Blutgruppen: AB0-System

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (30. November 2012)

Heute ist eine Vielzahl von unterschiedlichen Blutgruppen-Systemen bekannt, die allerdings nur zu einem geringen Teil praktische Anwendung finden. Das wichtigste ist das 1901 von dem österreichischen Bakteriologen Karl Landsteiner entdeckte AB0-System (ABNull-System). Es umfasst die vier Haupt-Blutgruppen A, B, 0 und AB.

Bei der Blutgruppenvererbung spielen die Begriffe "dominant" und "rezessiv" eine wichtige Rolle: Die jeweilige Blutgruppe eines Menschen ist in seiner Erbinformation in doppelter Ausführung kodiert. Dabei stammt eine Fassung von der Mutter, die andere hat man vom Vater geerbt. Hat ein Mensch zum Beispiel das Merkmal für Blutgruppe A von seiner Mutter geerbt und vom Vater das Merkmal für Blutgruppe 0, hat er die Blutgruppe A. Das liegt daran, dass sich Merkmal A durchsetzt – es ist dominant. Das Merkmal 0 ist rezessiv und wird "überstimmt". Auch das Merkmal B ist dominant. Ein Mensch mit den geerbten Merkmalen B und 0 hat demnach die Blutgruppe B. Was ist aber mit Menschen, die zwei dominante Merkmale von ihren Eltern erhalten haben? Sind es jeweils dieselben (z.B. A und A) bildet sich auch genau diese Blutgruppe aus (hier Blutgruppe A). Liegen die gleichwertig dominanten Merkmale A und B vor, kommt es zur Blutgruppe AB. Das Blutgruppen-Merkmal 0 ist zwar rezessiv – aber wenn Vater und Mutter beide das Blutgruppen-Merkmal 0 an ihr Kind weitergeben, ist kein "überstimmendes" dominantes Merkmal vorhanden. Das Kind hat dann die Blutgruppe 0. Aufgrund dieser Mechanismen der Blutgruppenvererbung wird die Blutgruppenbestimmung zum Beispiel für Abstammungsgutachten genutzt.

Im Blutplasma befinden sich Eiweiße, die gegen körperfremdes Material gerichtet sind und somit einen wichtigen Teil des menschlichen Immunsystems ausmachen: die Antikörper. Je nach Blutgruppe eines Menschen zirkulieren in seinem Blut auch Antikörper, die gegen die Blutzellen fremder Blutgruppen gerichtet sind – Antikörper gegen die eigenen Erythrozyten kommen aber nicht vor (Landsteinersche Regel). Ein Beispiel veranschaulicht das Ganze: Ein Mensch mit der Blutgruppe A besitzt auf seinen Erythrozyten nur das Antigen A. In seinem Blut zirkulieren Antikörper gegen das Antigen B. Vermischt man sein Blut nun zum Beispiel mit dem Blut der Blutgruppe B, kommt es zu einer sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion. Die Antikörper greifen die "fremden" Blutzellen an – es kommt zu einer Verklumpung (Agglutination). Das wird als AB0-Inkompatibililtät (AB0-Unverträglichkeit) bezeichnet. Sie ist bei Bluttransfusionen und in der Geburtshilfe von Bedeutung.