Verstopfung (Obstipation)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (07. Dezember 2017)

© Jupiterimages/Hemera

Verstopfung (Obstipation) ist für viele Menschen ein heikles Thema: Nur wenige sprechen offen über ihre Verdauung – erst recht nicht, wenn sie Verdauungsprobleme haben.

Dabei zählt die Verstopfung zu den häufigsten Beschwerden im Magen-Darm-Bereich: In Deutschland ist im Schnitt etwa jeder Zehnte von einer anhaltenden Verstopfung – der sogenannten chronischen Obstipation – betroffen.

Eine Verstopfung kann die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Allerdings muss nicht unbedingt eine behandlungsbedürftige Obstipation dahinterstecken, wenn die Stuhlentleerung mal ein paar Tage nicht klappt.

Was ist eine Verstopfung (Obstipation)?

In erster Linie beschreibt der Begriff Verstopfung den subjektiven Eindruck, den Darminhalt ...

  • nicht in entsprechender Häufigkeit,
  • nicht in ausreichender Menge,
  • nicht in der notwendigen Konsistenz
  • oder nur unter Beschwerden

ausscheiden zu können.

Doch wie viele Stuhlgänge sind normal und ab wann spricht man tatsächlich von einer Verstopfung?

Die Häufigkeit des Stuhlgangs variiert von Mensch zu Mensch und hängt von vielen Faktoren ab. Alles zwischen dreimal pro Tag bis dreimal wöchentlich gilt als normal.

Eine Faustregel lautet: Weniger als drei Stuhlgänge pro Woche deuten auf eine Verstopfung hin.

Ganz so einfach ist es jedoch nicht, eine Verstopfung zu definieren: Die genannte Faustregel trifft nur auf ein Viertel der Menschen zu, die sich selbst als "verstopft" bezeichnen:

  • So haben beispielsweise viele Menschen regelmäßig Stuhlgang, können ihren Darm aber nur durch starkes und teils schmerzhaftes Pressen entleeren.
  • Andere haben einen sehr harten Stuhl oder das Gefühl, sie müssten die Finger zur Hilfe nehmen, um den Stuhl zu entleeren.

Verstopfung beim Baby

Für eine Verstopfung bei Kindern gelten andere Faustregeln: Wenn zum Beispiel ein Baby, das noch voll gestillt wird, drei bis vier Tage lang keinen Stuhlgang hat, so ist das nicht weiter ungewöhnlich.

Für die Verdauung bei Säuglingen gilt: Fünfmal am Tag oder einmal alle fünf Tage (und manchmal darüber hinaus) ist normal. Außerdem kann der Stuhl nach der Umstellung auf Breinahrung fester sein und gleichzeitig die Stuhlentleerung seltener stattfinden.

Anzeichen für eine Verstopfung bei Kleinkindern:

  • sehr seltener (einmal wöchentlich),
  • harter und
  • trockener
Stuhlgang.

Häufigkeit

In Deutschland gehört die Verstopfung zu den häufigsten Gesundheitsstörungen: Etwa 5 bis 15 Prozent der Bevölkerung haben eine Obstipation. Dabei sind Frauen bis zu doppelt so oft betroffen wie Männe: Eine Verstopfung in der Schwangerschaft ist nicht selten, und auch in der Stillzeit oder in den Wechseljahren entstehen aufgrund des veränderten Hormonhaushalts häufig Verdauungsprobleme – entscheidend sind hier die weiblichen Hormone Progesteron und Gestagen.

Zwar können Menschen aller Altersklassen eine Verstopfung bekommen. Die Häufigkeit der Obstipation nimmt aber mit steigendem Alter zu, sodass ältere Menschen (v.a. ab dem 65. Lebensjahr) deutlich häufiger betroffen sind als jüngere. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass sie sich oft weniger bewegen und häufiger Medikamente (z.B. Opiate) einnehmen, die eine Verstopfung verursachen können.

Verstopfung (Obstipation): Symptome

Eine Verstopfung kann unterschiedliche Symptome verursachen, die von Mensch zu Mensch variieren.Typisch ist jedoch ein dauerhaft harter Stuhl, der sich in vielen Fällen nur durch starkes und unter Umständen schmerzhaftes Pressen entleeren lässt. Außerdem nimmt meist die  Häufigkeit des Stuhlgangs ab (weniger als drei Mal pro Woche).

