Trigeminusneuralgie: Schmerzattacken im Gesicht

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (17. Oktober 2017)

© Jupiterimages/Stockbyte

Bei einer Trigeminusneuralgie kommt es zu blitzartig einschießenden, sehr starken Gesichtsschmerzen. Die Schmerzattacken dauern zwar meist nur wenige Sekunden, gehören jedoch zu den stärksten bekannten Schmerzen überhaupt.

Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Eine Trigeminusneuralgie ist ein in Anfällen auftretender starker Nervenschmerz im Gesicht. Dieser entsteht, wenn der fünfte Hirnnerv (der sogenannte Trigeminusnerv) geschädigt oder gereizt ist. Die Schmerzen treten jeweils in dem Bereich des Gesichts auf, den der Trigeminusnerv versorgt.

Der Trigeminusnerv

Der Trigeminusnerv bildet innerhalb der Schädelhöhle einen Nervenknoten: das sogenannte Ganglion Gasseri. Aus diesem verzweigt er sich in drei Hauptäste und tritt am Unterkiefer, am Oberkiefer und etwa auf Augenhöhe aus dem Schädel heraus:

  • Der erste Ast (Nervus ophthalmicus) übermittelt die Empfindungen von Stirn, Auge und Stirnhöhle an das Gehirn,
  • der zweite Ast (Nervus maxillaris) die von Wange und Oberkiefer einschließlich der Zähne und
  • der dritte Ast (Nervus mandibularis) die Empfindungen der Unterkieferregion.

Trigeminusneuralgie: Verlauf des Trigeminusnervs im Gesicht

Verlauf des Trigeminusnervs im Gesicht. Ist der Trigeminusnerv an irgendeiner Stelle einem Druck ausgesetzt, der die Nervenscheide beschädigt, entlädt sich der Nerv spontan. Als Folge kommt es zur Trigeminusneuralgie mit den extrem schweren, anfallartigen Schmerzen.

Trigeminusneuralgie: Das sind Ursachen

Ursache einer Trigeminusneuralgie ist eine Schädigung oder Reizung des fünften Hirnnervs (Trigeminusnerv). Dieser Nerv teilt sich im Schädel (etwa in Höhe des Ohrläppchens) in drei Äste auf und tritt am Unterkiefer, am Oberkiefer und etwa auf Augenhöhe aus dem Schädel heraus. Auf diese Weise versorgt der Trigeminusnerv unterschiedliche Bereiche des Gesichts.

Kommt es im Verlauf des Trigeminusnervs an einer Stelle zu Druck und dadurch zur Beschädigung der Nervenscheide (einer Art Isolierschicht, die den Nerven umgibt), entlädt sich der Nerv spontan. Diese Entladung verursacht jeweils in dem Gesichtsbereich schwere anfallartige Schmerzen, die vom Trigeminusnerv versorgt werden (d.h. Stirn, Augen, Wangen oder Kiefer einschließlich Zähnen). Die Schmerzen treten in der Regel einseitig auf.

Als Auslöser (sog. Trigger) dieser Schmerzattacken kommen verschiedene Reize im Versorgungsgebiet des Nervs infrage. Bei einer Trigeminusneuralgie reichen häufig schon leichte Berührungen der Wange oder der Stirn, Kauen, Sprechen, Lachen, Schlucken, Zähneputzen oder sogar ein Luftzug aus, um einen Schmerzanfall auszulösen.

Je nachdem, worin die Trigeminusneuralgie ihre Ursachen genau hat, unterscheidet man zwei Formen:

  • die klassische Trigeminusneuralgie und
  • die symptomatische Trigeminusneuralgie.

Klassische Trigeminusneuralgie

In den meisten Fällen handelt es sich um eine klassische Trigeminusneuralgie. Diese hat ihre Ursachen in der Regel in einem krankhaften Gefäß-Nerv-Kontakt. Sie entsteht also dadurch, dass eng benachbart liegende Blutgefäße auf den Nerv drücken. Meist handelt es sich dabei um Schlagadern (Arterien), die starrer und verdickt sind. Das kann zum Beispiel die Folge einer Arteriosklerose (Arterienverkalkung) sein, die mit zunehmendem Alter häufiger auftritt. Die Verdickungen können die Nervenscheide durchdringen und so auf den Nerv einwirken und ihn sogar schädigen.

Bei einer klassischen Trigeminusneuralgie ist meist der zweite und/oder dritte Hauptast des Trigeminusnervs betroffen. Das heißt die Gesichtsschmerzen zeigen sich meist im Oberkiefer-/Wangenbereich und/oder im Unterkieferbereich. Die Schmerzattacken treten überwiegend einseitig auf und sind durch beschwerdefreie Intervalle unterbrochen.

