Zwangsstörung: Psychologische Faktoren

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (30. Dezember 2014)

Für eine Zwangsstörung sind als Ursachen auch psychologische Faktoren bedeutend. Die teils sehr unterschiedlichen Erklärungsmodelle hierzu haben eins gemeinsam: Sie gehen davon aus, dass bei der Entstehung von Zwangssymptomen Angst eine Rolle spielt.

Aus früherer psychoanalytischer Sicht hat die Zwangsstörung ihre Ursachen in der Fixierung auf die anale Phase: Als anale Phase bezeichnet man eine Entwicklungsstufe von Kindern (etwa im zweiten oder dritten Lebensjahr). In dieser Zeit lernen Kinder, ihren Schließmuskel willentlich zu beherrschen; die Ausscheidung erleben sie als lustvoll. Gleichzeitig lernen sie, wie sie Befriedigung aufschieben und Kontrolle über triebhafte Bedürfnisse gewinnen können.

Erfahren Kinder in der Zeit nicht genug Befriedigung (z.B. wegen einer sehr strengen Sauberkeitserziehung durch die Eltern), kann es zu einer Fixierung auf der analen Entwicklungsstufe kommen: Menschen mit einer Zwangsstörung haben in dem Fall – zumindest unbewusst – auch später noch mit den unbefriedigten Bedürfnissen aus der analen Phase zu kämpfen (z.B. mit dem Wunsch, mit dem eigenen Kot zu spielen). Da sie (oder die Umgebung) die Befriedigung dieser Bedürfnisse aber nicht zulassen, treten Abwehrmechanismen auf, um diese Regungen zu unterdrücken. Auf diese Weise kann sich der eigentliche Wunsch (z.B. nach Beschmutzung) in das genaue Gegenteil (wie penible Sauberkeit) umkehren. Die Zwangssymptome dienen dabei als eine Art Ausgleich zwischen angstauslösenden Regungen und der dagegen aufkommenden Abwehr.

Spätere psychoanalytische Erklärungsmodelle zur Zwangsstörung sehen die Ursachen vor allem in Störungen in der frühen Entwicklung der Selbstständigkeit: Wenn eine strenge Erziehung kleine Kinder stark eingeschränkt, sodass sich Spontaneität und eigener Wille nicht entfalten können, entwickeln die Kinder leicht Trennungsängste und Abhängigkeitskonflikte – und haben dementsprechend ein erhöhtes Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle. Zwangssymptome können in solchen Fällen verschiedene Funktionen erfüllen. In erster Linie dienen sie auch hier der Angstbewältigung – zum Beispiel der Bewältigung starker Verlustängste.

Aus früher lerntheoretischer Sicht beruht eine Zwangsstörung auf Lernerfahrungen (z.B. Verringerung unangenehmer Empfindungen durch Rituale). Dabei geht die Lerntheorie ebenfalls davon aus, dass Zwänge und Angst miteinander zusammenhängen. Besteht etwa eine krankhafte Angst, sich zu beschmutzen oder durch das Anfassen schmutziger Gegenstände eine ansteckende Krankheit zu bekommen, bewältigen die Betroffenen diese Angst, indem sie sich die Hände waschen. Diese Handlung vermindert die Angst. Die Betroffenen wiederholen die Handlung, weil sich dadurch vermeiden lässt, dass die Angst erneut auftritt. Auf diese Weise tritt die Zwangshandlung an die Stelle der Angst.

Neuere kognitive Modelle zur Entstehung von Zwangssymptomen besagen, dass eine Zwangsstörung als Ursachen vor allem individuelle Besonderheiten in der Wahrnehmung hat (sog. kognitive Besonderheiten – z.B. irrige Überzeugungen oder die Art, wie man Informationen verarbeitet und bewertet). Danach sind sich aufdrängende Gedanken weit verbreitet und "normal" – Menschen mit einer Zwangsstörung gehen jedoch anders mit ihnen um: Manche sind zum Beispiel wegen der einschießenden Gedanken überzeugt, eine Bedrohung für andere darzustellen (z.B. weil sie befürchten, die angelassene Herdplatte könnte ein Feuer im Haus verursachen) – und führen Verhaltensweisen aus, um die befürchteten Folgen zu verhindern und so ihre Angst- und Schuldgefühle zu verringern.


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