Darüber hinaus berichten viele Betroffene über ein permanentes Völlegefühl. Andere haben das Gefühl, der Enddarm sei blockiert, und sind häufig unfähig, den Stuhl zu entleeren. Im äußersten Fall müssen sie die Finger zur Hilfe nehmen, um sich entleeren zu können.

Auch Bauchschmerzen und Blähungen können mit einer Obstipation einhergehen.

Was kann bei einer Verstopfung passieren?

Viele Menschen mit chronischer Verstopfung fühlen sich in ihrer Lebensqualität (teilweise sehr stark) beeinträchtigt. Eine Verstopfung ist jedoch nicht zwangsläufig gesundheitlich problematisch.

Wer unter einer Verstopfung leidet, ist dennoch oft beunruhigt: Schadet die längere Verweildauer des Stuhls meinem Körper? Kann das den Körper vielleicht sogar vergiften? Die Sorge ist jedoch unbegründet! Wenn der Stuhl zu lange im Körper bleibt, bilden sich keine gefährlichen Giftstoffe.

Vorsicht ist geboten, wenn zusätzlich zur Obstipation folgende Symptome auftreten:

Gehen Sie mit solchen Beschwerden sofort zum Arzt.

Der Extremfall einer Verstopfung ist der Darmverschluss (Ileus): Hier ist der Transport des Stuhls vollständig blockiert.

Verstopfung (Obstipation): Ursachen

Häufigste Ursache für eine Verstopfung ist eine der folgenden Darm-Funktionsstörungen:

  1. Die Bewegung des Dickdarms ist stark verlangsamt. Der Dickdarm ist träge und benötigt mehr als doppelt so viel Zeit, um den Stuhl in Richtung Enddarm zu schleusen. Aus dem Dünndarm nachrückende Verdauungsprodukte stauen sich so im Dickdarm. Dort wird dem Stuhl durch das längere Verweilen außerdem mehr Flüssigkeit entzogen. Der Stuhl wird dadurch fest und hart.
  2. Der Dickdarm arbeitet weitgehend normal. Allerdings ist der Enddarm blockiert, sodass die Betroffenen den Stuhl nicht oder nur mit Mühe entleeren können. In diesem Fall liegt eine sogenannte Entleerungsstörung vor.

Beide Störungen der Darmtätigkeit können funktionell sein (sog. funktionelle Obstipation). Das bedeutet, dass für die Verstopfung keine organischen Ursachen zu finden sind.

Verstopfung durch falsche Ernährung?

Häufig werden folgende Ursachen für eine Verstopfung genannt:

Dass dies die direkten Ursachen für eine Obstipation sind, ist bisher allerdings nicht belegt. Denn nicht jeder sich falsch ernährende Bewegungsmuffel hat Probleme bei der Stuhlentleerung. Und umgekehrt führt nicht bei jedem Menschen mit Verstopfung eine umgestellte Ernährung zu einer Besserung – lediglich bei leichten Verstopfungsbeschwerden können ballaststoffreiche Lebensmittel wie Obst und Gemüse helfen.

Wahrscheinlicher ist, dass manche Menschen eine Neigung zur Obstipation haben und bei ihnen ein ungesunder Lebensstil schneller Verdauungsprobleme auslösen kann als bei Personen, die sich gesund ernähren und viel bewegen.

Darmerkrankungen

Manchmal liegen einer Verstopfung Darmerkrankungen zugrunde. So ist die Obstipation ein häufiges Symptom für das Reizdarmsyndrom. Auch entzündliche Darmerkrankungen wie entzündete Darmdivertikel (Divertikulitis) oder Morbus Crohn können eine Verstopfung auslösen.

In seltenen Fällen haben Verdauungsprobleme bis hin zur Verstopfung folgende Ursachen:

Darüber hinaus können Analerkrankungen wie

die regelmäßige Stuhlentleerung der Betroffenen erschweren.