Die klassische Trigeminusneuralgie wurde früher auch bezeichnet als:

  • idiopathische Trigeminusneuralgie (idiopathisch = ohne erkennbare Ursachen) oder
  • essenzielle Trigeminusneuralgie.

Symptomatische Trigeminusneuralgie

Von einer symptomatischen Trigeminusneuralgie spricht man, wenn die Trigeminusschmerzen ihre Ursache in einer anderen Erkrankung haben, z.B. in

  • sogenannte Entmarkungskrankheiten wie der multiplen Sklerose: Bei einer Trigeminusneuralgie im Rahmen einer multiplen Sklerose ist der Trigeminusnerv selbst entzündet. Ursache für die typischen Schmerzattacken ist dann eine Schädigung der Nervenscheide im Bereich der Eintrittsstelle der Nervenwurzel. Die Schmerzen können bei den meist jüngeren Betroffenen auch in beiden Gesichtshälften auftreten.
  • Raumforderungen unterschiedlicher Art: Gutartige Nerventumoren (sog. Neurinome) oder Tochtergeschwulste eines bösartigen Tumors (sog. Metastasen) können auf den Trigeminusnerv drücken oder zu einem krankhaften Gefäß-Nerv-Kontakt führen.
  • einer Mangeldurchblutung (Ischämie)
  • Angiomen (Gefäßfehlbildungen) des Hirnstamms

Bei einer symptomatischen Trigeminusneuralgie ist häufiger der erste Ast des Trigeminusnervs betroffen. Das heißt, die Schmerzen entstehen vor allem im Augen- und Stirnbereich. Die Schmerzattacken treten öfter beidseitig auf. Die Intervalle dazwischen sind dabei nicht unbedingt beschwerdefrei. Es kommt häufiger zu Missempfindungen im Gesicht (z.B. Kribbeln, pelziges Gefühl).

Im Vergleich kommt eine symptomatische Trigeminusneuralgie äußerst selten vor.

Was bedeutet der Begriff Trigeminusneuralgie?

Der Begriff Trigeminusneuralgie setzt sich aus zwei Teilen zusammen:

  • Trigeminus: Als Nervus trigeminus (kurz: Trigeminus, "Drillingsnerv") bezeichnet man den fünften Hirnnerv. Dieser gabelt sich in drei Äste auf (lat. trigeminus = Drilling).
  • Neuralgie: Als Neuralgie bezeichnet man Schmerzen, die sich auf das Ausbreitungsgebiet eines bestimmten Nervs beschränken. Das Wort "Neuralgie" setzt sich dabei zusammen aus den Wortbestandteilen "neur-" (griech. für Nerv) und "-algie" (griech. für Schmerz).

Wie häufig kommt eine Trigeminusneuralgie vor?

In der Regel handelt es sich bei einer Trigeminusneuralgie um die klassische Form der Erkrankung. Diese tritt vor allem nach dem 50. Lebensjahr auf. Durchschnittlich sind etwa 4 bis 6 von 100.000 Menschen davon betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer (Verhältnis 1,5 : 1). Eine symptomatische Trigeminusneuralgie kommt dagegen vergleichsweise selten vor und tritt meist vor dem 40. Lebensjahr auf.

Trigeminusneuralgie: Typische Symptome

Bei einer Trigeminusneuralgie zeigen sich typischerweise Symptome wie extrem starke Gesichtsschmerzen, die plötzlich einsetzen und einseitig auftreten. Die Schmerzen dauern normalerweise nur wenige Sekunden bis höchstens zwei Minuten an.

Die Schmerzen bei einer Trigeminusneuralgie zählen zu den stärksten Schmerzen überhaupt. Viele Betroffene beschreiben sie als

  • blitzartig, aus heiterem Himmel einschießend oder
  • stromstoßartig sowie
  • mit brennendem oder stechendem Charakter.

In den meisten Fällen ist der zweiten und/oder dritten Trigeminus-Ast betroffen. Das heißt die Symptome treten vorwiegend in diesen Bereichen des Gesichts auf:

  • Ober- und Unterkiefer
  • Nase
  • Wangen und Kinn

Eher selten treten die Schmerzen an der Stirn auf – dann ist wahrscheinlich der erste Trigeminus-Ast betroffen.

