Wechseljahre: Symptome und was hilft
Die Wechseljahre sind eine Phase des Umbruchs. Welche Symptome auftreten können und welche Behandlung helfen kann, erfahren Sie hier.
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.
Die häufigsten Fragen zu den Wechseljahren
Die Wechseljahre beginnen meist um das 40. bis 45. Lebensjahr. Die ersten hormonellen Veränderungen bleiben zunächst oft unbemerkt.
Typische erste Anzeichen sind unregelmäßige Monatsblutungen, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen. Danach folgen meist Hitzewallungen und Nachtschweiß. Die letzte Periode (Menopause) gilt rückwirkend als bestätigt, wenn danach zwölf Monate lang keine Regelblutung mehr aufgetreten ist.
Ja. Während der hormonellen Umstellung können Stimmungsschwankungen, Dünnhäutigkeit, Reizbarkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme oder depressive Verstimmungen auftreten. Diese Beschwerden sind häufig vorübergehend.
Ja, die Fruchtbarkeit bleibt bis zur letzten Periode bestehen. Zudem steigt das Risiko für Mehrlinge mit zunehmendem Alter. Frauen, die kein Kind mehr möchten, sollten deshalb unbedingt verhüten.
Was sind die Wechseljahre?
Die Wechseljahre (medizinisch Klimakterium) sind eine natürliche Lebensphase. In dieser Zeit stellt sich der Hormonhaushalt um: Die Eierstöcke produzieren nach und nach weniger Östrogen und Progesteron. Die Wechseljahre beginnen meist zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr. Die letzte Monatsblutung erleben Frauen in Deutschland durchschnittlich mit 51 Jahren. Dieser Zeitpunkt ist aber individuell und kann auch deutlich früher oder später stattfinden.
Die Wechseljahre verlaufen in mehreren Phasen:
- Prämenopause: Die erste Phase der Wechseljahre, in der der Körper mit der Umstellung der Hormone beginnt. Meist tritt sie im Alter von Anfang 40 ein.
Perimenopause: Die Übergangsphase um die Menopause: Sie beginnt einige Jahre vor der letzten Regelblutung und endet etwa 12 Monate danach. In dieser Phase treten vielerlei körperliche Veränderungen und Symptome auf.
Menopause: Die letzte Monatsblutung. Sie lässt sich erst rückblickend feststellen, wenn zwölf Monate lang keine Blutung mehr aufgetreten ist. Im Durchschnitt tritt sie in Deutschland bei Frauen mit 51 Jahren ein, aber auch deutlich früher oder später ist möglich.
Postmenopause: Die Zeit nach der Menopause, in der sich der Körper an den neuen Hormonspiegel anpasst.
Die gesamte hormonelle Umstellung kann bis zu zehn Jahre dauern.
Vorzeitige Wechseljahre
Von vorzeitigen Wechseljahren wird in der Medizin gesprochen, wenn die letzte Periode einer Frau vor dem 40. Lebensjahr stattgefunden hat. Häufige Ursachen hierfür sind:
- Entfernung der Eierstöcke
- Chemo- oder Strahlentherapie
- Autoimmunerkrankungen
- genetische Faktoren
Wechseljahre: Welche Symptome sind typisch?
Beschwerden entstehen in den Wechseljahren vor allem durch den sinkenden Östrogenspiegel. Wie stark die Symptome ausfallen, ist individuell sehr unterschiedlich. Zu den bekanntesten Symptomen zählen:
- Hitzewallungen und Schweißausbrüche/vasomatorische Symptome: Hitzewallungen zählen zu den häufigsten Beschwerden der Wechseljahre. Dabei steigt die Körpertemperatur plötzlich an. Häufig kommt es zu starkem Schwitzen und einem Wärmegefühl im Gesicht, am Hals oder am Oberkörper. Viele Frauen erleben diese Beschwerden mehrmals täglich oder nachts als Nachtschweiß. Nächtliche Hitzewallungen können den Schlaf erheblich stören.