Nervenerkrankungen und Muskelerkrankungen

Eine Verstopfung kann auch durch eine Erkrankung entstehen, die auf den ersten Blick nichts mit dem Dickdarm zu tun hat. So verlangsamen Nervenerkrankungen wie Parkinson oder multipler Sklerose die Verdauung. Auch Muskelerkrankungen wie beispielsweise Muskeldystrophie oder Myasthenia gravis können mit Verstopfung einhergehen.

Hormonhaushalt

Auch Veränderungen im Hormonhaushalt können eine Obstipation verursachen: In Schwangerschaft und Stillzeit oder während der Wechseljahre ist eine Verstopfung nicht selten. Manche Frauen haben auch in bestimmten Zyklusphasen verstärkt Verdauungsprobleme.

Frauen haben daher zwei- bis dreimal öfter Verstopfung als Männer.

Daneben kommen für eine Verstopfung andere Störungen im Hormonhaushalt infrage: Wenn beispielsweise das Hormonsystem infolge von Diabetes mellitus oder einer Schilddrüsenunterfunktion gestört ist, kann das die Dickdarmaktivität beeinflussen und Verdauungsprobleme bis hin zur Obstipation auslösen.

Nebenwirkungen bestimmter Medikamente

Für eine Verstopfung können auch bestimmte Medikamente verantwortlich sein. Neben der gewünschten Wirkung zeigen viele Medikamente unerwünschte Nebenwirkungen, zu denen häufig auch die Verstopfung zählt – dazu gehören:

Verstopfung (Obstipation): Diagnose

Um herauszufinden, ob eine Verstopfung vorliegt, wird der Arzt zunächst eine gründliche Anamnese vornehmen, also gezielt Fragen zu Lebensstil und Vorerkrankungen stellen. Eventuell ist es nötig, Blut- und Stuhlproben zu nehmen.

  • Bei der Anamnese erkundigt sich der Arzt gezielt nach den vorliegenden Beschwerden und Lebensumständen – etwa nach der Dauer der Verstopfung, nach Ernährungsgewohnheiten, weiteren Beschwerden oder Erkrankungen sowie eingenommenen Medikamenten.
  • In der anschließenden körperlichen Untersuchung tastet der Arzt den Bauch ab und hört die Darmgeräusche mithilfe eines Stethoskops ab. Den Enddarm (Rektum) tastet er mit den Fingern ab.
  • Eine Blutanalyse zeigt, wie hoch die Kaliumwerte im Blut und die Konzentration der Schilddrüsenhormone ist.
  • Um den Stuhl auf nicht sichtbares (okkultes) Blut zu analysieren, kommt der sogenannte Hämoccult-Test zum Einsatz.

Falls es nicht gelingt, die Verstopfung durch eine ballaststoffreichere Ernährung zu lindern, sind weitere Untersuchungen nötig:

Hinton-Test

Mithilfe des Hinton-Tests ist es möglich, die Verweildauer des Stuhls zu bestimmen und festzustellen, wo genau die Verstopfung sitzt – im Dickdarm selbst oder im Bereich des Enddarms, der möglicherweise blockiert ist. Dazu schlucken die Betroffenen an sechs aufeinanderfolgenden Tagen jeweils eine Kapsel mit Markern, die bei einer Röntgenuntersuchung sichtbar sind. Am siebten Tag erfolgt dann eine Röntgenaufnahme des Bauchs.

  • Ergibt der Hinton-Test eine Verweildauer von mehr als 60 Stunden, ist für die Verstopfung wahrscheinlich ein träger Dickdarm verantwortlich.
  • Bei einer trotz Verstopfungssymptomen durchschnittlichen Verweildauer von 30 bis 40 Stunden liegt das Problem wahrscheinlich in einem blockierten Enddarm: In dem Fall lautet die Diagnose Entleerungsstörung.

Anorektale Manometrie

Auch die Druckbestimmung im Enddarm ist für die Diagnose hilfreich: Hierzu kommt die anorektale Manometrie zum Einsatz. Der Arzt misst den Druck dabei mithilfe einer dünnen Messsonde, an deren Spitze sich ein kleiner aufblasbarer Ballon befindet. Er schiebt die Sonde durch den After ein Stück weit in den Enddarm. Dann kann er die Kraft des Schließmuskels in Ruhe und bei Anspannung messen sowie durch langsames Füllen des Ballons mit Luft eine Stuhlfüllung des Mastdarms nachahmen.