Die Schmerzattacken können sich häufig und rasch wiederholen (in extremen Fällen bis zu 100 Mal pro Tag). Sie können spontan beziehungsweise ohne erkennbaren Auslöser auftreten. Typischerweise schießen die Schmerzen nach eigentlich harmlosen Reizen ein, wie nach Berührung der Wange oder der Stirn, häufig beim Sprechen, Lachen, Zähneputzen, Kauen oder Schlucken. Begleitend zu den Schmerzattacken beginnen bei manchen Betroffenen die Tränen zu fließen und/oder es rötet sich das Gesicht.

Trigeminusneuralgie: Ein alter Mann fasst sich an die schmerzende Wange. © Jupiterimages/PhotoDisc

Eine Trigeminusneuralgie führt zu starken Schmerzen im Gesicht.

Zwischen den Schmerzattacken haben die meisten Menschen mit Trigeminusneuralgie keine Beschwerden. Da die anfallartigen Symptome aber schon durch kleinste Bewegungen oder Berührungen und sogar einen Luftzug auftreten können, beeinträchtigt eine Trigeminusneuralgie die Betroffenen oft sehr stark.

Das kann bei Attacken, die über mehrere Tage immer wieder auftreten und ohne sachgerechte Behandlung dazu führen, dass die Betroffenen stark an Gewicht verlieren und dehydrieren. Denn nicht selten trauen sich manche aus Angst vor erneuten Schmerzattacken nicht mehr zu essen und zu trinken.

Diagnose: So stellt man eine Trigeminusneuralgie fest

Meist geben schon die typischen Symptome deutliche Hinweise darauf, dass es sich um eine Trigeminusneuralgie handeln könnte. Dennoch steckt nicht immer eine Trigeminusneuralgie dahinter, wenn plötzlich Gesichtsschmerzen auftreten. Deshalb muss der Arzt für eine Diagnose zuerst andere mögliche Ursachen ausschließen, wie zum Beispiel:

Für die Diagnose ist es daher hilfreich, die Symptome genau zu erfassen, um andere Formen von Gesichtsschmerzen oder Kopfschmerzen auszuschließen.

Außerdem untersucht der Arzt die Nerven. Denn bei einer Trigeminusneuralgie kann man in der Regel keine Defekte am Nervensystem feststellen.

Liegen deutliche Hinweise auf eine Trigeminusneuralgie vor, ist es vor allem wichtig, festzustellen, ob es sich um die klassische oder die symptomatische Form der Trigeminusneuralgie handelt. Denn letztere lässt sich auf eine andere Erkrankung zurückführen.

Daher erfolgt zunächst eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder alternativ eine Computertomographie (CT) des Kopfs. Der Trigeminusnerv entspringt weit hinten im Gehirn und legt eine längere Strecke im Hirnschädel zurück, bevor er an der Schädelbasis austritt. Deshalb können theoretisch auch Reizungen des Nervs entlang dieses Wegs (z.B. ein Hirntumor) die Schmerzen im Gesicht verursachen. Eine MRT- oder CT-Aufnahme kann solche Tumoren ausschließen. Außerdem kann sie Beeinträchtigungen des Trigeminusnervs durch ein Blutgefäß oder Anzeichen einer Entmarkungskrankheit (wie multiple Sklerose) sichtbar machen.

Besteht ein Verdacht auf multiple Sklerose, erfolgt unter Umständen eine Lumbalpunktion (Entnahme und Untersuchung von Rückenmarksflüssigkeit aus dem Wirbelkanal).

Trigeminusneuralgie: Therapie

Bei einer Trigeminusneuralgie besteht das Ziel der Therapie darin, die Schmerzen zu lindern und möglichst eine völlige Beschwerdefreiheit zu erreichen. Hierfür stehen verschiedene Medikamente und operative Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.

Medikamente gegen Trigeminusneuralgie

Klassische Schmerzmittel sind bei einer Trigeminusneuralgie meist wirkungslos. Nimmt man diese bei einem akuten Schmerzanfall ein, macht sich die Wirkung frühestens nach etwa 30 Minuten bemerkbar. Bis dahin ist die Schmerzattacke in der Regel längst vorüber. Bei einer Trigeminusneuralgie kommen deshalb als Therapie zunächst meist Medikamente zum Einsatz, die den Schmerzen vorbeugen.

Zur Therapie einer Trigeminusneuralgie bietet sich vor allem der Wirkstoff Carbamazepin an. Er beugt weiteren Schmerzattacken am wirksamsten vor. Bei einer langsam ansteigenden Dosierung bleiben mögliche Nebenwirkungen meist aus. Alternativ ist eine Behandlung mit dem Wirkstoff Oxcarbazepin möglich.

