Metastasen: Vom Tumor zu Metastasen

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (03. November 2015)

Wenn sich einzelne Krebszellen vom Ursprungstumor (Primärtumor) lösen, heißt das nicht zwangsläufig, dass dies zu Metastasen, also Tochtergeschwülsten, führen wird. Vielmehr müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit es zur Metastasierung kommt. Während manche Krebsarten wie etwa Brustkrebs oft relativ früh zu Metastasen führen, vergeht bei andere Arten – zum Beispiel beim Dickdarmkrebs – meist mehr Zeit.

Das menschliche Immunsystem tut eine Menge, um den Körper vor entarteten Zellen zu schützen. Mehrere Kontrollmechanismen unterbinden, dass eine Zelle ohne Weiteres an einen anderen Ort wandert. Normalerweise stirbt eine Zelle, wenn sie sich von benachbarten Zellen löst oder wenn sie in die Blut- oder Lymphbahn gerät.

Einige Krebszellen können jedoch diese Kontrollen umgehen, weil sie bestimmte Eigenschaften besitzen. So können sie sich etwa eine Art "Tarnkleidung" zulegen und die Eigenschaften von Blut- oder Knochenmarkzellen perfekt nachahmen. Die Folge: Gelangen die Krebszellen in die Blut- oder Lymphbahn, um sich zu verbreiten, erkennt das körpereigene Immunsystem die Tarnung nicht – und lässt die "falschen" Blut- oder Knochenmarkzellen ungehindert passieren.

In der Regel sorgen bestimmte Moleküle auf der Zelloberfläche dafür, dass sich Zellen nicht so leicht aus einem Gewebe lösen, sondern zusammenbleiben. Besitzt eine Krebszelle dieses Molekül nicht, kann sie sich leichter lösen und streuen. Um in andere Gewebe zu gelangen, produzieren manche Krebszellen bestimmte Enzyme (sog. Proteasen), die ihnen das Eindringen ermöglichen.

Ein Krebstumor besteht aus Krebszellen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Nur einige der Zellen können Metastasen hervorrufen.

Bestimmte Krebszellen können die Wand eines Blutgefäßes durchdringen, mit dem Blutstrom in andere Körperregionen gelangen und dort Metastasen bilden. © iStock

Bestimmte Krebszellen können die Wand eines Blutgefäßes durchdringen, mit dem Blutstrom in andere Körperregionen gelangen und dort Metastasen bilden.

Wenn sich Krebszellen auf dem Blut- oder Lymphweg verbreiten, bedeutet dies jedoch nicht zwangsläufig, dass sich auch Metastasen bilden werden. Nicht alle Krebszellen sind in der Lage, Metastasen zu bilden – Forscher vermuten, dass dazu nur sogenannte Tumorstammzellen  imstande sind, sich ausreichend zu teilen. Und auch Tumorstammzellen können sich nur unter bestimmten Bedingungen teilen und somit Metastasen bilden. Liegen diese Gegebenheiten nicht vor, stirbt die Zelle ab oder aber sie verbleibt in einem Ruhezustand, ohne sich zu teilen.

Krebszellen, die in fremdes Gewebe streuen, können sich nur unter bestimmten Voraussetzungen teilen und so Metastasen bilden. Dies ist unter anderem nur möglich, wenn

  • die Zelle in der Lage ist, sich aus dem Zellverband zu lösen,
  • es sich um eine teilungsfähige Zelle handelt (vermutlich eine sog. Tumorstammzelle) und wenn
  • die richtigen Umgebungsbedingungen für eine Teilung vorliegen.