Zwangsstörung: Zwangsimpulse

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (30. Dezember 2014)

Neben Zwangsgedanken können bei einer Zwangsstörung auch Symptome auftreten, die man als Zwangsimpulse bezeichnet: Die Betroffenen verspüren dann einen sich zwanghaft aufdrängenden, unwillkürlichen Antrieb zu einer bestimmten Handlung. Sie leben in der ständigen Angst, diese Handlung tatsächlich auszuführen – was aber meist nicht geschieht.

Wie Zwangsgedanken können auch die Zwangsimpulse bei einer Zwangsstörung unterschiedlich sein. Die Symptome sind jedoch meist sexueller oder aggressiver Natur: Typisch ist beispielsweise der Impuls, unkontrollierte sexuelle Handlungen auszuführen oder das eigene geliebte Kind zu verletzen oder zu töten. Aggressive Zwangsimpulse können auch eine gegen sich selbst gerichtete Aggression beinhalten – zum Beispiel den Impuls, von einer Brücke oder einem Hochhaus zu springen.

Bei aggressiven Inhalten ist die Angst, den Zwangsimpuls auszuführen, besonders groß.

Zwangshandlungen

Meist treten bei einer Zwangsstörung als Symptome auch Zwangshandlungen auf. Eine Zwangshandlung ist eine Handlung, die man zwanghaft gegen oder ohne seinen Willen ausführt: Obwohl die Betroffenen die Handlungen als sinnlos empfinden, fühlen sie sich gezwungen, sie immer wieder und immer auf gleiche Weise zu wiederholen.

Kommt es bei einer Zwangsstörung zu verschiedenen Zwangshandlungen, können sich diese auch zu einem umfassenden Zwangsritual zusammenfügen, das die Betroffenen dann in bestimmter Form und Häufigkeit ausführen müssen.

Meist sind Zwangsimpulse oder Zwangsbefürchtungen der Grund für zwanghaftes Verhalten – wobei es den Betroffenen vorkommt, als würden sie durch die Zwangshandlungen eine drohende Gefahr abwenden. Versuchen Menschen mit einer Zwangsstörung, eine Zwangshandlung zu unterlassen, tritt eine intensive innere Anspannung und Angst auf.

Zwangshandlungen können wie die anderen mit einer Zwangsstörung verbundenen Symptome sehr variabel ausfallen. Am häufigsten treten im Rahmen einer Zwangsstörung folgende Zwangshandlungen auf:

  • Kontrollzwänge: 60 Prozent der Menschen mit Zwangsstörung haben einen Kontrollzwang – zum Beispiel, wenn nach dem Abschließen der Haustür Zweifel aufkommen, ob die Tür auch wirklich verschlossen ist. Dies müssen die Betroffenen dann bis zu 20 oder 30 Mal kontrollieren, um ihre innere Spannung abzubauen (was allerdings meist nur kurze Zeit anhält) – obwohl sie wissen, dass die Tür bereits verschlossen ist. Oft treten Kontrollrituale zusammen mit aggressiven Zwangsgedanken auf.
  • Waschzwänge: 50 Prozent der Menschen mit einer Zwangsstörung waschen ihre Hände beziehungsweise ihren Körper übertrieben häufig – oft läuft dies in sehr ritualisierter Form ab. Solche Waschrituale sind oft verbunden mit Zwangsgedanken an Verunreinigung.
  • Zählzwänge: Bei über zwei Drittel der Zwangsstörungen ist zwanghaftes Zählen Teil der Symptome. Der Zählzwang kann dabei auch zu einem festen Handlungsritual gehören – wenn die Betroffenen zum Beispiel eine andere Zwangshandlung soundso oft ausführen müssen.
  • Zwanghaftes Fragen: Etwa ein Drittel der Menschen mit Zwangsstörung haben einen Fragezwang – wobei sie sich durch die wiederholten Fragen typischerweise ständig bei ihren Mitmenschen zum gleichen Thema rückversichern.

Daneben können bei einer Zwangsstörung als seltenere Symptome andere Zwangshandlungen – wie Berührungszwänge oder Sammelzwänge – auftreten. In jedem Fall kommt eine Zwangshandlung selten allein: Über die Hälfte aller Menschen mit einer Zwangsstörung führen im gleichen Zeitraum mehrere Zwangshandlungen wiederholt aus.


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