Vaskulitis (Gefäßentzündung): Symptome

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (03. März 2016)

Eine Vaskulitis (Gefäßentzündung) äußert sich zu Beginn meist durch allgemeine, unspezifische Symptome, die auch bei vielen anderen Erkrankungen vorkommen (sog. B-Symptomatik). Hierzu zählen etwa:

Manche Betroffene leiden auch unter Gelenkschmerzen. Häufig treten diese Beschwerden schon auf, bevor die Auswirkungen der Entzündung an den betroffenen Organen zu sehen sind.

Im weiteren Verlauf treten weitere Symptome hinzu, die von den betroffenen Organsystemen ausgehen. Diese Symptome können – je nach Vaskulitis-Form – sehr unterschiedlich ausgeprägt sein:

OrgansystemMögliche Symptome (Beispiele)
Haut fleckige Hautrötung (Purpura), netzförmige Hautrötung (Livedo reticularis), offene Hautstellen
Auge Entzündung der Lederhaut und anderer Strukturen des Auges mit Augenrötung, Sehstörungen durch Befall der Gefäße der Netzhaut
Nervensystem Schlaganfall, Krampfanfall, Depressionen, Kopfschmerzen, Entzündung von Körpernerven (Mono- und Polyneuritis) mit Schmerzen und Lähmungen
Lunge Bluthusten durch Entzündung des Lungengewebes, Funktionsverlust der Lunge
HNO-Trakt Schleimhautdefekte (Aphthen), Nasenbluten durch Entzündungen der Nasen- und Nasennebenhöhlen, Hörsturz, Drehschwindel
Niere Entzündungen der Nierenkörperchen mit Blut und Eiweiß im Urin, eventuell Bluthochdruck oder Funktionsverlust der Nieren
Herz Brustschmerzen, manchmal Herzversagen durch Herzmuskelentzündung und Herzbeutelentzündung oder entzündete und verengte Herzkranzgefäße

Primäre Vaskulitiden

Welche Symptome bei einer primären Vaskulitis auftreten, hängt insbesondere davon ab, um welche Form der Gefäßentzündung es sich handelt.

Riesenzellarteriitis

Bei der häufigsten Vaskulitis-Form, der Riesenzellarteriitis (Arteriitis cranialis), sind meist größere Blutgefäße in der oberen Körperhälfte entzündet – vor allem im Kopf. Zu typischen Symptomen einer Riesenzellarteriitis zählen unter anderem

Führt die Entzündung zu einem Gefäßverschluss, können beispielsweise schwere Augenschäden entstehen, die bis zur Erblindung führen können. Auch ein Schlaganfall kann die Folge sein. Häufig tritt die Riesenzellarteriitis zusammen mit einer Polymyalgie auf, einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, die sich durch reißende Muskelschmerzen bemerkbar macht. Etwa jede zweite Person mit Riesenzellarteriitis leidet zugleich an Polymyalgie.

Takayasu-Arteriitis

Bei der Takayasu-Arteriitis sind die Hauptschlagader und ihre Hauptäste entzündet. Meist treten anfangs unspezifische Symptome wie Gewichtsverlust, Nachtschweiß und Abgeschlagenheit auf. Im weiteren Verlauf führt die Entzündung zum Verschluss einzelner Gefäße, der sich – je nachdem, welches Gefäß betroffen ist – in verschiedenen Symptomen äußern kann. Mögliche Beschwerden sind zum Beispiel

  • ein schwächerer Puls an einem Arm,
  • Schmerzen in der Armen,
  • Sehstörungen,
  • Blutdruckunterschiede zwischen rechter und linker Körperhälfte (> 10 mmHG zwischen beiden Armen),
  • Schwindelanfälle und
  • Angina-pectoris-Anfälle, die sich durch ein Engegefühl in der Brust bemerkbar machen.