- Schlafstörungen: Viele Frauen schlafen während der Wechseljahre schlechter. Ein- und Durchschlafprobleme treten häufig auf, besonders wenn nächtliche Schweißausbrüche dazukommen. Schlafmangel kann wiederum andere Beschwerden verstärken, etwa Müdigkeit, Reizbarkeit oder Konzentrationsprobleme.
- Zyklusveränderungen: In den Jahren vor der Menopause verändert sich der Zyklus häufig deutlich. Die Regelblutung kann unregelmäßig werden, stärker oder schwächer ausfallen oder länger ausbleiben.
- Stimmungsschwankungen: Auch die Psyche kann von den hormonellen Veränderungen beeinflusst werden. Manche Frauen berichten über Reizbarkeit, Nervosität, Dünnhäutigkeit (plötzliches Weinen aus banalen Gründen) oder depressive Verstimmungen. Zusätzlich können Konzentrationsprobleme oder ein Gefühl mentaler Erschöpfung auftreten.
- Urogenitales Menopausensyndrom: Der sinkende Östrogenspiegel verändert die Schleimhaut im Intimbereich. Die Scheide wird trockener und empfindlicher. Dadurch können verschiedene Beschwerden entstehen, wie:
Neben den typischen Symptomen können viele andere Beschwerden durch die Hormonumstellung auftreten, etwa:
- Gelenk- oder Muskelschmerzen
- Gewichtszunahme, vor allem am Bauch (vom "Birnentyp" zum "Apfeltyp")
- Veränderungen von Haut und Haaren
- Haarausfall
- Brain Fog
- Herzrasen
- Gelenkschmerzen im ganzen Körper
- Verdauungsprobleme, oft Verstopfung
Was hilft gegen Beschwerden in den Wechseljahren?
Eine Behandlung ist in den Wechseljahren nur notwendig, wenn die Lebensqualität durch die Beschwerden beeinträchtigt wird. Dennoch sollte ab Mitte 40 bei auftretenden Beschwerden immer auch an die Wechseljahre gedacht werden, da eine gezielte Behandlung möglich ist. Wenn Beschwerden die Lebensqualität stark beeinträchtigen, stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Hormontherapie
Die wirksamste Behandlung gegen starke Wechseljahrsbeschwerden ist eine Hormonersatztherapie (HET). Dabei werden meistens die fehlenden Hormone Östrogen und Gestagen (Progesteron) ersetzt. Bei Frauen ohne Gebärmutter reicht der Einsatz von Östrogenen. Eine Hormontherapie kann unter anderem helfen bei:
- Hitzewallungen
- nächtlichen Schweißausbrüchen
- Schlafstörungen
- Beschwerden im Intimbereich
Hormonpräparate gibt es beispielsweise in Form von Tabletten, Pflaster, Gel oder Spray. Eine Hormonersatztherapie hat zusätzlich eine präventive Wirkung auf die Gefäße und das Herz. Je früher sie begonnen wird, desto mehr profitieren Frauen davon.
Da eine Hormontherapie auch Risiken haben kann, etwa für Blutgerinnsel oder bestimmte Krebsarten, sollte sie individuell mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt abgewogen werden. Nicht alle Frauen können mit Hormonen behandelt werden. Kontraindikationen sind beispielsweise hormonrezeptorpositiver Brustkrebs, Thrombosen oder Herzinfarkt in der Vorgeschichte.
Für Frauen, die keine Hormonersatztherapie einnehmen können oder wollen, stehen bei starken vasomotorischen Symptomen alternativ folgende Medikamente und Methoden zur Verfügung:
- Gabapentin (Antiepileptikum)
- Cloridin (Mittel gegen Bluthochdruck)
- SSRI (Antidepressivum)
- SNRI(Antidepressivum)
- Akupunktur
Pflanzliche Behandlung
Es gibt einige pflanzliche Präparate für die Wechseljahre, deren Wirkung unterschiedlich gut belegt ist. Bei leichten Beschwerden können diese manchmal ausreichen. Zu den Wirkstoffen gehören unter anderem:
- Mönchspfeffer (lateinisch: Vitex agnus castus) bei Brustspannen, Zyklusstörungen und PMS
- Traubensilberkerzenextrakt (lateinisch: Cimicifuga racemosa) bei Hitzewallungen
- Phytoöstrogene wie Soja, Rhabarberwurzel, Rotklee, Weizenkeime bei moderaten Hitzewallungen
- Salbei (soll bei Schweißausbrüchen helfen)
- Lavendel zur Beruhigung und für besseren Schlaf
Auch die Einnahme von pflanzlichen Mitteln in den Wechseljahren sollte ärztlich abgesprochen werden. Pflanzliche Präparate können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben und sind nicht automatisch nebenwirkungsfrei.
