Nosokomiale Infektion (Krankenhausinfektion): Entstehung

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (07. März 2014)

Eine nosokomiale Infektion (Krankenhausinfektion) kann auf unterschiedliche Weise entstehen:

  • durch die körpereigene Flora, also Bakterien oder Pilze, die den Menschen natürlicherweise besiedeln (sog. primär oder sekundär endogene Infektion)
  • durch Erreger, die von anderen Personen (z.B. medizinischem Personal) auf den Patienten übertragen werden (sog. exogen bedingte Infektion).

Keime der körpereigenen Flora

Der menschliche Körper ist natürlicherweise von verschiedenen Bakterien- und Pilzarten besiedelt (sog. Flora), die gewöhnlich keine Probleme bereiten – solange diese Keime am richtigen "Ort" sind und das Immunsystem des Patienten nicht geschwächt ist.

Wer sich im Krankenhaus behandeln lassen muss, dessen Immunsystem ist jedoch je nach Grund des Aufenthalts unter Umständen geschwächt. Durch Behandlungsverfahren (sog. sekundär endogene Infektion) oder durch körpereigene Vorgänge (sog. primär endogene Infektion) kann es geschehen, dass Keime der eigenen Flora an Stellen gelangen beziehungsweise "verschleppt" werden, an denen sie normalerweise nicht sein sollten. Das ist insbesondere problematisch, wenn die Immunabwehr ohnehin bereits stark gefordert ist.

Primär endogene Infektion

Bei einer primär endogenen Infektion entsteht die nosokomiale Infektion durch Keime der eigenen Haut- oder Schleimhautflora. So kommt es zum Beispiel nach einer Operation bei manchen Patienten ohne äußere Einflüsse zu einer Lungenentzündung (Pneumonie). Ursache sind hierbei Erreger, die normalerweise die oberen Atemwege oder den Magen besiedeln und zum Beispiel durch Verschlucken von Speichel oder Mageninhalt in die Lunge geraten.

Sekundär endogene Infektion

Um eine sekundär endogene Infektion handelt es sich, wenn durch Therapiemaßnahmen (z.B. Katheter, Beatmungsschlauch) Erreger in den Körper eingeschleppt werden. Dabei handelt es sich ebenfalls um Keime, die Teil der eigenen Flora des Patienten sind.

So kann es zum Beispiel zu einer nosokomialen Harnwegsinfektion kommen, wenn durch einen Blasenkatheter Keime der Hautflora mit in die Blase beziehungsweise die Harnröhre transportiert werden. Harnwegsinfektionen machen rund ein Drittel der Krankenhausinfektionen aus.

Man sieht einen Kathetherschlauch auf einem Beutel. © Jupiterimages/iStockphoto

Beim Einführen eines Katheters (z.B. in die Harnröhre) können Keime der eigenen Hautflora mit hineintransportiert werden.

Keimübertragung durch äußere Einflüsse (exogen bedingte Infektion)

Eine andere Ursache für nosokomiale Infektionen sind Erreger, die von anderen Personen oder durch Instrumente auf den Patienten übertragen werden (sog. exogen bedingte Infektion). Dabei kann es sich zum einen um Erreger handeln, die durch das Krankenhauspersonal versehentlich von einem Patienten auf den anderen übertragen werden.

Aber auch wenn Ärzte oder Krankenpfleger unbemerkt von Keimen besiedelt sind und diese versehentlich an den Patienten weitergeben, kann das zu einer Krankenhausinfektion führen. Beispiele für nosokomiale Infektionen durch exogen bedingte Einflüsse sind Infektionen mit dem Norovirus oder den mehrfach antibiotikaresistenten MRSA-Bakterien.

Erreger können auf verschiedene Weise auf den Patienten übertragen werden:

  • durch direkten oder (häufiger) indirekten Kontakt: also z.B.
    • durch direktes Anfassen
    • oder indirekt, wenn
      • der Behandler erst eine infizierte oder mit Erregern besiedelte Person oder eine mit Keimen verunreinigte Fläche anfasst und danach den Patienten
      • der Behandler medizinische Utensilien oder Instrumente ohne (ausreichende) vorherige Desinfektion bei mehreren Patienten benutzt
  • durch Tröpfcheninfektion (z.B. durch Husten, Niesen, Sprechen); die durch Tröpfcheninfektion übertragenen Erreger sind hierbei relativ groß (größer als 5 Mikrometer) und sind an kleine Flüssigkeitströpfchen gebunden, die kurze Wege (bis zu einen Meter weit) fliegen können und dann absinken.
  • über die Luft (aerogen); sehr kleine Erreger (5 Mikrometer oder kleiner) können auch ohne Tröpfchen (bzw. nur mithilfe von sog. Tröpfchenkernen, quasi als Aerosol) beim Husten, Niesen oder Sprechen in der Raumluft gelangen und dort längere Zeit schweben.