Panarteriitis nodosa

Die Panarteriitis nodosa (bzw. Polyarteriitis nodosa) ist eine schwere Form der Gefäßentzündung, bei der vor allem mittelgroße Blutgefäße entzündet sind und die Organe schädigen. Dabei können sämtliche Körperregionen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Neben Allgemeinsymptomen wie Leistungsabfall, Müdigkeit und Gewichtsverlust kommt es zu weiteren Symptomen, die auf die geschädigte Blutversorgung zurückzuführen sind. Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein und richten sich danach, welches Organ betroffen ist. Mögliche Symptome können sein:

Morbus Wegener

Bei Morbus Wegner (wegenersche Granulomatose) sind kleine Blutgefäße entzündet.

Von der Gefäßentzündung sind beim Morbus Wegener zunächst der Kopf und vor allem die Atemwege (Nase, Nasennebenhöhlen, Luftröhre und Lunge) betroffen. So leiden die Betroffenen beispielsweise an Schnupfen mit blutigem Sekret, Nasenbluten, Nasennebenhöhlenentzündung und behinderter Nasenatmung. Aber auch die Augen oder das Ohr können betroffen sein. Später zeigen die Patienten Symptome wie Reizhusten und Atemnot, weil zunehmend die tiefen Luftwege angegriffen werden.

Im weiteren Verlauf wird das sogenannte generalisierte Stadium erreicht und die Entzündung hat sich im Körper ausgebreitet. Je nachdem, welches Organ betroffen ist, können unterschiedliche Symptome entstehen – so zum Beispiel eine Nierenentzündung. Zudem leiden die Patienten an Beschwerden wie Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust und Nachtschweiß.

Churg-Strauss-Vaskulitis

Typische erste Symptome der Churg-Strauss-Vaskulitis sind allergischer Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündung sowie Asthma bronchiale. Auch können Polypen im Nasenrachenraum auftreten. Häufig kommt es zu rheumatischen Beschwerden wie Gelenkschmerzen.

Nach Monaten oder Jahren können andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden – häufig sind die Körpernerven und das Herz betroffen.

Charakteristisch für die Churg-Strauss-Vaskulitis ist, dass sowohl im Blut als auch im entzündeten Gewebe bestimmte weiße Blutkörperchen zu finden sind, die auch das "normale" Asthma bronchiale verursachen: sogenannte eosinophile Granulozyten.

Kawasaki-Syndrom

Das Kawasaki-Syndrom, das fast immer bei kleinen Kindern auftritt, ist auch unter der Bezeichnung mukokutanes Lymphknoten-Syndrom bekannt. Dabei sind mittlere und kleine Gefäße entzündet, aber auch Organe können betroffen sein, zum Beispiel das Herz. Anfangs ähneln die Symptome Infektionskrankheiten wie Scharlach oder Masern. Hierzu zählen etwa

  • hohes Fieber, das länger als fünf Tage anhält,
  • "Erdbeerzunge", trockene Lippen,
  • Bindehautenzündung, meist auf beiden Augen,
  • vergrößerte Lymphknoten am Hals und eine
  • Hautrötung, vor allem an den Händen und Fußsohlen.

Nach etwa zwei bis drei Wochen beginnt die Haut, sich zu schuppen, meist zuerst an den Fingerspitzen.

Morbus Behçet

Bei Morbus Behçet treten immer wieder kleine Geschwüre auf der Mundschleimhaut (Aphthen) und im Genitalbereich auf. Auch Entzündungen der Augen und Gelenke kommen häufig vor. Ein charakteristisches Symptom von Morbus Behçet ist die Entzündung der Venen: Bei anderen Vaskulitiden treten Venenentzündungen nur sehr selten auf.

Sekundäre Vaskulitiden

Auch durch Medikamente, Infektionen oder andere Krankheiten entstandene Gefäßentzündungen – sogenannte sekundäre Vaskulitiden – können ganz unterschiedliche Symptome auslösen.

Ein Beispiel ist die Hypersensitivitätsvaskulitis, die durch Infektionen oder Medikamente entsteht. Kennzeichnendes Symptom sind meist kleinfleckige Hautrötungen, die durch Blutungen in die Haut (Purpura) der unteren Extremitäten entstehen.


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