Wirbelsäulen­verletzung: Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (16. August 2016)

Bei einer Wirbelsäulenverletzung hängt die Therapie von der Art der vorliegenden Verletzung ab. Bei leichteren Weichteilverletzungen oder bei der Stauchung eines Wirbelkörpers ist keine Operation nötig: Hier beschränkt sich die Behandlung darauf, den Rücken durch Ruhigstellung zu schonen und die Beschwerden durch physikalische Maßnahmen (wie Wärme- oder Kälteanwendungen) zu verbessern. Auch stabile Brüche kann man konservativ (d.h. nicht-operativ) behandeln.

Sofortmaßnahmen

Vor der eigentlichen Behandlung der Wirbelsäulenverletzung stehen die Sofortmaßnahmen direkt am Unfallort – hierbei gilt:

Wenn nach einem Unfall eine Wirbelsäulenverletzung nicht sicher auszuschließen ist, ist bei allen Sofortmaßnahmen so vorzugehen, als wäre die Wirbelsäule verletzt.

In Gefahrensituationen (z.B. bei Bränden oder wenn ein Ertrinken droht) ist es allerdings unabhängig vom Ausmaß der Rückenverletzung nötig, die verletzte Person erst einmal aus der Gefahrenzone zu bergen und lebensbedrohliche Zustände zu behandeln. Die lebensnotwendigen Funktionen (Vitalfunktionen) zu sichern, ist bei den Sofortmaßnahmen zunächst vorrangig: Wenn beispielsweise ein Motorradfahrer ein Wirbelsäulentrauma hat und bewusstlos ist, muss man ihm den Helm abnehmen, um ihn (falls nötig) beatmen zu können und seine Atemwege zu sichern. Bei einer Wirbelsäulenverletzung mit Halswirbelsäulenfraktur kann es dadurch zwar zu Verschiebungen der Bruchstücke und somit zu neurologischen Ausfallerscheinungen kommen, dennoch ist der Helm immer vorsichtig zu entfernen.

Nach diesen ersten lebensrettenden Sofortmaßnahmen kümmern sich bei einer möglichen Wirbelsäulenverletzung am besten nur fachkundige Helfer um die Lagerung der verletzten Person. Dabei ist es wichtig, die Halswirbelsäule sofort durch eine starre Halskrawatte zu stabilisieren und auch anschließend keinesfalls Zug auf die Halswirbelsäule auszuüben. Der Abtransport in die Klinik erfolgt bei einem Wirbelsäulentrauma mit einem geeigneten Rettungsmittel – vorwiegend mit einem Rettungshubschrauber.

Wenn jemand mit einer Wirbelsäulenverletzung über Gefühlsstörungen oder Bewegungsunfähigkeit klagt, ist bei jeglichen Sofortmaßnahmen allerhöchste Vorsicht geboten: In solchen Fällen ist wahrscheinlich das Rückenmark bereits geschädigt. Nur eine vorsichtige Versorgung kann bei einer Rückenmarksverletzung eine vollständige Durchtrennung des Rückenmarks verhindern. Auf keinen Fall darf die verletzte Person sitzen oder aufstehen! Daher ist ihre ständige Beaufsichtigung und Betreuung unbedingt erforderlich.

Operation

Eine Wirbelsäulenverletzung macht eine stabilisierende Operation notwendig, wenn ein Bruch eines oder mehrerer Wirbel mit verschobenen Bruchkanten vorliegt: Ohne Operation könnten sich die Bruchstücke in den Rückenmarkskanal verschieben und dabei im ungünstigsten Fall das Rückenmark vollständig durchtrennen. Daher zielt die Operation darauf ab, die Wirbel so schnell wie möglich zu fixieren, um eine Verschiebung der Bruchstücke zu verhindern. Zur Stabilisierung kommen Schrauben, Nägel, Drähte oder Metallplatten zum Einsatz.

Bei einer Wirbelsäulenverletzung ist auch dann eine Operation nötig, wenn neurologische Störungen auftreten. Wurde das Rückenmark bei der Verletzung der Wirbelsäule nicht durchtrennt, bildet sich durch die verschobenen Wirbelknochen sehr häufig eine deutliche Flüssigkeitsansammlung (Ödem) im Rückenmarkskanal. Dieser Kanal kann – aufgrund der knöchernen Anteile der Wirbelkörper – dem immer stärker werdenden Druck nicht nachgeben, den das Ödem verursacht. Folglich führt das Wirbelsäulentrauma zu einer Quetschung der Nervenbahnen, die dann nicht mehr ausreichend durchblutet sind. Daher leiten die gequetschten Nerven nach kurzer Zeit keine Reize mehr weiter, was zu Lähmungserscheinungen oder Sensibilitätsverlust führt. Um die Durchblutungsstörung zu beseitigen, entfernt der Operateur einen möglicherweise vorhandenen Bluterguss (Hämatom) und erweitert den Wirbelkanal. Nach der Operation kommen abschwellende und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz, um die Schwellung zu behandeln.

Wenn bei einer Wirbelsäulenverletzung eine Rückenmarksverletzung vorliegt, ist eine Therapie immer schwierig: Eine vollständige Durchtrennung des Rückenmarks kann man durch eine Operation nicht beheben. Bei der so entstandenen Querschnittslähmung konzentriert sich die Behandlung neben der Versorgung der begleitenden Verletzungen auf unterstützende Maßnahmen.

Rehabilitation

Im Anschluss an die Therapie der Wirbelsäulenverletzung erfolgt immer eine Rehabilitation, deren Ausmaß von Fall zu Fall verschieden ist. In der Regel bestehen die Reha-Maßnahmen vor allem aus einer Physiotherapie: Wenn keine Rückenmarksverletzung besteht, sind nach einer gewissen Phase der Ruhigstellung rückenschonende Bewegungsabläufe hilfreich.

Bei einer Wirbelsäulenverletzung mit anderen Verletzungsmustern wiederum kann die Lagerung in einem sogenannten Stufenbett Teil der Rehabilitation sein. Die hierbei eingenommene Rückenlage mit im 90-Grad-Winkel hochgelagerten Beinen entspannt und entlastet die Rückenmuskulatur und die Wirbelsäule. Der Raum zwischen den einzelnen Wirbelkörpern vergrößert sich. Gezielte krankengymnastische Übungen haben sich vor allem bei Muskelverspannungen und Fehlhaltungen, die durch eine schmerzbedingte Schonhaltung entstehen, als sinnvoll erwiesen. Lockernde Massagen in Verbindung mit Wärmebehandlungen können die Reha-Maßnahmen ergänzen.

Bei einer schweren Wirbelsäulenverletzung mit Querschnittslähmung findet während der Rehabilitation eine Schulung statt, um zu vermitteln, wie man mit den neuen Lebensumständen zurechtkommt. Im Vordergrund steht hierbei die Hilfe zur Selbsthilfe mit Rollstuhltraining, Bewegungsübungen und dem Erlernen von Abläufen des täglichen Lebens mit einer Behinderung.


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