abzuwehren. Ein großes Blutbild ermittelt die verschiedenen Unterarten von Leukozyten und gibt Auskunft über den Zustand des körpereigenen Abwehrsystems: Der Leukozyten-Wert sagt etwas über möglicherweise bestehende Entzündungen oder Infektionen des Körpers aus.

Versucht der Körper, eine akute Infektion mit Bakterien, Pilzen oder Parasiten zu bekämpfen, vermehren sich die weißen Blutkörperchen. Auch Blutungen, Allergien und bösartige Erkrankungen der Blutbildung (Leukämie) können die Werte ändern – im Falle der Leukämie meist in sehr ausgeprägter Form.

  • Erhöhte Leukozytenanzahl (Leukozytose): akute Infektionen, akute Vergiftungen, Blutungen, Allergien, Schockzustände, Leukämie (Blutkrebs).
  • Verminderte Leukozytenanzahl (Leukopenie): Eine Virusinfektion geht in der Regel mit einer verminderten Zahl weißer Blutkörperchen einher. Auch Krankheiten wie Malaria oder Typhus können die Ursache einer verminderten Leukozytenanzahl sein. Weitere mögliche Ursachen: Schädigung des Knochenmarks, etwa durch eine Bestrahlung oder medikamentöse Behandlung (z.B. mit Krebsmedikamenten, Zytostatika), Überfunktion der Milz (Hyperspleniesyndrom).

Thrombozyten (Blutplättchen)

Ein großes Blutbild erfasst die Menge der Blutplättchen (Thrombozyten). Thrombozyten sind wichtig für die Blutgerinnung – stark veränderte Werte weisen auf eine gestörte Blutgerinnung hin. Aber auch andere Ursachen können den Thrombozytenwert beeinflussen, etwa Erkrankungen der Milz.