Loa loa (afrikanischer Augenwurm)

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (28. September 2011)

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Der Fadenwurm Loa loa (afrikanischer Augenwurm) kommt hauptsächlich in den tropischen Regenwäldern von Westafrika und Zentralafrika vor. Er ist der Erreger der sogenannten Loiasis.

Loa-loa-Larven werden über tagaktive Bremsen der Gattung Chrysops (sog. Mangrovenfliege) auf den Menschen übertragen. Im Körper entwickeln sich die Fadenwürmer (Filarien) innerhalb von sechs Monaten zu geschlechtsreifen, ausgewachsenen Männchen und Weibchen, die im Unterhautbindegewebe und in der Bindehaut des Auges leben und dort wandern können. Der Parasit Loa loa wird deshalb auch als "Wanderfilarie" bezeichnet.

Im Bindegewebe produziert Loa loa große Zahlen an infektiösen Laven, den Mikrofilarien, die tagsüber im Blut erscheinen und sich mit dem Blutkreislauf durch den Körper bewegen. Tagaktive, blutsaugende Insekten wie Bremsen der Gattung Chrysops können die Larven so weiter übertragen.

Ausgewachsene, geschlechtsreife Loa-loa-Filarien (Makrofilarien) sind etwa 3 bis 7 Zentimeter lang. Mikrofilarien, also die infektiösen Larvenstadien des Erregers, werden dagegen nur 0,22 bis 0,3 Millimeter groß.

Loiasis: Eine Infektion mit Loa loa kann nach einer Inkubationszeit von etwa zwei bis zwölf Monaten zur sogenannten Loiasis führen. Dann beginnen die Fadenwürmer, im Bindegewebe der Unterhaut zu wandern, was zu allergischen Reaktionen gegen die Filarien führen kann. Insbesondere an den Beinen, aber auch im Gesicht und am restlichen Körper bilden sich dadurch juckende, schmerzende und hühnereigroße Entzündungsherde (sog. Kalabarschwellung oder Kamerunbeule). Diese verschwinden oft nach wenigen Tagen und treten dann an anderer Stelle neu auf, je nachdem, wie die Filarien gewandert sind. Dabei ist es möglich, dass Loa loa auch durch die Lederhaut und die Bindehaut des Auges wandert und dabei im Auge von außen sichtbar wird (daher die Bezeichnung Augenwurm). Unbehandelt können Fadenwürmer der Art Loa loa im Körper bis zu 17 Jahre alt werden.

Zu lebensbedrohlichen Komplikationen kann es kommen, wenn auch der Kehlkopf von den Fadenwürmern befallen ist und sich ein sogenanntes Glottisödem (Kehlkopfschwellung) ausbildet.

Diagnose: Eine Loiasis lässt sich im Allgemeinen bereits durch die typischen Symptome diagnostizieren. Da die infektiösen Larven von Loa loa nur tagsüber im Blut zirkulieren, lassen sich diese auch nur bei einer während des Tags erfolgten Blutabnahme im Blut nachweisen. Während der Nacht ziehen sich Loa-loa-Filarien in die inneren Organe zurück. Die Filarien haben sich hierbei an ihren tagaktiven Zwischenwirt (Chrysops-Arten) angepasst.

Therapie: Ein Befall mit Loa loa kann medikamentös mit dem Wirkstoff Diethylcarbamazin behandelt werden, welcher erst die Mikrofilarien und nach einer Weile auch die Makrofilarien abtöten. Zu Beginn der Therapie sollte man Diethylcarbamazin nur in niedriger Dosierung einsetzen, da durch die große Zahl sterbender Mikrofilarien Stoffe frei werden, die zu schweren allergischen Reaktionen führen können (sog. Herxheimer-Reaktion). Daher kann die gleichzeitige Einnahme von Kortikosteroiden oder Antihistaminika sinnvoll sein, um allergische Reaktionen zu unterdrücken.

Wird Loa loa im Auge sichtbar, kann der Fadenwurm chirurgisch unter lokaler Betäubung entfernt werden.

Vorbeugen: Bisher gibt es keine direkten Maßnahmen, mit denen man einer Loa-loa-Infektion vorbeugen kann. Da Loa loa über Bremsen übertragen wird, ist es in Risikogebieten sinnvoll, sich besonders vor Bremsenstichen zu schützen, zum Beispiel durch helle, hautbedeckend Kleidung, Insektenabwehrsprays (Repellents) oder Moskitonetze.