Kommen sowohl Carbamazepin als auch Oxcarbazepin zur Behandlung nicht infrage, verschreibt der Arzt häufig einen der folgenden Wirkstoffe:

Wenn sich die Schmerzattacken der Trigeminusneuralgie plötzlich verschlimmern und ein schnelles Eingreifen nötig machen, kann zur Akutbehandlung zusätzlich der Wirkstoff Phenytoin zum Einsatz kommen oder alternativ der Wirkstoff Pimozid. Beide Wirkstoffe werden per Infusion über eine Vene verabreicht.

Ist die Ursache der Trigeminusneuralgie eine multiple Sklerose, eignet sich der Wirkstoff Misoprostol zur Therapie.

Operative Maßnahmen bei Trigeminusneuralgie

Bei einer Trigeminusneuralgie kommt eine Operation in Betracht, wenn Medikamente

  • nicht ausreichend wirken oder
  • zu starke Nebenwirkungen hervorrufen.

Ein operativer Eingriff kommt auch infrage, wenn es möglich ist, die Ursache der Nervenschmerzen auf diese Weise zu beheben. Das kann zum Beispiel bei einer symptomatischen Trigeminusneuralgie infolge von Tumoren der Fall sein.

Früher war es eine häufig praktizierte Maßnahme, den erkrankten Trigeminusnerv einfach zu durchtrennen (sog. Exhärese, Rhizotomie). Diese Methode kommt jedoch heutzutage nicht mehr zum Einsatz, da neben einer einseitigen Gesichtslähmung oft noch stärkere und vor allem nicht mehr zu beeinflussende Schmerzen die Folge sein können.

Ganglion-Gasseri-Techniken

Zur operativen Behandlung einer Trigeminusneuralgie stehen verschiedene "Ganglion-Gasseri-Techniken" zur Verfügung. Darunter versteht man Eingriffe, die perkutan – also durch die unverletzte Haut hindurch – im oder am vom Trigeminusnerv gebildeten Nervenknoten (Ganglion Gasseri) vorgenommen werden. Sie erfolgen unter örtlicher Betäubung und bieten sich daher an, wenn eine Vollnarkose nicht infrage kommt.

Bei allen Ganglion-Gasseri-Techniken führt der Operateur eine Nadel über die Wange bis zum Ganglion Gasseri ein. Dort zerstört er mithilfe der Nadel die für die Schmerzleitung verantwortlichen Nervenfasern entweder

  • thermisch (durch Hitze über eine Sonde, sog. Thermokoagulation),
  • chemisch (durch Glyzerin, sog. Glyzerinrhizolyse) oder
  • mechanisch (mit einem Ballonkatheter, sog. Ballonkompression).

Mit allen Ganglion-Gasseri-Techniken kann man bei einer Trigeminusneuralgie schon früh hohe Erfolgsraten von über 90 Prozent erzielen. Auch einige Jahre nach der Operation sind die meisten Betroffenen noch beschwerdefrei. In manchen Fällen (v.a. nach einer Ballonkompression) tritt die Trigeminusneuralgie nach gewisser Zeit jedoch erneut auf, sodass eine weitere Behandlung nötig sein kann.

Zu den möglichen Risiken einer Operation im oder am Ganglion Gasseri gehört die Entstehung einer verminderten Berührungs- und Druckempfindlichkeit beziehungsweise einer Empfindungsstörung der betroffenen Gesichtshälfte. In seltenen Fällen führen die Eingriffe zu einem Dauerschmerz (sog. Anaesthesia dolorosa).

Mikrovaskuläre Dekompression

Eine weitere Möglichkeit der operativen Trigeminusneuralgie-Therapie ist die sogenannte mikrovaskuläre Dekompression. Diese Operation kommt vor allem dann in Betracht, wenn das allgemeine Operationsrisiko des Betroffenen gering ist.

Die mikrovaskuläre Dekompression erfolgt unter Vollnarkose. Der Operateur öffnet für diese Methode hinter dem Ohr eine kleine Stelle im Schädel (sog. Trepanation) und legt die Wurzel des Trigeminusnervs frei. Hier legt er ein kleines Kunststoffpolster zwischen die Nervenwurzel und jene Blutgefäße, die den Nerv reizen.

Die mikrovaskuläre Dekompression hat den Vorteil, dass der Trigeminusnerv geschützt ist und man ihn nicht – wie bei einer Ganglion-Gasseri-Operation – teilweise schädigt, um seine Erregbarkeit zu mindern. 98 Prozent der Betroffenen sind durch eine mikrovaskuläre Dekompression sofort oder kurz nach dem Eingriff beschwerdefrei.

