Necator americanus (Hakenwurm der Neuen Welt)

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (09. September 2015)

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Necator americanus, der sogenannte „Hakenwurm der Neuen Welt“ oder auch „Todeswurm“ (lat. necator = Töter), wirkt beim Menschen als Krankheitserreger: Der Wurm kann sich nur im Menschen entwickeln, wo er als Parasit im Dünndarm lebt und die sogenannte Hakenwurmkrankheit verursachen kann.

Damit hat Necator americanus viel mit dem sogenannten Hakenwurm der Alten Welt namens Ancylostoma duodenale gemeinsam: Beide Hakenwürmer, die eng miteinander verwandt sind, haben sich auf den Befall des Menschen spezialisiert und rufen die gleichen Krankheitszeichen hervor. Zudem sind sie sich in ihrer Gestalt sehr ähnlich und ihre Eier sind nicht unterscheidbar. Jedoch hatten die Würmer ursprünglich verschiedene klimatische Verbreitungsgebiete. Heute kommen beide Arten allerdings in vielen Gebieten nebeneinander vor:

  • Necator americanus braucht eine warme und feuchte Umgebung und ist entsprechend in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet – vor allem in Westafrika, Süd- und Südostasien, Mittel- und Südamerika.
  • Ancylostoma duodenale lebt ebenfalls überwiegend in den Tropen und Subtropen, ist aber ebenso (wenn auch seltener) in gemäßigten Klimazonen zu finden.

Hakenwürmer gehören zur Gruppe der Nematoden (Fadenwürmer bzw. Rundwürmer). Neben den beiden für den Menschen wichtigsten Arten Necator americanus und Ancylostoma duodenale gibt es auch viele Hakenwürmer, die vorzugsweise Tiere (z.B. Hunde oder Katzen) befallen: Von den Tieren können die Wurmlarven zwar auf den Menschen übergehen, sich dort aber nicht weiterentwickeln – der Mensch ist also ein Fehlwirt. Die Larven bleiben dann nach der Infektion in der Haut, in der sie sich bis zu ihrem Tod fortbewegen. Dabei können sie geschlängelt aussehende entzündliche Hautveränderungen verursachen (sog. Hautmaulwurf bzw. Larva migrans kutanea).

Weltweit sind etwa 900 Millionen Menschen mit Hakenwürmern der Art Necator americanus oder Ancylostoma duodenale infiziert. Feuchte, schattige, warme Plätze mit sandigem Untergrund begünstigen das Vorkommen der Parasiten.

Der Entwicklungszyklus von Necator americanus

  • Ein mit Necator americanus infizierter Mensch scheidet mit dem Stuhl Wurmeier aus.
  • Aus den Eiern schlüpfen dann nach spätestens zwei Tagen nicht-infektiöse beziehungsweise rhabditiforme Larven (= Erststadium).
  • Innerhalb der folgenden fünf bis acht Tage wachsen die Larven, wobei sie sich zweimal häuten (Larven nach der ersten Häutung = Zweitstadium). Mit der zweiten Häutung entstehen infektiöse beziehungsweise filariforme Larven (= Drittstadium).
  • Zur Infektion des Menschen kommt es, wenn die Larven Kontakt zu unbedeckter Haut haben: Dann bohren sie sich aktiv in die Haut ein. In der Regel passiert dies an den Füßen (beim Barfußlaufen). Infektionen über den Mund – also durch den Verzehr von Nahrungsmitteln, die mit den Larven verseucht sind – können ebenfalls vorkommen.
  • Es folgt die Larvenwanderung, die über mehrere Monate ablaufen kann:
    • Die über die Haut eingedrungenen filariformen Larven gelangen über den Blutweg durch die rechte Herzkammer in die Lunge.
    • Von dort wandern sie durch das Bronchialsystem zum Kehlkopf und gelangen dann über Schluckvorgänge in den Verdauungstrakt.
    • Wenn die Larven den Dünndarm erreichen, bleiben sie dort.
  • Im Dünndarm entwickeln sich die Larven zum geschlechtsreifen Wurm weiter. Die weiblichen Würmer geben im Darm täglich etwa 10.000 Eier ab, die mit dem Stuhl nach draußen gelangen – und der Entwicklungszyklus beginnt von vorn. Die Zeit von der Infektion bis zum Ausscheiden der ersten Eier (sog. Präpatenzzeit) beträgt 5 bis 8 Wochen.

Die infektiösen Larven von Necator americanus können in feuchtwarmer Erde einige Wochen überleben und sich durch feuchtes Erdreich fortbewegen. An der Erdoberfläche richten sie sich – in aus mehreren Larven bestehenden Büscheln – auf. Dabei bewegen sie sich hin und her, um zu einem Wirt zu gelangen. Das Risiko, sich mit Necator americanus zu infizieren, besteht besonders dort, wo der Boden mit menschlichen Fäkalien kontaminiert ist – zum Beispiel weil ordentliche Toiletten und Abwassersysteme fehlen und weil Menschen Stuhl wahllos im Freien absetzen oder menschliche Ausscheidungen als Dünger verwenden.

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Eine Hakenwurmlarve im frühen, nicht-infektiösen (sog. rhabditiformen) Stadium.


Die ausgewachsenen Würmer von Necator americanus sind rötlich gefärbt. Die Männchen werden rund 7 Millimeter lang, die Weibchen sind mit rund 10 Millimetern Länge etwas größer. In der Mundkapsel der Hakenwürmer befinden sich zwei sichelförmige Schneideplatten, mit deren Hilfe sich die Würmer an der Darmwand festsetzen. Sie leben einige Jahre hauptsächlich im mittleren (und längsten) Abschnitt des Dünndarms – dem Jejunum – als Parasiten, wo sie sich von Darmzotten ernähren und dabei auch Blut aufnehmen.

Der tägliche Blutverlust eines von Necator americanus befallenen Menschen entspricht pro Wurm bis zu 0,03 Milliliter (bei starkem Wurmbefall kann das einen Blutverlust von rund 50 ml pro Tag ergeben). Die Lebensdauer der geschlechtsreifen Würmer beträgt etwa vier bis fünf Jahre.