Viren – eine Einführung: Virusähnliche Partikel

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (07. Dezember 2010)

Unter virusähnlichen Partikeln versteht man Partikel, die krankheitserregend wirken können, obwohl sie aus noch weniger Elementen als ein Virus bestehen. Zu den virusähnlichen Partikeln zählen:

  • die Viroide,
  • die Virusoide und
  • die Prionen.

Viroide

Als Viroide bezeichnet man kurze Erbmaterial-Sequenzen aus einer ringförmigen RNA (Ribonukleinsäure). Viroide sind wie die Viren unbelebt, besitzen keinen Stoffwechsel und können sich nicht fortpflanzen. Sie besitzen keinerlei Kapsid oder Hülle. Sie spielen bei infektiösen Pflanzenkrankheiten eine Rolle, zum Beispiel führen sie bei Zitrusbäumen zur sogenannten Exocortis-Krankheit. Durch Viroide verursachte Erkrankungen beim Menschen sind bisher nicht bekannt.

Virusoide (Satellitenviren)

Virusoide (auch Satellitenviren genannt) bestehen ebenfalls aus einem kleinen RNA- oder DNA-Molekül sowie ein bis zwei Eiweißen, deren Bauplan sie auch in ihrem Erbmaterial tragen. Sie können sich nur in Gegenwart von anderen Viren (sog. Helferviren) vermehren und ausbreiten. Virusoide führen vor allem bei Pflanzen zu Erkrankungen. Das bislang einzig bekannte Virusoid, das beim Menschen zu Erkrankungen führen kann, ist das Hepatitis-D-Virus: Das Hepatitis-D-Virus kann nur Zellen befallen, die bereits mit Hepatitis-B-Viren befallen sind.

Prionen

Der Begriff Prionen geht auf den englischen Begriff proteinaceous infectious particle zurück, was so viel wie "eiweißartiger ansteckender Partikel" bedeutet. Im Unterschied zu Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren besitzen Prionen keinerlei Erbmaterial. Sie bestehen ausschließlich aus Eiweißen (Proteinen) und kommen auch natürlicherweise im Körper von Mensch und Tier vor – vor allem in Gehirn und Rückenmark, aber auch in Geweben des Immunsystems (Lymphknoten und Milz). Unter bestimmten Bedingungen können Prionen krank machen und zum Beispiel bei Schafen und Ziegen zu Scrapie, bei Rindern zu BSE und beim Menschen zum Beispiel zur Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder zu Kuru führen.

Im gesunden Zustand liegen die Prionen alle in einer bestimmten Struktur vor, der sogenannten PrPC-Form (c für engl. cell = Zelle). Faltet sich diese Struktur jedoch um, entsteht eine infektiöse Form, die sogenannte PrPSC-Form (sc für Scrapie, die Form wurde zuerst bei Schafen entdeckt). Diese abweichende Strukturfaltung kann bei gesunden Prionen dazu führen, dass diese sich in die krankhafte Form umfalten. Die krankhafte Form kann nicht abgebaut werden und so sammelt sich nach und nach immer mehr von der infektiösen Prionen-Form im Gehirn an und schädigt es dadurch.