Tuberkulose: Definition

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (20. November 2015)

Tuberkulose (kurz: Tbc oder nur Tb), früher auch Schwindsucht genannt, ist eine chronisch verlaufende Infektionskrankheit. Doch nicht jede Infektion mit den ursächlichen Bakterien führt zwangsläufig zu einer Erkrankung:

  • Meistens liegt eine sogenannte latente tuberkulöse Infektion vor, bei der Beschwerden ausbleiben, weil sich die Tbc-Erreger in einer Art Schlummerzustand befinden.
  • Nur aus rund fünf bis zehn Prozent der Infektionen entwickelt sich eine aktive Tuberkulose mit Beschwerden, die eine Behandlung notwendig macht.

Bei einer aktiven Tuberkulose unterscheiden Mediziner:

  • die Primärtuberkulose, die direkt im Anschluss an die erste Infektion am Infektionsort entsteht, und
  • die Postprimärtuberkulose, die nach einer Primärtuberkulose durch Streuung der Tbc-Bakterien entsteht. Selten geschieht dies rasch, meistens – teils viele Jahre – später durch Reaktivierung der Erreger (darum auch Reaktivierungskrankheit genannt).

    Besonders wichtig ist es, zu unterscheiden, ob es sich um eine offene Tuberkulose handelt, die ansteckend ist, oder um eine geschlossene, also nicht-ansteckende Form. Eine behandlungsbedürftige Tbc unterliegt in Deutschland seit dem 1. Januar 2001 dem Infektionsschutzgesetz (IfSG): Danach ist es beispielsweise möglich, ansteckungsfähige Erkrankte auch gegen ihren Willen zu isolieren. Außerdem ist die Krankheit meldepflichtig.

    Historisches

    Zur Zeit der industriellen Revolution starben viele Menschen an Tuberkulose, weil sich die Krankheit in den Städten durch die sehr hohe Bevölkerungsdichte rasch ausbreitete. Die Krankheitsursache blieb lange Zeit Gegenstand von Diskussionen, wobei man auch eine Vererbung in Erwägung zog. Bekannt war hingegen relativ früh, dass die Wohn- und Lebensbedingungen der einfacheren Bevölkerungsschichten die Verbreitung der Krankheit begünstigen. Deshalb bezeichnet man die Tbc manchmal als soziale Krankheit.

    Im Jahr 1882 entdeckte Robert Koch den Haupterreger der Tuberkulose: den Tuberkelbazillus Mycobacterium tuberculosis. Die Diskussionen um die Entstehungsursachen waren damit beendet. Allerdings spielt die soziale Komponente bei Tbc auch heute noch eine wichtige Rolle, weil gut ernährte Menschen deutlich seltener daran erkranken als unterernährte Menschen, die in schlechten sozialen Verhältnissen leben.

    Rund 40 Jahre nach Kochs Entdeckung stand erstmals ein wirksamer Impfstoff gegen Tuberkulose zur Verfügung – sicherlich einer der Gründe, warum man bis in die 1980er-Jahre irrtümlich glaubte, die Erkrankung sei besiegt und spiele zumindest für die Industrienationen keine Rolle mehr. Stattdessen ist weltweit zu beobachten, dass wieder zunehmend mehr Menschen an Tbc erkranken und sterben.

    In den Industrienationen begünstigen HIV-Infektionen und Migration (v.a. aus der Dritten Welt und Osteuropa) die Verbreitung der Tuberkulose. Auch in Deutschland, wo die Zahl der Neuerkrankungen einige Jahre lang zurückging, ist diese positive Entwicklung inzwischen vorbei. Zudem treten auch hier vermehrt Tbc-Fälle auf, gegen die eines oder mehrere der gängigen Antibiotika nicht wirken.

    Häufigkeit

    Tuberkulose zählt neben HIV und AIDS sowie Malaria zu den weltweit häufigsten Infektionskrankheiten. Man geht davon aus, dass ein Drittel der Weltbevölkerung infiziert ist, größtenteils aber keine Beschwerden hat. Im Jahr 2014 erkrankten insgesamt schätzungsweise 9,6 Millionen Menschen an Tbc – und rund 1,5 Millionen starben daran.

    Keine andere durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit verläuft bei Jugendlichen und Erwachsenen trotz verfügbarer Heilmittel so häufig tödlich wie Tuberkulose.

    In der Dritten Welt ist Tuberkulose besonders häufig. Rund 85 Prozent aller Neuerkrankungen treten in Afrika, Südostasien und der westlichen Pazifikregion auf. In Europa ist die Häufigkeit im Westen deutlich niedriger als im Osten: Dort haben die Tbc-Fälle – besonders mit resistenten Erregern – vor allem in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion zugenommen. Besonders kritisch ist die Situation in den Gefängnissen dieser Länder. Man geht davon aus, dass in vielen Haftanstalten ein hoher Prozentsatz der Inhaftierten infiziert ist.

    In Deutschland gab es im Jahr 2014 insgesamt 4.488 gemeldete Neuerkrankungen an Tuberkulose, wobei Männer 1,8-mal häufiger betroffen waren als Frauen. In den meisten Fällen handelte es sich um eine Lungentuberkulose – überwiegend um die offene Tbc (d.h. die ansteckende Form).

    In Ländern, in denen Tuberkulose häufig auftritt, infizieren sich meist schon die Kinder. In Ländern mit geringer Tbc-Rate und damit geringem Infektionsrisiko sind dagegen vor allem Erwachsene betroffen.


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