Zwölffingerdarm­geschwür (Ulcus duodeni): Ursachen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (20. Januar 2016)

Ein Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) kann unterschiedliche Ursachen haben. Grundsätzlich stellt die hohe Konzentration an Säure und Enzymen im Magensaft immer ein mögliches Risiko für die Schleimhaut von Magen und Zwölffingerdarm dar. Eine alkalische Schleimschicht, die die Magensäure neutralisiert, eine hohe Durchblutungsrate und die Produktion sogenannter Prostaglandine gehören zu den komplexen Schutzmechanismen, die eine Schädigung normalerweise verhindern.

Die Schleimhaut kann sich der Zerstörung durch den Magensaft auch widersetzen, indem sie nach der Nahrungsaufnahme im Zwölffingerdarm Sekretin bildet, ein Peptidhormon, das die Absonderung (Sekretion) des Magensafts hemmt. Jedes Ungleichgewicht zwischen den aggressiven Faktoren auf der einen und den schützenden auf der anderen Seite führt unweigerlich zu einer Schädigung und kann so die Ursache für ein Zwölffingerdarmgeschwür sein.

Hypersekretion von Magensaft

Oft entsteht ein Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) aufgrund einer übermäßigen Absonderung (Hypersekretion) von Magensaft. Magensäure im Übermaß – etwa durch eine zu starke, zu lange oder zu häufige Sekretion – zerstört die Schleimhaut. In der Nacht ist die Hypersekretion am stärksten ausgeprägt und wirkt besonders schädigend, da die Säure während der nächtlichen Nüchternperiode nicht ausreichend neutralisiert wird. Gleichzeitig zur übermäßigen Sekretion entleert sich der Magen häufig zu schnell, wodurch die Schleimhaut des Zwölffingerdarms verstärkt mit dem Magensaft in Kontakt kommt.

Helicobacter pylori

Für ein Zwölffingerdarmgeschwür kommen als Ursachen auch bestimmte Bakterien infrage: Bei 90 bis 99 Prozent aller Zwölffingerdarmgeschwüre kann man das Bakterium Helicobacter pylori nachweisen. Ein weiterer Hinweis auf den Einfluss der Bakterien bei der Ulkusentstehung ist die Tatsache, dass sich bei einem Keimnachweis in bis zu acht von zehn Fällen erneut Geschwüre (Rezidive) bilden. Bei Menschen mit Zwölffingerdarmgeschwür, bei denen sich der Keim nicht nachweisen lässt, kommt es dagegen nur in einem von zehn Fällen zu Rezidiven.

Allerdings entwickeln längst nicht alle Menschen, die mit Helicobacter pylori besiedelt sind, krankhafte Veränderungen im Magen oder Zwölffingerdarm. Wie genau diese Bakterien Geschwüre des Magens oder des Zwölffingerdarms begünstigen, ist noch nicht geklärt.

Helicobacter pylori kann im sauren Milieu des Magens überleben und siedelt sich an der Oberfläche der Magenschleimhaut an. Dort bildet das Bakterium das Enzym Urease und schafft damit ein alkalisches Milieu, das die Regulierung der Magensäureproduktion stört und darüber hinaus direkt die Schleimhaut schädigt.

Mit steigendem Lebensalter nimmt die Besiedlung des Magens mit Helicobacter pylori zu: Fast sechs von zehn über 60-Jährigen in den westlichen Ländern sind mit dem Bakterium infiziert.

Erkrankungen

Auch bestimmte Erkrankungen wie das eher seltene sogenannte Zollinger-Ellison-Syndrom und die Nebenschilddrüsen-Überfunktion (Hyperparathyreoidismus) können dazu führen, dass sich ein Zwölffingerdarmgeschwür entwickelt.

Beide Erkrankungen sind mit einer übermäßigen Absonderung (Hypersekretion) von Magensaft verbunden: Das Zollinger-Ellison-Syndrom entsteht durch einen Tumor in der Bauchspeicheldrüse, der das Hormon Gastrin bildet. Gastrin fördert die Absonderung von Magensäure. Die Nebenschilddrüsen-Überfunktion verursacht eine erhöhte Kalziumkonzentration im Blut, die ihrerseits die Ausschüttung von Gastrin und damit indirekt die Magensäuresekretion fördert.

Weitere Faktoren

Bestimmte Medikamente, wie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR, z.B. Acetylsalicylsäure) und Kortikosteroide (z.B. "Kortison"), schädigen die Schleimhaut und begünstigen so die Entstehung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus ventriculi et duodeni). Ihre Wirkung hängt allerdings stark von der Dosis und der Dauer der Einnahme ab.

Bei einem Zwölffingerdarmgeschwür können auch erbliche Faktoren eine Rolle spielen: Zwölffingerdarmgeschwüre treten in manchen Familien gehäuft auf. Wer Verwandte mit Zwölffingerdarmgeschwür hat, ist zwei- bis dreimal so häufig betroffen wie andere. Darüber hinaus bekommen häufig Menschen mit der Blutgruppe 0 ein Zwölffingerdarmgeschwür. Bei diesen Menschen fehlen bestimmte Blutgruppenantigene in Magensaft und Speichel. Diese Beobachtungen lassen auf eine erblich bedingte Neigung, die Geschwüre auszubilden, schließen. Die genauen Zusammenhänge sind allerdings noch weitgehend unbekannt.

Weitere Faktoren, in denen ein Zwölffingerdarmgeschwür seine Ursachen haben kann, sind Nikotin- und Alkoholkonsum: Nikotin steigert die nächtliche Absonderung von Magensaft und verstärkt auf diese Weise ein bereits bestehendes Ungleichgewicht zwischen Schleimhaut schädigenden und schützenden Faktoren. Die schädigende Wirkung von Alkohol auf die Schleimhaut von Magen und Zwölffingerdarm dagegen ist unabhängig von der Produktion des Magensafts. In hohen Konzentrationen wirkt Alkohol direkt auf die Zellen der Schleimhaut und verursacht Schädigungen, die Ausgangspunkt für die Bildung von Geschwüren sein können.

Auch psychische Faktoren und besondere Stressbelastungen kommen für ein Zwölffingerdarmgeschwür als Ursachen infrage. So nehmen bei erhöhtem Stress die Beschwerden bei bestehendem Ulcus duodeni zu. Menschen mit Depressionen scheinen darüber hinaus häufiger Zwölffingerdarmgeschwüre zu entwickeln.


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