Die Messergebnisse zeigen, ob die Funktion des Enddarms oder der Schließmuskeln gestört ist und ob beim Pressen der Druckanstieg und die Muskelerschlaffung richtig aufeinander abgestimmt sind.

Verstopfung (Obstipation): Therapie

Wie eine Verstopfung behandelt wird ist davon abhängig, wodurch die Verdauungsprobleme entstanden sind und wie sie sich äußern.

Ist eine bestimmte Erkrankung für die Verstopfung verantwortlich, ist eine Therapie der Grunderkrankung wichtig. Wenn bestimmte Medikamente die Obstipation ausgelöst haben, müssen diese, wenn möglich, niedriger dosiert oder vollständig abgesetzt werden.

Hat Ihr Kind häufig Verdauungsbeschwerden oder zu seltenen Stuhlgang, sollten Sie das mit dem Kinderarzt besprechen. Versuchen Sie nicht, auf eigene Faust Medikamente oder Hausmittel gegen die Verstopfung einzusetzen.

Gewöhnlich reicht es aus, eine Verstopfung konservativ (d.h. nicht-operativ) zu behandeln. Nur wenn keine behebbare Ursache zu finden ist und konservative Behandlungsmaßnahmen nicht ausreichen, kann eine Operation (z.B. eine Teilentfernung des Dickdarms bzw. Kolonresektion) nötig sein.

Verstopfung – was tun?

Bevor man bei einer Verstopfung eine ärztliche Therapie beginnt, gibt es einiges, was man selbst tun kann.

Ernährungsumstellung

Im ersten Schritt sollten Sie Ihre Lebensgewohnheiten prüfen und gegebenenfalls auf eine ballaststoffreiche Kost umstellen. Trinken Sie außerdem ausreichend. Durch Ballaststoffe quillt der Stuhl auf und es erhöht sich gleichzeitig der Wasseranteil im Stuhl. Der gequollene Stuhl drückt gegen die träge Dickdarmwand und regt sie an, sich stärker zu bewegen. Außerdem sorgt der erhöhte Wasseranteil für einen weicheren Stuhl.

Allerdings sollten Betroffene, die bereits seit längerem unter einer Verstopfung leiden, nicht allzu große Hoffnungen auf diese Maßnahmen setzen – diese Therapie hilft nur bei einer leichten Form der Verstopfung.

Füllmittel und Quellmittel

Auch Füllmittel und Quellmittel wie Leinsamen und Flohsamen können helfen: Sie wirken einer Verstopfung entgegen, indem sie Wasser binden und dann aufquellen. Wichtig ist es, zu jeder Dosis mindestens ein Glas Wasser zu trinken. Ansonsten verkleben die Samen und der Quelleffekt wirkt sich eher negativ auf die Verstopfung aus.

Anti-Stress-Tipps

Wer viel Stress hat und permanent unter Strom steht, sollte darauf achten, sich als Ausgleich genug Zeit zur Entspannung zu nehmen. In manchen Fällen können Entspannung und Ruhe dazu beitragen, Verdauungsprobleme in den Griff zu bekommen. Dabei muss man nicht unbedingt eine Entspannungsmethode lernen, um ruhiger und gelassener durch den Tag zu gehen – auch im Alltag lässt sich der Stresspegel senken:

  • Reduzieren Sie äußere Stressmacher wie Computer, Handy und Fernseher.
  • Gehen Sie häufig an die frische Luft.
  • Legen Sie im Alltagsstress Pausen zum Entspannen ein.
  • Sorgen Sie nachts für guten Schlaf.
  • Hören Sie Entspannungsmusik.
  • Pflegen Sie soziale Kontakte.

Abführmittel

Wenn weder eine umgestellte Ernährung noch geänderte Lebensgewohnheiten die Verstopfung lindern, können Abführmittel Abhilfe schaffen. Dabei sollten Sie sich jedoch stets an die vorgeschriebene Dosierung halten.

