Leishmania brasiliensis

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (25. Juni 2015)

© Jupiterimages/iStockphoto

Leishmania brasiliensis ist ein einzelliger Parasit aus der Gruppe der Geißeltierchen, der vor allem Säugetiere befällt. Durch den Stich einer infizierten Mücke kann der Parasit in die Haut des Menschen gelangen und eine Erkrankung verursachen: die sogenannte Leishmaniose.

Die Art Leishmania brasiliensis ist nicht der einzige Vertreter der Gattung Leishmania, der beim Menschen als Krankheitserreger wirken kann: Auch andere Leishmanien können eine Leishmaniose auslösen. Leishmanien sind weltweit in den Tropen und Subtropen sowie in Südeuropa verbreitet. Die einzigen nicht betroffenen Kontinente sind Australien und die Antarktis. Etwa 350 Millionen Menschen sind dem Risiko ausgesetzt, sich mit den Parasiten zu infizieren. Dies geschieht durch blutsaugende Insekten oder Zecken – die wichtigsten Überträger sind jedoch ganz bestimmte Mücken: sogenannte Sandmücken. Schlechte hygienische Verhältnisse fördern deren Verbreitung und erhöhen somit das Ansteckungsrisiko.

Weltweit sind rund 12 Millionen Menschen mit Leishmanien infiziert.

Die Gattung Leishmania besteht aus zwei Untergattungen: 

  • der weltweit verbreiteten Untergattung Leishmania und
  • der nur in Amerika (v.a. in mittel- und südamerikanischen Ländern) vorkommenden Untergattung Viannia – hierzu gehört auch Leishmania brasiliensis.

Wer in ein Verbreitungsgebiet der Leishmanien reist und sich dort ansteckt, kann die Infektion bei der Rückkehr ins Heimatland einschleppen. Entsprechend treten auch in Deutschland vereinzelt Fälle von Leishmaniose auf. Zudem gelangen ab und zu Überträgermücken nach Deutschland. Es ist also nicht völlig auszuschließen, dass sich Menschen in Deutschland anstecken können. Allerdings gibt es hierzulande bisher keinen verseuchten Tierbestand, an dem sich die Mücken selbst infizieren könnten.

Auf dem amerikanischen Kontinent ist Leishmania brasiliensis einer der wichtigsten Erreger der Leishmaniose. Die Übertragung von Leishmania brasiliensis passiert hauptsächlich durch weibliche Sandmücken der Gattung Lutzomyia: Wenn die Sandmücke bei einem infizierten Tier (z.B. Nagetier, Hund, Pferd) Blut saugt, nimmt sie die Leishmanien auf. Die Erreger vermehren sich im Darm der Mücke und sammeln sich schließlich im vorderen Darmabschnitt an. Von dort können sie bei der nächsten Blutmahlzeit der Mücke in den Körper des gestochenen Tieres oder Menschen gelangen.

Im Körper des Menschen befällt Leishmania brasiliensis vorwiegend bestimmte weiße Blutkörperchen – sogenannte Fresszellen. Innerhalb dieser Zellen befinden sich die Leishmanien in einem flüssigkeitsgefüllten Hohlraum (sog. parasitophore Vakuole): Hier vermehren sie sich durch Zellteilung, bis sie die befallene Zelle regelrecht sprengen – so kommen die Parasiten frei und können weitere Zellen befallen.

Wenn ein mit Leishmania brasiliensis oder anderen Leishmanien infizierter Mensch Blut spendet, können die in den weißen Blutkörperchen angereicherten Parasiten in einer Blutkonserve noch bis zu 25 Tage ansteckend bleiben. Das bedeutet: Auch durch Bluttransfusionen (genauer: durch Erythrozyten-, Granulozyten- und Thrombozytenkonzentrate) kann sich der Mensch mit Leishmanien infizieren. Außerdem ist die Ansteckung über Blut bei der sogenannten Blutwäsche (Dialyse), bei Nadelstichverletzungen und beim Konsum von Drogen per Spritze (intravenös) möglich. In Deutschland ist das Risiko einer Ansteckung über Blut jedoch sehr gering. Von Produkten aus Blutplasma geht gar kein Ansteckungsrisiko aus. Auch die direkte Übertragung der Leishmaniose von Mensch zu Mensch gilt als unwahrscheinlich.