Escherichia coli (E. coli, Kolibakterien): Krankheiten

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (15. April 2014)

Infektionen mit dem Erreger Escherichia coli (E.-coli, Kolibakterien) entstehen zum einen außerhalb des Darms (extraintestinal), wenn Bakterien aus der eigenen Darmflora in Körperbereiche gelangen, wo sie normalerweise nicht vorkommen. Zum Beispiel können Harnwegsinfektionen (wie eine Blasenentzündung) auftreten, wenn Escherichia coli in den Harnleiter gelangt, etwa durch Schmierinfektionen bei falscher Toilettenhygiene. Ebenso kann es durch E. coli unter anderem zur

Zum anderen können Escherichia-coli-Bakterien verschiedene Infektionen im Darm selbst (intestinal) hervorrufen und zu Durchfallerkrankungen führen. Ursache für solche intestinalen Infektionen sind bestimmte E.-coli-Stämme (EPEC, EIEC, ETEC, EHEC und EAEC). Sie werden vor allem durch Schmierinfektionen oder fäkal verunreinigte Lebensmittel beziehungsweise kontaminiertes Trinkwasser übertragen. Im Unterschied zu "normalen" E.-coli-Bakterien haben diese Stämme spezielle Eigenschaften (sog. Pathogenitätsfaktoren), die zu den Krankheitsbeschwerden führen. Zu solchen Pathogenitätsfaktoren zählen zum Beispiel Giftstoffe oder Stoffe, mit denen es den Bakterien gelingt, an andere Zellen anzudocken und dort haften zu bleiben, in Zellen einzudringen oder diese zu zerstören.

E.-coli-Stämme, die zu Darmerkrankungen führenBeschreibung
EPEC (enteropathogene Escherichia coli) EPEC-Bakterien können bei Säuglingen zur sog. Säuglingsdiarrhö führen, welche vor allem in Entwicklungsländern immer noch einen großen Teil zur Säuglingssterblichkeit beiträgt. In Deutschland tritt sie selten auf. EPEC-Bakterien besitzen auf ihrer Oberfläche den "EPEC-adhesion-factor", der es ihnen ermöglicht, sich an Zellen im Darm anzuheften und Giftstoffe förmlich in die Zellen zu injizieren.
EIEC (enteroinvasive Escherichia coli) EIEC-Bakterien rufen wässrige bis blutig-schleimige Durchfälle mit begleitendem Fieber hervor. Die Bakterien können die Darmschleimhaut durchdringen und zu geschwürartige Darmentzündungen führen.
ETEC (enterotoxische Escherichia coli) ETEC-Bakterien produzieren im Darm verschiedene Giftstoffe und bewirken dadurch massive wässrige Durchfälle. Zudem tragen sie sog. Kolonisationsfaktoren (CFA), mit denen sie sich an spezielle Zellen des Dünndarms (Enterozyten) anheften können und die sie so davor schützen, durch die bei Durchfall stärkere Darmbewegung (Darmperistaltik) schnell entfernt zu werden. ETEC-Bakterien sind oft die Ursache von Reisedurchfall (Reisediarrhö).
EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli) EHEC-Bakterien führen zu wässrigen bis blutigen Durchfällen (hämorrhagische Kolitis) und vor allem bei Kleinkindern häufig zum hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), einer lebensbedrohlichen Komplikation, die mit einer Blutarmut, einer Blutgerinnungsstörung und akutem Nierenversagen einhergeht. EHEC-Bakterien geben Giftstoffe ab (sog. Shigatoxine), die zu den eigentlichen Beschwerden führen. Um sich davor zu schützen, dass sie durch die Durchfälle ausgeschieden werden, "bauen" die Bakterien die Schleimhautzellen des Darms zu ihren Zwecken um: Durch verschiedene Signalmoleküle bewirken EHEC-Bakterien, dass die Schleimhautzellen regelrechte Podeste für sie ausbilden, an denen sie sich fest verankern können.
EAEC (enteroaggregative Escherichia coli) EAEC-Bakterien führen häufig zu akuten und chronischen schleimigen Durchfällen. Über einen speziellen Mechanismus heften sich die Bakterien an die Dünndarmwand an und bewirken, dass die Schleimhaut des Darms mehr Schleim produziert. Diesen nutzen die EAEC-Bakterien, um sich zusammenzulagern und schützen sich so davor, zu schnell ausgeschieden zu werden. Sie geben gleichzeitig einen Giftstoff ab, der die Durchfälle bewirkt.