Abführmittel verhindern, dass Sie bei der Ausscheidung zu stark pressen müssen und der Stuhlgang wieder seinen geregelten Gang gehen kann. Es gibt sie in verschiedenen Darreichungsformen:

  • Zäpfchen
  • Dragées
  • Tropfen
  • Pulver zum Auflösen in Wasser
  • Lösung zum Einnehmen

Welche Darreichungsform am geeignetsten erscheint, hängt von individuellen Faktoren und den eigenen Vorlieben ab!

Je nach Wirkungsmechanismus lassen sich zwei unterschiedliche Abführmittel voneinander unterschieden:

  • darmanregende Abführmittel
  • und wasserbindende Abführmittel.

Wasserbindende Abführmittel

Wasserbindende Abführmittel ziehen per Osmose Wasser aus dem Körper in den Darm. Das Wasser kann den harten Stuhl aufweichen, sodass anschließend wieder ein geregelter Stuhlgang möglich ist. So wirken etwa salinische Abführmittel wie Bittersalz und Glaubersalz. Diese sollten Sie in viel Wasser gelöst einnehmen. Ein Nachteil ist der unangenehme Geschmack. Wegen ihrer Nebenwirkungen sollten Sie salinische Abführmittel nicht längere Zeit ohne ärztliche Kontrolle einnehmen.

Lactulose (Milchzucker) ist ebenfalls ein osmotisch wirkendes Abführmittel. Allerdings entfaltet dieser Zucker seine Wirkung erst, nachdem Darmbakterien ihn aufgespaltet haben. Der Nachteil: Bei der Spaltung entstehen neben den wasserbindenden Anteilen auch Bestandteile, die Blähungen verursachen.

Ein weiteres wasserbindendes Mittel gegen Verstopfung ist Macrogol. Wer Macrogol einnimmt, sollte dabei ein Glas Wasser trinken. Das Wasser wird gebunden und zum Ort der Verstopfung transportiert. Macrogole gelten als besser wirksam und besser verträglich als Lactulose.

Darmanregende Abführmittel

Darmanregende Abführmittel regen die Dickdarmbewegung an und leiten verstärkt Wasser und Elektrolyte in den Dickdarm. Beispiele für darmanregende Abführmittel sind die Wirkstoffe

  • Bisacodyl,
  • Natriumpicosulfat oder
  • Sennoside.

In verschiedenen Studien konnte die Wirksamkeit von Abführmitteln bestätigt werden. Prinzipiell können Sie Abführmittel auch problemlos über einen längeren Zeitraum einnehmen, sofern keine Warnsymptome bestehen – zur Sicherheit sollten Sie dies jedoch vorher ärztlich abklären.

Dennoch sollten Sie Abführmittel nur solange einnehmen, bis sich der Stuhlgang normalisiert hat – also über einen möglichst kurzen Zeitraum. Darüber hinaus ist es wichtig, sich an die vorgeschriebene Dosierung zu halten.

In schweren Fällen kann es vorkommen, dass weder die allgemeinen Maßnahmen noch die Therapie mit Abführmitteln den Stuhlgang erleichtern – in solchen Fällen kann in Absprache mit dem Arzt Prucaloprid eingesetzt werden.

Prucaloprid bindet sich an die Serotonin-Rezeptoren des Magen-Darm-Kanals und ahmt dort die Wirkung des Serotonins nach. Dadurch fördert Prucaloprid den Durchgang des Nahrungsbreis durch den Zwölffingerdarm und löst letztlich im Enddarm die Muskelbewegungen aus, die zur Darmentleerung führen.

Prucaloprid kann insbesondere am ersten Tag der Behandlung Schwindel und Müdigkeit hervorrufen. Das Medikament ist rezeptpflichtig und bislang nur für Frauen zugelassen. 

