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Tinnitus (Ohrgeräusche): Subakuter und chronischer Tinnitus

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (22. Oktober 2012)

Auch bei einem Tinnitus, der bereits seit drei bis zwölf Monaten (subakuter Tinnitus) oder länger (chronischer Tinnitus) besteht, verabreicht der Arzt Infusionen mit Zuckerlösungen beziehungsweise eine Kombination aus Kochsalzlösung und entzündungshemmenden Wirkstoffen (Glukokortikoiden).

Daneben spielt die Psychotherapie bei der Tinnitus-Behandlung eine große Rolle. Mithilfe von Entspannungstechniken sollen die Betroffenen lernen, einerseits Stresssituationen besser zu beherrschen und andererseits den Tinnitus zu überhören. Letzteres geschieht, indem man sich auf andere Geräusche konzentriert. Beim Versuch, einen Tinnitus zu kontrollieren, fixieren sich Betroffene oft stark auf die Ohrgeräusche, die sich dadurch noch mehr in den Vordergrund drängen. Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga oder progressive Muskelentspannung können dabei helfen, Anspannung und Konzentration auf die Ohrgeräusche allmählich abzubauen. Eine direkte Wirkung auf den Tinnitus haben sie jedoch nicht.

Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT)

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit des subakuten und chronischen Tinnitus ist die sogenannte Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) nach Prof. Jastreboff, die zum Einsatz kommt, wenn andere Behandlungsmethoden keinen Erfolg zeigen.

Grundlage der Tinnitus-Retraining-Therapie ist die Erkenntnis, dass es möglich ist, den Tinnitus aus dem Bewusstsein zu verdrängen und den Betroffenen so zu entlasten. Eine Heilung im eigentlichen Sinne ist mithilfe der TRT jedoch nicht möglich.

Ein subjektiv empfundener Tinnitus kann unterschiedlich laut sein. Wie laut die zunächst harmlosen Ohrgeräusche wahrgenommen werden, kann die Folge eines ungünstigen Lernprozesses sein: Weil man dem Geräusch immer mehr Aufmerksamkeit schenkt, nimmt man es immer stärker wahr und empfindet es zunehmend als unangenehm. Das Geräusch verselbstständigt sich. So löst der Tinnitus schließlich körperliche Stressreaktionen aus, welche wiederum den Tinnitus verstärken können – ein Teufelskreis. So, wie es möglich ist, durch negative Lernprozesse eine Tinnitus-Wahrnehmung zu verstärken, ist es jedoch auch möglich, zu lernen, sich an die Ohrgeräusche zu gewöhnen, sodass man sie kaum noch wahrnimmt beziehungsweise sie nicht mehr als störend empfindet. Auf diese Weise kann eine Tinnitus-Retraining-Therapie den Teufelskreis unterbrechen.

Normalerweise filtert das Gehirn Hintergrundgeräusche aus unserer Wahrnehmung raus. Beim Tinnitus scheint dies jedoch nicht richtig zu funktionieren. Mithilfe einer Tinnitus-Retraining-Therapie kann eine normale Geräuschverarbeitung wieder hergestellt und die akustische Wahrnehmung im Gehirn wieder umtrainiert (retrainiert) werden.

Bei der Tinnitus-Retraining-Therapie arbeiten in der Regel ein HNO-Arzt, ein Psychologe und ein Hörgeräteakustiker mit dem Betroffenen zusammen. Die TRT besteht zunächst aus:

  • den sogenannten Counsellings (Beratungen),
  • damit verbundenen diagnostischen Verfahren,
  • einer psychologischen Betreuung sowie
  • einer Abschwächung der Stressreaktionen durch Entspannungstechniken.

Zusätzlich werden in den meisten Fällen sogenannte Rauschgeräte angepasst. Rauschgeräte sind Tongeber, die die Betroffenen wie kleine Hörgeräte hinter oder im Ohr tragen. Sie produzieren ständig ein leises, breitbandiges Rauschen, das den Tinnitus absichtlich nicht verdeckt, aber vom Tinnitus ablenkt und dem Gehirn so eine Gewöhnung an die Ohrgeräusche ermöglicht. Denn insbesondere bei Stille, wie etwa abends beim Einschlafen, nehmen Betroffene den Tinnitus stärker und dadurch auch als störend wahr.

Die Rauschgeräte lassen sich bei einer vorliegenden Hörminderung auch mit einem Hörgerät kombinieren. Die Tongeber kann man selbstständig einstellen, sie sollten jedoch nicht lauter als die Ohrgeräusche sein, da der Tinnitus so nicht effektiv abtrainiert werden kann.

Durch die Kombination von Beratungen, Stressminderung und Rauschgeräten lernt das Gehirn auf akustische Reize wieder normal zu reagieren, sodass der Tinnitus seine negative Bedeutung verliert. Die Tinnitus-Retraining-Therapie kann ambulant durchgeführt werden und dauert zwischen ein und zwei Jahren.

Weitere Therapiemöglichkeiten

Bei einem chronischen Tinnitus können je nach Ursache weitere Therapiemöglichkeiten in Erwägung gezogen werden:

  • Halswirbelsäule: Hängt der Tinnitus mit Veränderungen oder Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) zusammen, kann eine Behandlung mittels manualmedizinischer oder osteopathischer Methoden sinnvoll sein.
  • Kiefergelenke/Kauapparat: Auch Veränderungen im Bereich der Kiefergelenke bzw. des Kauapparates können einen Tinnitus hervorrufen. Hier sollten im Rahmen einer Therapie entsprechende Experten hinzugezogen werden, z.B. ein Kieferorthopäde oder ein Zahnarzt mit funktionstherapeutischer Ausrichtung.

Ginkgo biloba

Ginkgo-biloba-Präparate sollen unter anderem die Durchblutung fördern. Aus diesem Grund kommt Ginkgo immer wieder auch bei Tinnitus zum Einsatz. Ob er tatsächlich wirkt, ist jedoch fraglich, denn Studienergebnisse zur Wirkung von Ginkgo bei Tinnitus sind widersprüchlich. So kommen neuere große Studien und vergleichende Analysen anderer Studien (Metanalysen) beispielsweise zu dem Schluss, dass Ginkgo bei Tinnitus nur wenig besser als ein Scheinmedikament (Placebo) wirkt.






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