Wechseljahre (Klimakterium): Therapie

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (19. Januar 2017)

Die Wechseljahre (Klimakterium) machen oft keine Therapie erforderlich: Etwa ein Drittel der Frauen hat gar keine Wechseljahresbeschwerden, ein weiteres Drittel verspürt nur leichte Beschwerden ohne Notwendigkeit einer Behandlung.

Allgemein empfiehlt es sich für Frauen während der Wechseljahre, ausreichend Sport zu treiben und auf eine bewusste, calciumhaltige und Vitamin-D-reiche Ernährung zu achten.

Wenn Sie während der Wechseljahre nur leichte Hitzewallungen und Schweißausbrüche haben, kann ein veränderter Lebensstil womöglich schon zur Behandlung ausreichen. So können Sie Hitzewallungen verringern durch:

  • Normalgewicht: Da Übergewicht mit häufigeren Hitzewallungen verbunden ist, ist ein Body-Mass-Index von höchstens 25 erstrebenswert.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität: Auch wer sich regelmäßig bewegt, kann Hitzewallungen verringern.
  • Entspannungsübungen: Im entspannten Zustand sind Hitzewallungen während der Wechseljahre sowohl seltener als auch leichter ausgeprägt.
  • Niedrige Umgebungstemperaturen: In überheizten Räumen sind Hitzewallungen um vieles unangenehmer als an der frischen Luft.

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Manche Frauen bekommen leichte Wechseljahresbeschwerden schon in den Griff, indem sie ihren Lebensstil verändern und sich unter anderem regelmäßig bewegen.

Etwa ein Drittel der Frauen haben jedoch so starke Wechseljahresbeschwerden, dass sie sich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen. Dann ist während der Wechseljahre eine weitgehendere Therapie sinnvoll. Da der im Klimakterium herrschende Hormonmangel für die Beschwerden verantwortlich ist, bietet sich häufig eine sogenannte Hormontherapie an.

Für eine Hormontherapie (etwas missverständlich auch als Hormonersatztherapie bezeichnet) im Rahmen der Wechseljahre stehen verschiedene Östrogen- und Gestagen-Einzelpräparate sowie Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparate und zur Verfügung. Das Ziel der Behandlung besteht nicht darin, die vor dem Klimakterium bestehenden Verhältnisse wiederherzustellen, sondern vor allem darin,

Welches Hormonpräparat für Sie geeignet ist, hängt davon ab, ob Sie Ihre Gebärmutter noch haben oder sich einer Hysterektomie (Gebärmutterentfernung) unterzogen haben, in welcher Phase der Wechseljahre Ihre Beschwerden auftreten und wie stark Ihre Wechseljahresbeschwerden sind.

Vor allem gegen sogenannte vegetative Beschwerden der Wechseljahre – wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche – wirkt die Hormontherapie gut. Auch dem Gewebeschwund im Bereich der Geschlechtsorgane, der sich durch eine trockene Scheide oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr äußert, können Hormonpräparate entgegenwirken. Eine langfristige Hormontherapie ist außerdem mit einem geringeren Darmkrebs- und Diabetes-Risiko verbunden und beugt einer Osteoporose vor: Sie mindert im Klimakterium den Verlust von Knochenmasse und somit das Risiko für Knochenbrüche.

Die Hormonbehandlung birgt jedoch auch bestimmte Risiken: So kann eine Hormontherapie während der Wechseljahre – je nach eingesetztem Präparat – beispielsweise das Risiko für Brustkrebs und Schlaganfälle leicht erhöhen. Des Weiteren steigt bei einer spät einsetzenden Hormontherapie das Risiko für einen Herzinfarkt. Ein frühzeitiger Behandlungsbeginn (bei Frauen unter 60 Jahren) kann das Herzinfarktrisiko jedoch teilweise senken.

Wenn Sie eine Hormontherapie in Erwägung ziehen, sollte diese darum idealerweise mit Einsetzen der Wechseljahre beginnen.

Im Rahmen einer Hormontherapie während der Wechseljahre können verschiedene Nebenwirkungen auftreten, wie zum Beispiel:

Nutzen und Risiken der Hormontherapie sind daher für jede Frau individuell abzuwägen und regelmäßig zu überprüfen. Allgemein gilt es als empfehlenswert, starke Beschwerden während der Wechseljahre nur über eine begrenzte Dauer (etwa 3–5 Jahre) mit Hormonen zu behandeln und dann zu versuchen, diese langsam (z.B. mit Verringerung der Dosis über 2–3 Monate) abzusetzen.

Neben der Hormontherapie kommen auch pflanzliche Wirkstoffe mit hormonähnlicher Wirkung (sog. Phytohormone, z.B. aus der  Traubensilberkerze oder aus der Rhabarberwurzel) bei Beschwerden der Wechseljahre zum Einsatz. Nach bisherigem wissenschaftlichen Kenntnisstand sind Phytohormone jedoch – ebenso wie andere pflanzliche und nicht-hormonelle Behandlungen – kein Ersatz für die Hormontherapie: Pflanzliche Präparate zeigen teils nur geringe, teils gar keine Wirkung gegen Wechseljahresbeschwerden. Ob diese Mittel im Einzelfall wirken, lässt sich nicht vorhersagen. Bei Frauen mit starken Wechseljahrsbeschwerden sind pflanzliche Mittel nicht zu empfehlen.

Kommt es während der Wechseljahre wiederholt zu schweren, belastenden Unregelmäßigkeiten bei der Regelblutung, kann es nötig sein, die Gebärmutter in einer Operation zu entfernen (Hysterektomie).

Wann keine Hormontherapie?

Beschwerden während der Wechseljahre mit Hormonen zu behandeln, ist nur in bestimmten Fällen nötig und sinnvoll. Wer keine Wechseljahrsbeschwerden hat, benötigt in aller Regel keine Therapie. Außerdem kommt unter bestimmten gesundheitlichen Voraussetzungen auch trotz stärkerer Wechseljahrsbeschwerden keine Hormontherapie infrage, zum Beispiel bei:

Wann ist eine Hormontherapie notwendig?

Östrogene können – sowohl während als auch außerhalb der Wechseljahre – zur Therapie unverzichtbar sein. Eine solche Hormontherapie ist zum Beispiel in folgenden Fällen notwendig:

  • bei sehr starken Wechseljahresbeschwerden,
  • wenn die Wechseljahre verfrüht, also vor dem 40. Lebensjahr einsetzen (sog. Klimakterium praecox),
  • wenn die Eierstöcke operativ entfernt werden,
  • wenn die Eierstöcke nur noch ungenügend funktionieren (frühzeitige Ovarialinsuffizienz).

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