Stufentherapie der chronischen Verstopfung

Es wird empfohlen, bei der  Therapie der Verstopfung dem folgenden Stufenschema zu folgen:

Stufe Maßnahme
1. Stufe: allgemeine Maßnahmen
  • ausreichend Flüssigkeit
  • regelmäßige Bewegung
  • ballaststoffreiche Ernährung
2. Stufe: zusätzliche Ballaststoffe
  • Flohsamenschale
  • Leinsamen
  • Weizenkleie
3. Stufe: Abführmittel 1. Wahl:
2. Wahl:
4. Stufe: rezeptpflichtige Arzneimittel

Verstopfung (Obstipation): Verlauf

Wie eine Verstopfung verläuft, hängt unter anderem davon ab, warum sich das Verdauungsverhalten verändert hat. Unabhängig von ihren Gründen wirkt sich eine chronische Verstopfung allerdings in der Regel negativ auf die Lebensqualität aus: Die Betroffenen fühlen sich durch ihre Verdauungsprobleme teilweise sehr stark beeinträchtigt.

Ernährungsabhängige Verstopfung

Es ist möglich, den Verlauf einer ernährungsabhängigen Obstipation zu beeinflussen: indem Sie ihre Ernährung konsequent auf ballaststoffreiche Kost umstellen, ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und sich viel bewegen.

Medikamentenbedingte Verstopfung

Eine medikamentenbedingte Verstopfung verschwindet, wenn man das entsprechende Medikament niedriger dosiert oder vollständig absetzt. Falls die aus medizinischen Gründen nicht möglich ist, kann eine mit dem Hausarzt in Dosis und Dauer abgesprochene Einnahme von Abführmitteln helfen.

Verstopfung aufgrund anderer Erkrankung

Tritt die Obstipation begleitend zu einer anderen Erkrankung auf, hängt der Verlauf von deren Therapieerfolg ab.

Verstopfung (Obstipation): Vorbeugen

Einer Verstopfung können Sie nur bedingt vorbeugen. Grundsätzlich gelten zwar eine ballaststoffreiche Kost – zum Beispiel mit Vollkornbrot, Datteln, Pflaumen, Feigen und anderen Früchte- und Gemüsesorten – sowie viel Bewegung und ausreichend Flüssigkeit als empfehlenswert. Sicher verhindern können Sie Verdauungsprobleme dadurch jedoch nicht!

Verstopfung (Obstipation): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Verstopfung (Obstipation)":

Buchtipps:

Darmgesundheit: Ein Leitfaden für die Praxis

buch_labenz_darm.jpg Joachim Labenz

104 Seiten Thieme 2011

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Reizdarmsyndrom, Divertikelkrankheit, Darmkrebs - nur vier Beispiele für Darmkrankheiten, deren Häufigkeit in den letzten Jahren stetig zunimmt. Haus- und Allgemeinärzte sehen sich immer öfter mit den schwierig zu interpretierenden Symptomen der Darmkrankheiten konfrontiert. Ärzte anderer Fachrichtungen kommen durch extraintestinale Manifestationen mit den Darmkrankheiten in Berührung. Dieses Buch richtet sich in erster Linie an Ärzte aus Berufsgruppen, die sich nicht schwerpunktmäßig mit Darmkrankheiten beschäftigen, sich aber in komprimierter Form einen Überblick verschaffen möchten. Als Leitfaden gibt es kurz und prägnant Auskunft über den aktuellen Wissensstand. Alle wichtigen und auch einige seltene Darmerkrankungen werden übersichtlich beschrieben. Praxisnahe Algorithmen zur Abklärung wichtiger Leitsymptome prädestinieren das Buch als ständigen Begleiter im klinischen Alltag griffbereit auf dem Schreibtisch.

Quellen:

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.kindergesundheit-info.de (Abrufdatum: 7.12.2017)

Online-Informationen des Universitätsklinikums Heidelberg: www.klinikum.uni-heidelberg.de (Abrufdatum: 7.12.2017)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 6.7.2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Hahn, J.M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) et al.: S2k-Leitlinie Chronische Obstipation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. AWMF-Register Nr. 021/019 (Stand: 28.2.2013)

Ford, A.C., Suares, N.C.: Effect of laxatives and pharmacological therapies in chronic idiopathic constipation: systematic review and meta-analysis. Gut, Vol. 60 (2), pp. 209-218 (2011)

Aktualisiert am: 7. Dezember 2017

Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst