Paracoccidioides brasiliensis

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (10. Mai 2016)

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Der Pilz Paracoccidioides brasiliensis (Blastomyces brasiliensis) kommt hauptsächlich in ländlichen Regionen Lateinamerikas (v.a. Brasilien, Kolumbien, Venezuela) vor. Sein natürlicher Lebensraum scheint der Erdboden zu sein.

Beim Einatmen von pilzsporenhaltigem Staub kann der Erreger in die Lunge gelangen und – teilweise erst nach Jahrzehnten – die sogenannte südamerikanische Blastomykose (Paracoccidioides-Mykose) hervorrufen. In Südamerika sind vor allem Landarbeiter über 30 Jahre von der Krankheit betroffen, Männer häufiger als Frauen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Steckbrief Paracoccidioides brasiliensis

Paracoccidioides brasiliensis ist ein sogenannter dimorpher Pilz – das heißt, je nach Temperatur kommt er in zwei Erscheinungsformen (griech. dimorph = zweigestaltig) vor. Bei 25 bis 30 Grad Celsius wächst Paracoccidioides brasiliensis auf speziellen Nährböden als eine Art Geflecht (sog. Myzel). Bei ca. 37 Grad Celsius, also bei Körpertemperatur, wächst der Pilz dagegen in Form von rundlichen Hefezellen (sog. Sprosszellen). In dieser Phase bilden die Sprosszellen eine typische "Steuerradformation": eine von mehreren Tochterzellen umrandete Mutterzelle. Die Wand der Hefezellen ist auffällig dick (10 bis 30 Mikrometer).

Mikroskopische Aufnahme von Paracoccidioides brasiliensis. © CDC

Mikroskopische Aufnahme von Paracoccidioides brasiliensis. Man erkennt die typische "Steuerradform" der Sprosszellen.

Krankheiten

Nach einer Infektion mit Paracoccidioides brasiliensis treten  Anzeichen einer südamerikanischen Blastomykose (Paracoccidioides-Mykose) vor allem bei Menschen auf, deren Immunsystem geschwächt ist. Bei Menschen mit einem gesunden Immunsystem verläuft die Erkrankung dagegen oft ohne Beschwerden und dadurch meist unbemerkt.

Symptome

In der Lunge siedelt sich Paracoccidioides brasiliensis an und kann zu Beschwerden führen, die anfangs einer Lungenentzündung ähneln, wie:

Von der Lunge aus kann sich Paracoccidioides brasiliensis über Blutbahn und Lymphsystem weiter im Körper verbreiten und so zum Beispiel die Haut, die Schleimhäute oder Organe des Lymphsystems (z.B. Milz, Leber), aber auch den Magen-Darm-Trakt, die Knochen oder das zentrale Nervensystem befallen.

Auf der Haut (v.a. im Gesicht) sowie im Mundraum und Nasenrachenraum können sich schmerzhafte, geschwürartige wunde Stellen bilden. Ist der Rachenraum davon betroffen, kann es als Folge auch zu Schluckbeschwerden und Hustenreiz kommen. Infizierte Lymphknoten (meist im Halsbereich oder Achselbereich) können (schmerzlos) anschwellen und eitrig durch die Haut brechen. Verursacht die südamerikanische Blastomykose erkennbare Symptome, nimmt die Krankheit unbehandelt häufig einen lebensbedrohlichen Verlauf.

Die südamerikanischen Blastomykose hat meist eine sehr lange Inkubationszeit – vom Zeitpunkt der Infektion mit Paracoccidioides brasiliensis bis zu den ersten Symptomen können einige Wochen, aber auch Jahre bis Jahrzehnte vergehen.

Diagnose

Bei einer südamerikanischen Blastomykose lässt sich Paracoccidioides brasiliensis mikroskopisch in Eiter- und Speichelproben nachweisen. Eine Pilzkultur lässt sich anlegen, benötigt jedoch mehrere Wochen für das Wachstum. In Blutproben lassen sich mittels immunologischer Tests spezifische Antikörper nachweisen.

Therapie

Eine Erkrankung durch Paracoccidioides brasiliensis lässt sich medikamentös mit den Wirkstoffen Itraconazol, Ketoconazol oder Amphotericin B behandeln.

Vorbeugen

Bisher sind keine Maßnahmen bekannt mit denen man einer Infektion mit Paracoccidioides brasiliensis direkt vorbeugen könnte.