Wachstumshormonmangel: Diagnose beim Arzt

Veröffentlicht von: Till von Bracht (04. April 2016)

Laut Definition gilt ein Kind als kleinwüchsig, wenn es kleiner als 97 Prozent seiner Altersgenossen ist (unter der unteren Perzentile). Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass eine krankhafte Wachsstumstörung vorliegt. Eine Wachstumsstörung kann viele Ursachen haben – ein Wachstumshormonmangel ist nur eine davon. 

Um herauszufinden, ob ein Wachstumshormonmangel vorliegt oder nicht, sind

  • körperliche und auxologische (das Körperwachstum betreffende) Untersuchungen
  • sowie radiologische und biochemische Tests notwendig. 

Zuerst misst der Arzt zuerst die genaue Körperlänge des Kindes und trägt den Wert in eine Längenwachstumskurve ein. Anschließend vergleicht er anhand dieser Kurve die individuelle Größe des Kindes mit dem Altersdurchschnitt.

Die Wachstumskurven in Perzentilen bei Jungen.

Ob ein Kind „normal“ wächst, beurteilt der Arzt nach der aktuellen Wachstumskurve, die sich in drei sogenannte Perzentile aufteilt: Als kleinwüchsig gelten Menschen, wenn sie kleiner sind als 97 Prozent ihrer Altersgenossen sind (unter P3). (Quelle: Wikimedia Commons, By ADSLLC (Own work), CC BY-SA 3.0)

Bei einem Wachstumshormonmangel ist die Größe typischerweise weit unter einem gewissen Durchschnittswert für Kinder des jeweiligen Alters. Andererseits liegt nicht automatisch ein Wachstumshormonmangel vor, wenn das Kind außergewöhnlich klein ist – auch die Wachstumsgeschwindigkeit und die Größe der Eltern spielen eine Rolle.

Um den Entwicklungsstand des Kindes besser beurteilen zu können, fragt der Arzt die Eltern, wie sich das Kind bisher körperlich entwickelt hat. Auch das Essverhalten, Vorerkrankungen und weitere Beschwerden sind wichtig, damit der Arzt bei Verdacht auf einen Wachstumshormonmangel die Diagnose stellen kann.

Um etwas über die genetische Voraussetzung des kindlichen Wachstums zu erfahren, fragt der Arzt auch nach der körperlichen Entwicklung der Eltern, zum Beispiel:

  • Wie groß sind die Eltern?
  • Wie groß und wie schwer waren sie als Kinder?
  • Wann kamen sie jeweils in die Pubertät?
  • In welchem Alter hatten die Elternteile jeweils ihr Wachstum abgeschlossen?

Durch eine umfassende körperliche Untersuchung und Befragung sammelt der Arzt bereits wichtige Hinweise auf die mögliche Ursache für die Wachstumsstörung.

Radiologische Untersuchungen

Eine Röntgenaufnahme der Hand gibt Hinweise auf den Entwicklungsstand der Knochen und welches Maß an Wachstum noch zu erwarten ist.

In Einzelfällen kann es vorkommen, dass der Arzt eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Hypothalamus-Hypophysen-Region anfertigen lässt. Anhand der MRT-Aufnahmen kann der Arzt erkennen, ob eventuell eine Unterentwicklung der Hypophyse oder Gehirntumoren vorliegen.

Messung des Bindungsproteins

Wenn die ersten Untersuchungen den Verdacht auf einen Wachstumshormonmangel ergeben, untersucht der Arzt die Konzentration von bestimmten Eiweißen (IGF-1, IGF-Bindungsprotein-3) im Blut. Das Wachstumshormon regt die Freisetzung dieser Eiweiße im Körper an – daher liefert die Konzentration dieser Proteine im Blut Rückschlüsse darauf, ob die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) regelmäßig Wachstumshormone ausschüttet.

Allerdings können auch andere Erkrankungen die Konzentration von IGF-1 und IGFBP-3 mit Blut vermindern – zum Beispiel 

Da die Hypophyse das Hormon nur stoßweise ans Blut abgibt, unterliegt die Hormon-Konzentration im Blut außerdem starken Schwankungen. Eine einmalige Messung des Wachstumshormons hat daher wenig Aussagekraft. Besser geeignet ist der sogenannte Stimulationstest.

GHRH-Stimulationstest

Beim GHRH-Test spritzt der Arzt dem Betroffenen eine Substanz (in der Regel das Hormon GHRH und die Aminosäure Arginin), die die Hirnanhangsdrüse anregt, Wachstumshormone auszuschütten. Dieser Anstieg des Hormonspiegels ist dann im Blut messbar. Liegt ein Wachstumshormonmangel mit einer Störung des Hypothalamus vor, bleibt der Anstieg des Hormonspiegels aus.

Dieser Test ist sehr aufwändig und muss stationär im Krankenhaus durchgeführt werden. Ein Wachstumshormonmangel gilt erst dann als erwiesen, wenn zwei unabhängig voneinander durchgeführte Stimulationstests zum gleichen Ergebnis kommen.


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