Tuberkulose: Ursachen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (20. November 2015)

Erreger

Ursache der Tuberkulose (Tbc) ist eine Infektion mit bestimmten Bakterien der Gattung Mycobacterium. Die Erreger sind stäbchenförmig, unbeweglich und sehr widerstandsfähig gegenüber Säure.

Der mit Abstand häufigste Erreger der Tuberkulose beim Menschen ist das Bakterium namens Mycobacterium tuberculosis. In sehr wenigen Fällen stecken auch andere Bakterienarten hinter der Tbc – wie Mycobacterium bovis oder Mycobacterium africanum.

  • Während die Erreger Mycobacterium tuberculosis und Mycobacterium africanum hauptsächlich beim Menschen vorkommen,
  • ist Mycobacterium bovis neben dem Menschen auch unter Rindern und einigen Wildtieren verbreitet.

Gelangen die Krankheitserreger in den Körper, gelingt es dem Immunsystem in den meisten Fällen, einen Ausbruch der Tuberkulose zumindest zunächst zu verhindern: Bestimmte Abwehrzellen – sogenannte Fresszellen (bzw. Makrophagen) – nehmen die Tbc-Erreger auf, können sie aber nicht endgültig abtöten. Darum scharen sich immer mehr Abwehrzellen um die Bakterien und umschließen den Infektionsherd. Dadurch entsteht ein kleines knotiges Gebilde (sog. tuberkulöses Granulom bzw. Tuberkulom oder einfach Tuberkel), das die Erreger daran hindert, sich im Körper zu verbreiten. Diesen Zustand bezeichnet man als latente tuberkulöse Infektion (LTBI).

© RKI

Wichtigster Erreger der Tuberkulose beim Menschen ist das stäbchenförmige Bakterium Mycobacterium tuberculosis.

Wenn das Immunsystem allerdings geschwächt ist und es nicht schafft, die Infektion einzudämmen, bilden die Erreger als Anfangsstadium der Erkrankung (sog. Primäraffekt) einen örtlichen tuberkulösen Entzündungsherd und wandern meist auch in die nächstgelegenen Lymphknoten, die daraufhin anschwellen. Mit diesem sogenannten Primärkomplex beginnt die primäre Tuberkulose. Verteilen sich die Erreger aus dem ersten Entzündungsherd und bilden neue Herde, die (früher oder später) zu Krankheitszeichen führen, handelt es sich dabei um eine postprimäre Tbc.

Entwickelt jemand erst längere Zeit nach der ersten Infektion Anzeichen einer Tuberkulose, kann nicht nur eine neue, sondern auch die alte Infektion dahinterstecken – denn: Die in einem Granulom eingeschlossenen Erreger überdauern in einem Schlummerzustand, aus dem sie unter Umständen noch nach Jahrzehnten erwachen und eine Tbc verursachen können. Dies bezeichnet man als Reaktivierung.

Ansteckung

Bei Tuberkulose passiert die Ansteckung meist direkt von Mensch zu Mensch. Häufigste Ursache ist eine offene Tbc der Lunge.

Offene Tuberkulose bedeutet, dass die Bakterien – je nachdem, wo die Tbc sitzt – mit Hustenauswurf, Magensaft, Urin oder Stuhl nach außen gelangen können. Wer eine offene Lungentuberkulose hat, kann dann andere Menschen leicht über eine Tröpfcheninfektion – das heißt durch Sprechen, Niesen oder Husten – anstecken.

Bei einer offenen Tuberkulose der Lunge ist das Risiko einer Ansteckung am höchsten, solange die ursächlichen Bakterien mikroskopisch nachweisbar sind. Wer wirksame Mittel gegen die Tbc erhält, ist aber meist innerhalb von zwei bis drei Wochen nicht mehr ansteckend.

Eine Tuberkulose außerhalb der Lunge (z.B. eine Tbc der Lymphknoten, Harnwege, Knochen, Gelenke, Verdauungsorgane) bedeutet für Kontaktpersonen normalerweise kein Ansteckungsrisiko. In solchen Fällen ist eine Ansteckung von Mensch zu Mensch nur dann wahrscheinlich, wenn der Infektionsherd eine Verbindung nach außen hat (z.B. über eine Fistel) und sich die Erreger beispielsweise bei einer Hautverletzung verbreiten können.

Bei der seltenen Tuberkulose durch Mycobacterium bovis ist eine Ansteckung grundsätzlich auch über nicht-pasteurisierte Milch von infizierten Rindern möglich. Da die in Mitteleuropa gehaltenen Rinder jedoch als weitgehend tuberkulosefrei gelten, spielt hier Milch als Ursache für Tbc keine Rolle mehr.

Ob eine Infektion mit den Bakterien tatsächlich eine Tuberkulose verursacht, hängt von den individuellen Risikofaktoren ab. Bei gesunden Jugendlichen und Erwachsenen beträgt die Erkrankungswahrscheinlichkeit höchstens 10 Prozent. Ein besonders hohes Risiko, eine Tbc zu bekommen, haben hingegen:

Inkubationszeit

Tuberkulose hat eine sehr unterschiedliche Inkubationszeit: Die Zeit zwischen der Infektion mit dem ursächlichen Bakterium und dem Auftreten der ersten Symptome kann Wochen bis Monate betragen. Eine Primärtuberkulose bricht in der Regel etwa sechs bis acht Wochen nach der Infektion aus. Die postprimäre Tbc kann noch Jahre nach der Infektion auftreten.


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