Anzeige

Anzeige

Epstein-Barr-Virus (EBV)

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (03. Mai 2017)

© iStock

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist der Erreger des pfeifferschen Drüsenfiebers (Mononukleose). Außerdem spielt das Virus eine Rolle bei der Entstehung verschiedener Krebserkrankungen.

Epstein-Barr-Viren sind weltweit verbreitet und zählen mit zu den häufigsten Viren, die beim Menschen zu Erkrankungen führen. Fast alle Menschen machen in ihrem Leben einmal eine EBV-Infektion durch, aber nicht immer treten dabei Symptome eines pfeifferschen Drüsenfiebers auf. Bei gut jedem Zweiten läuft der Infekt unbemerkt ab. Ob man bereits eine EBV-Infektion durchgemacht hat, lässt sich mit einer Blutprobe und dem Nachweis bestimmter Antikörper eindeutig feststellen.

Steckbrief Epstein-Barr-Virus

Das Epstein-Barr-Virus zählt zur Familie der Herpesviren und wird auch humanes Herpesvirus Typ 4 (HHV-4) genannt. Das Erbgut des Virus besteht aus doppelsträngiger DNA, die von einer Art Kapsel aus einer Eiweißstruktur umgeben ist: dem sogenannten Kapsid. Das Kapsid wiederum besitzt eine Hülle, die mit Oberflächenproteinen besetzt ist, die wie „Stacheln“ (sog. Spikes) nach außen ragen. Nach der Infektion verbleibt das Virus (wie andere Herpesviren) lebenslang im Körper und wird vom Immunsystem in Schach gehalten.

Man sieht eine Illustration von Epstein-Barr-Viren. © iStock

Die stachelartigen Strukturen helfen den Epstein-Barr-Viren dabei, sich an Zellen anzuheften und in sie einzudringen.

Übertragung

Epstein-Barr-Viren werden vor allem über Speichel übertragen, insbesondere beim Küssen. Aber auch Dinge, die mit infiziertem Speichel in Kontakt gekommen sind, sind eine mögliche Ansteckungsquelle. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Besteck
  • Tassen, Gläser
  • Zahnbürste
  • Kinderspielzeug

Das Epstein-Barr-Virus überlebt auf Objekten allerdings nur, solange eine ausreichende Feuchtigkeit gegeben ist. Einmal trocken geht also von Objekten, die mit Speichel Kontakt hatten, keine Ansteckungsgefahr mehr aus.

Symptome

Nach einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus können Symptome wie diese auftreten:

Zwar tritt das pfeiffersche Drüsenfieber typischerweise bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf, viele Menschen haben sich aber bereits als Kind mit dem Epstein-Barr-Virus infiziert – oft unbemerkt. Denn bei Kindern verläuft eine EBV-Infektion oft ganz ohne Symptome oder mit eher schwachen Symptomen. So kann das pfeiffersche Drüsenfieber beim Kind leicht für eine normale Erkältung gehalten werden. Bei Jugendlichen und Erwachsenen dauert es im Durchschnitt zwei bis drei Wochen, bis der Infekt von selbst abheilt. Bei jüngeren Kindern ist der Infekt meist deutlich schneller vorüber.

Behandlung

Bislang gibt es keine Behandlung, die direkt gegen das Epstein-Barr-Virus wirken. In der Regel bekommt das Immunsystem die Infektion jedoch selbst in den Griff. Um das Immunsystem beim Heilungsprozess zu fördern, ist es bei pfeifferschem Drüsenfieber sinnvoll, sich viel Ruhe zu gönnen und ausreichend zu trinken. Symptome wie Halsschmerzen oder Fieber lassen sich bei Bedarf mit rezeptfreien Medikamenten lindern, zum Beispiel mit Wirkstoffen wie Ibuprofen.

Historisches

Benannt wurde das pfeiffersche Drüsenfieber nach dem deutschen Internisten und Kinderarzt Emil Pfeiffer (1846-1921), der die Erkrankung 1889 als Erster beschrieb. Angelehnt an zwei der Hauptsymptome (geschwollene Lymphknoten und Fieber) gab er der Krankheit damals den Namen „Drüsenfieber“.

Die Virologen Anthony Epstein und Yvonne Barr entdeckten 1964 mithilfe des Elektronenmikroskops in Zellen des Burkitt-Lymphoms ein herpesähnliches Virus und vermuteten es als Ursache der Krebserkrankung.

Erst in den 1960er Jahren stellte schließlich das Forscherpaar Werner Henle (1910-1987) und Gertrude Henle (1912-2006), beide Virologen, den Zusammenhang zwischen Epstein-Barr-Virus, pfeifferschem Drüsenfieber und Burkitt-Lymphom her.

EBV als Tumorvirus

Bislang sind sieben Tumorviren (Onkoviren) bekannt, die für den Menschen eine Rolle spielen. Zu ihnen zählt auch das Epstein-Barr-Virus. Neben dem vor allem in Afrika häufigen Burkitt-Lymphom gibt es noch weitere Krebserkrankungen, die mit dem Virus in Zusammenhang stehen können, nämlich:

  • das Hodgkin-Lymphom,
  • das Nasopharynxkarzinom (sog. Schmincke-Tumor),
  • das Posttransplantationslymphom,
  • (in Einzelfällen) Magenkrebs und
  • das NK-/T-Zell-Lymphom

Weltweit gesehen sind dem Epstein-Barr-Virus pro Jahr über 100.000 bösartige Tumoren zuzurechnen. Bedenkt man, dass fast alle Menschen mit EBV infiziert sind, scheinen die Viren also eher sporadisch zu Krebs zu führen. Man geht deshalb davon aus, dass es weitere Faktoren gibt, die hierbei eine Rolle spielen.

Weitere Informationen

Linktipps:

Pfeiffersches Drüsenfieber

Quellen:

Suerbaum, S., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin Heidelberg, 2016

Hof, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

Doerr, H. W., et al.: Medizinische Virologie. Thieme, Stuttgart 2010

Stand: 3. Mai 2017

Anzeige


Anzeige