Im Vergleich zu den anderen operativen und radiochirurgischen Verfahren zur Trigeminusneuralgie-Therapie ist die mikrovaskuläre Dekompression jedoch mit einem höheren Operationsrisiko verbunden. In bis zu 3 Prozent der Fälle kann es durch die Operation zu einseitigem Hörverlust sowie Blutungen und einer Schwellung des Kleinhirns kommen. Andererseits tritt die Trigeminusneuralgie nach mikrovaskulärer Dekompression seltener erneut auf.

Radiochirurgie bei Trigeminusneuralgie

Alternativ zu den anderen Operationsmethoden kann bei einer Trigeminusneuralgie auch eine radiochirurgische Behandlung zum Einsatz kommen. Dabei bestrahlt man den Trigeminusnerv in einer einmaligen Sitzung nahe dem Hirnstamm mit einem kleinen Strahlenfeld. Dies geschieht über ein sogenanntes Gamma-Knife (Linearbeschleuniger), das normalerweise bei Hirntumoren zum Einsatz kommt. Die Betroffenen sind teilweise schon 24 Stunden nach dem Eingriff, im Durchschnitt jedoch nach 2 Wochen bis 2 Monaten schmerzfrei.

Verglichen mit den Ganglion-Gasseri-Techniken hat die Radiochirurgie die niedrigste Komplikationsrate bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie, aber auch eine geringere Erfolgsrate: Nach einem radiochirurgischen Eingriff sind etwa 63 bis 75 Prozent der Betroffenen schmerzfrei.

Psychotherapeutische Beratung

Belasten die Schmerzattacken der Trigeminusneuralgie den Betroffenen sehr stark, kann unter Umständen auch eine psychotherapeutische Begleitung ratsam sein.

Trigeminusneuralgie: Verlauf

Prognose

Bei einer Trigeminusneuralgie können Verlauf und Prognose sehr unterschiedlich sein. Die Schmerzattacken können über Wochen bis Monate  täglich mehrfach auftreten und im Anfangsstadium spontan (d.h. ohne Behandlung) zum Stillstand kommen.

Die Phasen völliger Schmerzfreiheit dauern bei manchen Betroffenen mehrere Wochen bis Monate. Bei 29 Prozent der Betroffenen bleibt es sogar bei nur einer Schmerzepisode. In fast ebenso vielen Fällen führt die Trigeminusneuralgie jedoch zu drei oder mehr solchen Episoden. Bei 21 Prozent aller Trigeminusneuralgien kommt es in den ersten fünf Jahren zu wiederholten Attacken.

In den meisten Fällen gelingt es durch eine geeignete Therapie, zumindest vorübergehend Schmerzfreiheit zu erreichen. Keines der verfügbaren Therapieverfahren garantiert jedoch eine vollständige Heilung.

Mögliche Komplikationen

Eine Trigeminusneuralgie kann bei schwerem Verlauf die Lebensqualität stark beeinträchtigen und dadurch Komplikationen nach sich ziehen. Nehmen die Schmerzen solche Ausmaße an, dass die Betroffenen sie als schier unerträglich empfinden, kann das zu psychischen Auswirkungen in Form von Depressionen und Ängsten führen. In manchen Fällen können sie sogar in Selbstmordgedanken münden.

Trigeminusneuralgie: Vorbeugen

Der Entstehung einer Trigeminusneuralgie können Sie nicht sicher vorbeugen.

Falls bei Ihnen bereits eine Trigeminusneuralgie besteht, können Sie jedoch durch eine geeignete Therapie die Schwere der Schmerzattacken lindern oder Anfälle sogar vollständig verhindern.

Durch eine allgemein gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung können Sie zudem einer
Arteriosklerose (Arterienverkalkung) vorbeugen, die als mögliche Ursache einer Trigeminusneuralgie gilt.

Trigeminusneuralgie: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Trigeminusneuralgie":

Onmeda-Lesetipps:

Atypischer Gesichtsschmerz: Mögliche Ursachen

Linktipps:

Deutsche Schmerzliga e.V.Hier bekommen Sie Informationen u.a. zu Nervenschmerzen, Adressen von Selbsthilfegruppen, Kontakte zu entsprechenden Ärzten. Die Schmerzliga ist der Dachverband für mehr als 80 Selbsthilfegruppen.

Quellen:

Trigeminusneuralgie. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 8.5.2017)

Grehl, H., et al.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2016

Mattle, H., et al.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Trigeminusneuralgie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/016 (Stand: September 2012)

Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Trigeminusneuralgie. Online-Informationen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: www.dmkg.de (Stand: September 2012)

Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie. Springer, Berlin 2011

Hacke, W.: Neurologie. Springer, Berlin 2010

Aktualisiert am: 17. Oktober 2017

Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst