Albumin: Albuminurie (Albumin im Urin)

Veröffentlicht von: Till von Bracht (28. Oktober 2015)

Der Körper scheidet über den Urin normalerweise nur geringe Mengen Albumin aus (höchstens 20 Milligramm pro Tag). Eine vermehrte Ausscheidung von Albumin deutet darauf hin, dass die Nieren nicht richtig funktionieren – Ärzte sprechen dann von einer sogenannten Albuminurie

Vor allem für Diabetiker ist es wichtig, eine Albuminurie rechtzeitig festzustellen: Eine erhöhte Albuminkonzentration im Urin ist das erste Anzeichen einer beginnenden Nierenschädigung (diabetische Nephropathie). Die diabetische Nephropathie zählt zu den weit verbreiteten Diabetes-Folgeerkrankungen. 

Normalerweise filtern die Nieren – ähnlich wie ein Sieb – nicht benötigte Stoffe aus dem Blut und entsorgen sie mit dem Urin. Im Blut befindliche Eiweiße, zum Beispiel Albumine und Globuline, halten die Nieren fast vollständig zurück: Zu große Proteine passen nicht durch den "Filter", kleinere Eiweiße werden dem Körper nach dem Filtern wieder zugeführt. 

Unter bestimmten Umständen funktioniert die Filterfunktion der Nieren aber nicht mehr richtig. Dann werden übermäßig viele Proteine über den Urin ausgeschieden – allgemein bezeichnet man dies als Proteinurie. 

Die Eiweiße, die eine geschädigte Niere als erstes durchlässt, sind Albumine. Der Grund: Das Gewicht eines Albuminmoleküls enspricht genau der Grenze, ab der Proteine in den Nieren nicht mehr gefilert werden. Die Albuminurie ist somit eine bestimmte Form der Proteinurie. 

Je nachdem, wie viel Albumin die Nieren über den Urin ausscheiden, unterscheidet man zwischen 

  • einer Mikroalbuminurie (30 bis 300 Milligramm Albumin pro Tag beziehungsweise 20 bis 200 Milligramm Albumin pro Liter Urin)
  • und einer Makroalbuminurie (mehr als 300 Milligramm Albumin pro Tag beziehungsweise mehr als 200 Milligramm Albumin pro Liter Urin). 

Von einer Proteinurie spricht man, wenn im Urin innerhalb von 24 Stunden generell mehr als 150 Milligramm Eiweiß nachgewiesen werden. 

Die Ursachen für eine Albuminurie sind vielfältig. Verschiedene Erkrankungen können zum Beispiel zu einer erhöhten Albuminkonzentration im Urin führen, wie etwa

Doch nicht immer steckt eine Krankheit dahinter: Auch schwere körperliche Anstrengung oder eine Schwangerschaft kommen als Ursache der Mikroalbuminurie in Betracht. 

Wenn Ärzte in zwei von drei Urinproben im Abstand von mehreren Wochen eine erhöhte Albuminausscheidung im Urin feststellen, spricht man von einer dauerhaft anhaltenden Mikroalbuminurie. Vor allem Menschen mit Bluthochdruck oder Diabetes sind häufig von einer Mikroalbuminurie betroffen. Die Häufigkeit der Mikroalbuminurie nimmt mit Alter, Höhe des Blutdrucks und Dauer der Diabeteserkrankung zu.

Ohne Therapie geht eine Mikroalbuminurie nach durchschnittlich drei bis sieben Jahren in eine Makroalbuminurie über – meist infolge einer zunehmenden Schädigung der Nieren. Von einer Makroalbuminurie spricht man, wenn der Körper täglich mehr als 300 Milligramm Albumin über den Urin ausscheidet.

Wenn Ärzte eine Mikroalbuminurie früh genug feststellen, lässt sich das Fortschreiten in eine Makroalbuminurie mit gezielten Methoden aufhalten oder verlangsamen. Dazu gehören:

  • sämtliche Maßnahmen, die den Blutzuckerspiegel stabilisieren,
  • Medikamente, die die Wirkung des Enzyms ACE hemmen (ACE-Hemmer), und
  • Medikamente, die die Rezeptoren des blutdrucksteigernden Hormons Angiotensin II blockieren (Angiotensin-II-Rezeptorblocker).

Daher ist es vor allem für Diabetiker wichtig, dass sie regelmäßig ihre Albuminkonzentration im Urin überprüfen lassen.