Nicht-hormonelle Maßnahmen
Auch verschiedene Maßnahmen in Bezug auf den Lebensstil können Symptome lindern. Dazu zählen zum Beispiel:
- Achtsamkeitsübungen
- kognitive Verhaltenstherapie
- regelmäßige körperliche Bewegung
- eine ausgewogene Ernährung
- ausreichend Schlaf
- Stressreduktion
- Verzicht auf Alkohol und Nikotin
- Yoga oder Qigong
- Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Meditation
Durch die Veränderungen des Hormonspiegels wird auch Muskelmasse abgebaut. Um dem entgegenzuwirken, empfehlen sich eine erhöhte Proteinzufuhr und Krafttraining.
Dauer und langfristige Folgen der Wechseljahre
Die hormonelle Umstellung beginnt meist einige Jahre vor der Menopause und kann insgesamt etwa fünf bis zehn Jahre dauern.
Die meisten Beschwerden treten in der Zeit um die Menopause herum auf. Bei vielen Frauen lassen Hitzewallungen und andere Symptome nach einigen Jahren wieder nach.
Der Hormonspiegel verändert sich jedoch dauerhaft, sodass die Wechseljahre langfristig mehrere Organsysteme beeinflussen. Die Ursache hierfür ist der sinkende Östrogenspiegel, da Östrogen viele positive Wirkungen auf den Körper hat. Fehlt es, steigt unter anderem das Risiko für verschiedene Erkrankungen:
- Knochenschwund (Osteoporose)
- Herz-Kreislauf-Risiko
- erhöhte Blutfettwerte
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Adipositas durch Gewichtszunahme
- Gelenkverschleiß (Arthrose)
- Diabetes mellitus Typ 1
- chronische Schmerzen
- Sarkopenie (Muskelschwund)
- Demenz
Da die meisten Frauen nach den Wechseljahren noch ein Drittel ihres Lebens vor sich haben, ist es wichtig, diese Punkte im Blick zu haben und gegebenenfalls frühzeitig zu behandeln.
Diagnostik in den Wechseljahren
Frauen mit Beschwerden, die durch die Wechseljahre ausgelöst sein könnten, sollten sich an ihre gynäkologische Praxis wenden. Meist werden sie aufgrund der typischen Symptome im passenden Alter (40 bis 45 Jahre) festgestellt. Es sollte aber auch geschaut werden, ob nicht andere Erkrankungen dahinterstecken können.
Zusätzlich kann der Hormonspiegel bestimmt werden. Meist ist dies aber nicht notwendig. Zudem schwanken die Hormone im Tagesverlauf, sodass eine Bestimmung im Blut immer nur eine Momentaufnahme ist. Außerdem ist bei unregelmäßigen Zyklen unklar, in welcher Zyklusphase sich die Frau befindet. Folgende Hormone werden bestimmt:
- FSH (follikelstimulierendes Hormon)
- LH (luteinisierendes Hormon)
- Östradiol
- Progesteron
Die Kosten für dien Hormonstatus werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen und müssen als Individuelle Gesundheits-Leistung (IGeL) selbst getragen werden.
Viele Frauen wünschen sich eine Hormonbestimmung, um rauszufinden, ob sie in den Wechseljahren sind, auch wenn das keine Gewissheit bringt. Aussagekräftig ist die Hormonbestimmung erst nach der Menopause, also dann, wenn bereits klar ist, dass sich der Körper in den Wechseljahren befindet.