Treponema pallidum pallidum: Syphilis

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (26. September 2012)

Eine Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum pallidum kann zur Syphilis (Lues) führen.

Etwa drei Wochen nach der Infektion treten die ersten Symptome der Syphilis auf, die in vier Stadien (Lues I bis Lues IV) verläuft.

Treponema pallidum pallidum vermehrt sich während der Erkrankung langsam im infizierten Hautgewebe. Unbehandelt kann die Syphilis über viele Jahre bis Jahrzehnte andauern.

Lues I (primäre Syphilis)

Im ersten Stadium der Syphilis (Lues I, primäre Syphilis) zeigt sich etwa drei Wochen nach der Infektion der sogenannte Primäraffekt – ein schmerzloser Knoten an der Stelle der Infektion. Meist liegt diese Stelle im Genitalbereich, sie kann sich aber auch – je nachdem, wo die Infektion stattgefunden hat – an einer anderen Körperstelle befinden. Der Knoten (harter Schanker, Ulcus durum) verändert sich zu einem Geschwür, zerfällt mit der Zeit und ist hochansteckend. Ohne Behandlung heilt es innerhalb einiger Wochen ab. Die Lymphknoten im Bereich der Infektionsstelle sind angeschwollen.

Wenn keine Schmerzen auftreten, kann es sein, dass der Betroffene die körperlichen Veränderungen zunächst gar nicht bemerkt.

Lues II (sekundäre Syphilis)

Etwa vier bis acht Wochen nach dem ersten Syphilisstadium beginnt das zweite Stadium (Lues II, sekundäre Syphilis). Der Erreger Treponema pallidum pallidum breitet sich über das Blut und die Lymphbahnen im ganzen Körper aus.

Das zweite Syphilis-Stadium geht mit Schleimhaut- und Hautveränderungen einher. In symmetrischen und fleckigen Formen können schuppige und / oder eitrige Bläschen auftreten.

Der Betroffene fühlt sich abgeschlagen, manche haben leichtes Fieber und eine Entzündung im Halsbereich. Auch Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen können auftreten. Die Lymphknoten sind meist angeschwollen. Die sekundäre Syphilis ist ebenfalls hoch ansteckend.

Nach Abklingen des zweiten Stadiums kann es Jahrzehnte dauern, bis das dritte Stadium einsetzt. Während dieser Zeitspanne befindet sich Treponema pallidum pallidum weiterhin im Körper, verursacht aber keine Beschwerden. Diese sogenannte latente Syphilis kann auch lebenslang bestehen bleiben.

Lues III (tertiäre Syphilis)

Das lange andauernde, stumme dritte Stadium der Syphilis (Syphilis III, tertiäre Syphilis) kann durch einen plötzlichen Ausbruch von Symptomen unterbrochen werden. An der Haut und den Schleimhäuten treten Knötchen auf, die sich rasch ausbreiten und dazu neigen, zu Geschwüren zu zerfallen.

Die tertiäre Syphilis umfasst zahlreiche Symptome. Der Erreger Treponema pallidum pallidum befällt die Organe, zerstört Muskeln und Haut. Sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch die Knochen und das Nervensystem können betroffen sein, zahlreiche neurologische und psychische Ausfälle (z.B. Gefühlsstörungen, Demenz) sind möglich. Je nachdem, welche Körperregion oder Funktion betroffen ist, unterteilen Mediziner die Spätsyphilis und ihre Symptome weiter.

Lues IV (quartäre Syphilis, Neurosyphilis)

Das vierte Stadium der Syphilis (quartäre Syphilis) wird auch Neurosyphilis genannt. Bei vielen Betroffenen verläuft dieses Stadium symptomlos. Treten Beschwerden auf, zeigen sie sich zunächst in einer Hirnhautentzündung mit Symptomen wie Sehstörungen und Doppelbildern. Unbehandelt geht das Hirngewebe nach und nach zugrunde, was sich durch diverse Beschwerden wie Gedächtnisverlust, Ausfällen der Gesichts-Muskulatur, Lähmung der Arme und / oder Beine, Halbseitenlähmung, Verminderung der geistigen Fähigkeiten (Demenz) und Wahrnehmungsstörungen zeigt.

Durch eine Degeneration der Hinterstränge des Rückenmarks kommt es als Endstadium zur Tabes dorsalis (sog. Rückenmarkschwindsucht), bei der Nervenknoten, Nervenwurzeln und Nervenscheiden zerstört werden.

Angeborene Syphilis

Den Krankheitserreger Treponema pallidum pallidum können Schwangere auch durch die Plazenta (diaplazentar) auf den Fötus übertragen. Dies geschieht frühestens ab dem vierten Monat der Schwangerschaft. Die Treponemeninfektion des Fötus (Lues connata) kann zu einer Fehlgeburt (Abort) führen. Zudem kommen viele infizierte Säuglinge als Früh- oder Mangelgeburten mit körperlichen und geistigen Behinderungen zur Welt.