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Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox): Medikamentöse Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (28. Mai 2014)

Erbringen Psychotherapie und manuelle Techniken bei vorzeitigem Samenerguss keinen ausreichende Erfolg, kann eine medikamentöse Therapie sinnvoll sein.

Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wirken auf Botenstoffe im Gehirn ein. Ärzte setzen sie vor allem zur Behandlung von Depressionen ein, sie können aber auch den Ejakulationsreflex und somit den Zeitpunkt des Samenergusses verzögern. Zu den Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, die den gewünschten Effekt erzielen, gehören die sogenannten langwirksamen SSRIs Fluoxetin, Sertralin und Paroxetin sowie das kurzwirksame Dapoxetin.

Diese Wirkstoffe sind jedoch – mit Ausnahme von Dapoxetin – nicht ausdrücklich für die Behandlung des vorzeitigen Samenergusses vorgesehen. Wegen ihrer Wirksamkeit kommen sie aber trotzdem manchmal zum Einsatz (d. h., sie werden "off label" verwendet). Die langwirksamen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer muss der Betroffene darüber hinaus über einen längeren Zeitraum täglich einnehmen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Seit Mitte 2009 ist mit Dapoxetin ein Wirkstoff auf dem Markt, der speziell für die Therapie des vorzeitigen Samenergusses zugelassen ist und eine Ejakulation verzögern kann. Dapoxetin sollten Betroffene in der Regel nur bei Bedarf einnehmen, und zwar etwa ein bis drei Stunden vor der sexuellen Aktivität. Der Wirkstoff Dapoxetin wirkt schnell und wird zeitnah aus dem Kreislauf wieder ausgeschieden. Dapoxetin ist verschreibungspflichtig und sollte nicht öfter als einmal täglich eingenommen werden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht.

Sogenannte Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer) sind vornehmlich zur Behandlung einer erektilen Dysfunktion vorgesehen. Der Wirkstoff Sildenafil kann aber auch zusätzlich die Ejakulation verzögern.

Auch spezielle Cremes und Gele, die ein örtliches Betäubungsmittel enthalten (Lokalanästhetikum) kommen bei vorzeitigem Samenerguss manchmal zum Einsatz. Der Mann trägt dazu das Mittel vor dem Geschlechtsverkehr auf die Eichel auf, die dadurch unempfindlicher wird. Allerdings können diese Mittel nicht nur eine Ejakulation verzögern, sondern gleichzeitig auch die Erregbarkeit der Partnerin herabsetzen. Daher empfiehlt es sich im Zusammenhang mit diesen Mitteln Kondome zu verwenden.

Eine Behandlung mit Medikamenten kann den Samenerguss zwar hinauszögern, die Ursache der vorzeitigen Ejakulation lässt sich durch Arzneimittel jedoch nicht beheben. Die Therapie lindert in diesem Fall die Beschwerden(sog. symptomatische Therapie).

Bei der angeborenen Form des vorzeitigen Samenergusses setzen die Medikamente am Ursprungsort der Sexualstörung – direkt im Nervenstoffwechsel – ein und wirken somit der körperlichen Ursache entgegen.






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